Vor wenigen Tagen hieß es an dieser Stelle noch, es bedürfe eines Fußballwunders, wenn Borussia Mönchengladbach den dritten Abstieg der Vereinshistorie in dieser Saison noch verhindern wolle. Zu aussichtslos schien die Lage nach der erneut erschreckenden Vorstellung daheim gegen die TSG Hoffenheim: die ersten sechs Saisonspiele in Folge verloren, viele verletzte Spieler und eine sich ausbreitende Hoffnungslosigkeit, die der neue Trainer Alexander Blessin als »Totengräberstimmung« bezeichnet hatte.
Kurz darauf hat es zumindest ein kleines Fußballwunder gegeben. Borussia Mönchengladbach hat den ersten Saisonsieg eingefahren, und das als krasser Außenseiter beim Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart. Dieser Sieg, diese drei Punkte, sind nicht vom Laster gefallen, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern wurden mit einer außergewöhnlichen Leistung verdient. Dass diese Mannschaft, die personell noch mehr gebeutelt war als in der Vorwoche, zu einer solchen Vorstellung fähig sein würde, war realistischerweise nicht zu erwarten.
Die Grundlage, um das Fußballwunder zu vollenden
Umso wichtiger ist die Feststellung, dass Attribute wie gemeinschaftliches Verteidigen, Aggressivität, Konzentration und Aufmerksamkeit bis in die Nachspielzeit hinein selbst für diese bislang so enttäuschenden Spieler möglich sind. Sie haben gezeigt, was man erreichen kann, wenn man an einem Strang zieht. Die Bereitschaft, dies zu tun und den Schalter umzulegen, ist die Grundlage, um das nun möglicherweise eingeleitete Fußballwunder auch zu vollenden.
Natürlich bedeuten diese drei Punkte in Stuttgart noch gar nichts, denn Borussia bleibt Tabellenletzter, und es warten noch harte Wochen und Monate sowie ganz viel Arbeit auf alle Beteiligten. Nicht umsonst verweist Alexander Blessin darauf, dass man keinen Deut davon abweichen dürfe, so aufzutreten, wie man es in Stuttgart zumindest ab der 20. Minute getan hat.
Ein wichtiges Lebenszeichen
Dieser Sieg ist ein wichtiges Lebenszeichen. Er bringt der Mannschaft, aber auch den Fans, das so lange vermisste Gefühl eines Sieges zurück, verbunden mit einer Steigerung des Selbstvertrauens und dem Wissen, dass man doch noch nicht abgeschrieben und abgestiegen ist. Was Mannschaft und Trainer aus dieser nunmehr leicht ins Positive gewendeten Ausgangssituation machen, bleibt abzuwarten. Aber immerhin hat der Abend in Stuttgart wieder die Fantasie geweckt, dass noch nicht alles verloren ist.
von Marc Basten

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