Moritz Nicolas: Kassierte in der ersten Halbzeit zwei Gegentore, bei denen er nichts ausrichten konnte. Darüber hinaus parierte er zwei Versuche von Becker aufmerksam. Im eigenen Strafraum hielt er sich allerdings sehr zurück, auch bei Ecken klebte er förmlich auf der Linie. Besonders schlecht sah der 28-Jährige beim 2:3 aus – da muss er die Hereingabe packen und sich zeigen. Beim vierten Tor reagierte er zunächst gut, war dann beim anschließenden Pingpong auch nicht mehr im Bilde. Seine extreme Zurückhaltung in der Strafraumbeherrschung lässt vermuten, dass er aktuell nicht über viel Selbstvertrauen verfügt. Damit scheint Nicolas auch als Kommandogeber für seine Vorderleute auszufallen. Note 4,5.
Joe Scally: Er spielte rechts in der Fünferkette und hatte dabei die ungewöhnliche Rolle, im Spielaufbau einzurücken und quasi als Spielmacher aus der Tiefe zu agieren. Akzente konnte der 23-Jährige hier jedoch keine setzen. Bei der Ballverarbeitung lag die Grenze zwischen Unkonzentriertheit und Unvermögen wieder einmal sehr nah beieinander. Auch defensiv gab es in der Abstimmung einige Probleme. Beim 1:1 verlor er Tietz aus den Augen, der sich in seinem Rücken freilaufen konnte. Schon früh in der zweiten Halbzeit deuteten sich zudem Fitnessprobleme an, weshalb er in der 76. Minute durch Hashioka ersetzt wurde. Note 4,5.
Ko Itakura: Übernahm die Position des rechten Innenverteidigers in der Abwehrkette, konnte aber erneut nicht überzeugen. Der 29-Jährige wirkte mehrfach leicht orientierungslos und strahlte kaum Souveränität aus. Beim Gegentor zum 1:2 orientierte er sich von Becker weg, was allerdings auch mit der schlechten Staffelung der Abwehr zu tun hatte. Nach vorne hatte er nach einer Freistoßflanke von Honorat eine gute Kopfballgelegenheit. Im zweiten Durchgang blieb der Japaner dann unauffällig und machte in der 84. Minute für seinen Landsmann Machino Platz. Note 4,5.
Jan Leszczyński: Er gab sein Startelfdebüt als zentraler Innenverteidiger und war tatsächlich ein Hoffnungsschimmer an diesem ansonsten so trüben Nachmittag. Der 19-Jährige agierte robust und unerschrocken und gefiel mit gutem Passspiel. Er hatte die meisten Ballkontakte aller Gladbacher, wobei er in einigen Situationen das Spiel sehr verschleppte, weil er keine Anspielstationen fand. Sein wuchtiger Kopfball wurde von der Linie gekratzt – ansonsten hätte er seinen ersten Bundesligatreffer erzielt. Der Pole bekam Szenenapplaus, als er mit einem langen Bein den Ball ins Seitenaus klärte. Dass so ein junger Spieler, der eigentlich behutsam herangeführt werden sollte, als einziger Lichtblick heraussticht, beschreibt die aktuelle Situation recht eindrücklich. In der Schlussphase bekam er Krämpfe, hielt aber bis zum Ende durch. Note 3,5.
Kevin Diks: Er führte die Mannschaft als Kapitän aufs Feld, konnte sich als linker Innenverteidiger jedoch nicht als Abwehrorganisator profilieren. Zwar unterlief dem 29-Jährigen kein schwerwiegender individueller Fehler, die allgemeine Verunsicherung in der Defensive konnte er aber auch nicht mindern. Gelegentlich blitzte ein gewisser Drang auf, im Ballbesitz etwas zu unternehmen, doch meist blieb das im Ansatz stecken. Auch seinen Elfmeter hatte er nicht schlecht geschossen – hart und zur Seite, allerdings zu weit ins Eck, sodass der Ball an den Pfosten klatschte. Dass Machino ihm beim zweiten Elfmeter den Ball nicht übergab, sagt auch einiges über Diks' Status in der Mannschaftshierarchie aus. Note 4,0.
Lukas Ullrich: Als linker Spieler der Fünferkette war der 22-Jährige nahezu an allen entscheidenden Situationen beteiligt. Das 1:0 leitete er mit einem guten Rechtsschuss ein, den Neuhaus ins Tor verlängerte. Vor dem 2:2 versuchte er zunächst vergeblich, den Ball hinter dem Standbein ins Tor zu befördern, doch dann bewies er Übersicht mit seiner gefühlvollen Hereingabe auf Lidberg. Beim ersten Mainzer Tor köpfte Ullrich den Einwurf unglücklich in die Mitte auf Becker und vor dem zweiten Gegentor blieb er zu passiv, um die Flanke zu blocken. Und beim vierten Gegentor fälschte er den Ball zweimal unglücklich ab und produzierte so ein halbes Eigentor. Insgesamt zeigte Ullrich ein paar Ansätze, aber auch nicht mehr. Note 4,0.
Hugo Bolin: Ihm wurde im neuen System eine sehr überraschende Rolle als zweiter Sechser neben Sander zugeteilt. Bei eigenem Ballbesitz rückte der Schwede mit nach vorne auf, während Scally in seinem Rücken das Aufbauspiel mitgestalten sollte. Gegen den Ball musste Bolin dann weit zurück. Der 23-Jährige machte die Wege zwar mit, war dabei allerdings wenig effektiv und auch als Kopfballspieler keine Hilfe – kein Wunder, schließlich ist er kein gelernter Defensivspieler. Schwerwiegender war jedoch, dass er seine offensiven Stärken in dieser Rolle nicht ausspielen konnte. Sein guter Pass bei der Einleitung des Ausgleichs blieb die einzig nennenswerte Aktion. Es ist nicht davon auszugehen, dass dieses Experiment wiederholt wird. Note 4,0.
Philipp Sander: Er agierte als linker Sechser positionsgetreuer als in den letzten Spielen und fing den Mainzer Pass ab, der zur Entstehung des 1:0 führte. Trotz all des läuferischen Aufwands hatte Sander auch wieder die Momente, in denen er zu passiv blieb. So lief er beim zweiten Mainzer Tor auf links außen nur gemächlich zurück und blieb auch beim dritten Gegentor eher in der Zuschauerrolle. Problematisch bleibt, dass der 28-Jährige am Ball kein Gestalter ist. Es wäre viel wert, wenn er genauso viel Verantwortung auf dem Platz übernehmen könnte wie bei den Interviews nach dem Spiel – da muss man ihm Respekt zollen, dass er sich immer stellt. Note 4,5.
Franck Honorat: In der ersten Halbzeit fiel er vor allem durch seine guten Ecken auf, sowohl von der linken als auch von der rechten Seite. Zudem schlug Honorat die präzise Freistoßflanke, die zur Kopfballchance von Itakura führte. Auch einige Sprints des Franzosen waren vielversprechend, auch wenn letztlich daraus keine nennenswerten Torschancen entstanden. In der Rückwärtsbewegung blieb er gelegentlich zu passiv – vor dem zweiten Mainzer Tor ließ er Lee einfach laufen. In der 76. Minute wurde der 30-Jährige etwas überraschend bereits ausgewechselt, worüber er nicht begeistert war, da es gerade die Phase war, in der Borussia wieder ins Spiel zurückgefunden hatte. Note 4,0.
Isac Lidberg: Er gab sein Startelfdebüt in der Bundesliga, konnte sich dabei aber zunächst überhaupt nicht einbringen. Lidberg behauptete nur wenige Bälle und wirkte in seinen Aktionen sehr hölzern. Zugutehalten muss man dem 28-Jährigen allerdings, dass das Spiel nicht auf ihn zugeschnitten war und er so gut wie gar nicht in typischer Mittelstürmerposition eingesetzt wurde. Dass er einen Torriecher hat, bewies er bei seinem Treffer zum 2:2, als er kompromisslos war, nicht lange fackelte und per Aufsetzer traf. Wirklich ärgerlich war dagegen sein Verhalten beim dritten Mainzer Tor, als er sich von Martel anfängerhaft abkochen ließ. Warum er hier nicht energisch geklärt hat, kann eigentlich nur damit erklärt werden, dass er auf eine Reaktion von Nicolas gewartet hat. Note 4,0.
Florian Neuhaus: Die Startelf-Nominierung des eigentlich ausgemusterten 29-Jährigen war gewiss die Überraschung des Tages. Als linker offensiver Spieler war Neuhaus in die Defensivarbeit nicht übermäßig involviert, konnte dort aber mit einer energischen Grätsche Pluspunkte sammeln. Seine Nominierung schien sich früh bezahlt zu machen: Beim Treffer zum 1:0 gab er dem Schuss von Ullrich die entscheidende Richtungsänderung. Für einen Spieler ohne Spielpraxis in einem neuen System machte Neuhaus es insgesamt recht ordentlich. Nach der Pause flog sein guter Linksschuss knapp über das Tor, dann sah er Gelb wegen eines Zwists mit dem Provokateur Posch und wurde kurz danach ausgewechselt. Note 4,0.
Wael Mohya (64. Minute für Neuhaus): Startete auf der linken Seite einige Dribblings, ohne dass dabei etwas Zwingendes herauskam. Bei einem Konter war er allein auf weiter Flur und wurde nicht gefährlich. Ohne Note.
Daiki Hashioka (76. Minute für Scally): Reihte sich ein und fiel weder positiv noch negativ auf. Ohne Note.
Kevin Stöger (76. Minute für Honorat): Übernahm die Bolin-Position, der dafür auf rechts ging. Stöger hatte noch zwei gute Ballgewinne, ließ sich aber vor dem dritten Mainzer Tor von Amiri viel zu einfach ausspielen. Ohne Note.
Robin Hack (84. Minute für Bolin): Blieb auch bei diesem Kurzeinsatz ein Schatten seiner selbst: sieben Ballkontakte – vier Ballverluste. Ohne Note.
Shuto Machino (84. Minute für Itakura): Köpfte nach einer Ecke über das Tor und sah dann beim vierten Mainzer Tor schlecht aus, als er im Fünfmeterraum den Ball genau vor die Füße von da Costa kickte. Als er von Potulski in der Nachspielzeit gefoult wurde, rannte er wie von der Tarantel gestochen auf den Mainzer zu und wollte ihm an die Gurgel gehen. Dafür sah er die Gelbe Karte. Kurz darauf schnappte er sich zum Elfmeter entschlossen den Ball und gab ihn trotz Aufforderung nicht an Diks heraus. Ohne Note.
von Redaktion TORfabrik.de

