Blessin musste an seiner alten Wirkungsstätte auf Zento Uno und Franck Honorat verzichten (siehe Extra-Meldung). Er bot vor Torwart Nicolas eine Dreierabwehrkette mit Hashioka, Sander und Leszczynski auf, Scally und Herold besetzten die Außenpositionen, während Stöger und Neuhaus in der defensiven Zentrale spielten. Machino und Hack agierten hinter der einzigen Spitze Kleindienst. Taktisch war es ein 5-4-1 gegen den Ball und ein 3-4-2-1 bei eigenem Ballbesitz.
Den Ballbesitz hatten zunächst die Borussen, die in der Anfangsphase mit intensivem Pressing, hohen Ballgewinnen und viel Kontrolle das deutlich überlegene Team waren. Die erste echte Torchance hatte Kleindienst in der 14. Minute, als er nach Vorlage von Scally von halbrechts aus spitzem Winkel dem Keeper an den Kopf schoss. Kurz darauf brachte Stöger eine Ecke vor das Tor, die Leszczynski am zweiten Pfosten an die Latte köpfte (15.). Die folgende Ecke brachte Stöger erneut scharf vor das Tor, und diesmal köpfte Kleindienst aus kurzer Distanz zur verdienten Gladbacher Führung ein.
St. Pauli kommt auf
In der Folgezeit kam St. Pauli besser ins Spiel, während sich die Borussen ein Stück zurückzogen. Richtig gefährlich wurden die Gastgeber zunächst nicht, doch in der 36. Minute musste Nicolas nach einem Konter im kurzen Eck parieren. Eine Minute später rettete Hashioka nach einem Ballverlust seines Nebenmannes Leszczynski. In der 44. Minute hätte St. Pauli zwingend den Ausgleich markieren müssen, doch Kaars schoss freistehend aus sechs Metern am Tor vorbei.
Zur zweiten Halbzeit wechselte Blessin dreimal: Batz ersetzte Nicolas, Nguefack kam für Stöger, und Lidberg ersetzte Kleindienst. St. Pauli begann forsch, und nachdem Sander an der Grundlinie einen Zweikampf verlor, landete ein abgefälschter Schuss an der Latte des Gladbacher Tores (46.). Der Zweitligist diktierte fortan den Rhythmus, ohne allerdings zu weiteren nennenswerten Gelegenheiten zu kommen. Die Borussen hatten ihrerseits nur eine Kopfballmöglichkeit durch Machino, die Voll im Tor von St. Pauli entschärfte.
Ausgleich nach Fleck-Chance
Nach knapp einer Stunde kam Konoplia für Leszczynski ins Spiel und übernahm Scallys Position auf der rechten Seite, während der Amerikaner nun als linker Innenverteidiger in der Dreierkette agierte. St. Pauli hatte weiterhin mehr vom Spiel, und die Borussen blieben am Ball sehr einfallslos. Das änderte sich in der 75. Minute, als der eingewechselte Fleck nach einem zügig vorgetragenen Angriff das 2:0 verpasste. Im Gegenzug gelang St. Pauli der Ausgleich: Nach einem langen Ball auf Jones ging Sander nicht konsequent genug in den Zweikampf, und der Angreifer hob den Ball von der linken Ecke des Sechzehners über Batz hinweg ins lange Eck.
Danach war die Partie ausgeglichen, ohne dass einem der beiden Teams noch eine klare Torchance gelingen wollte. Am Ende steht ein leistungsgerechtes Remis und die Erkenntnis, dass auch unter dem neuen Trainer Alexander Blessin die Bäume für Borussia wie zu erwarten nicht in den Himmel wachsen.
Fazit: Grundlagenarbeit nötig
Die Mannschaft hatte zwar eine gewisse Grundstabilität an den Tag gelegt, aber St. Pauli hatte dennoch genügend Gelegenheiten, das Spiel für sich zu entscheiden. Die Konsequenz und Aggressivität, die Blessin einfordert, konnte sein Team noch nicht auf den Platz bringen. Erschwerend kam hinzu, dass es sich bei eigenem Ballbesitz im Verlauf des Spiels immer schwerer tat und zunehmend ideenlos wirkte.
Die Woche bis zum Derby in Köln muss also dringend für weitere Grundlagenarbeit genutzt werden.
Kurzstatistik zum Spiel:
FC St. Pauli: Voll - Dzwigala (76. Westphal), Nemeth, Ritzka - Pyrka, Klein, Fujita, Oppie, Rasmussen (62. Ahlstrand) - Niang (62. Jones), Kaars
Borussia Mönchengladbach: Nicolas (46. Batz) - Hashioka, Sander, Leszczynski (57. Konoplia) - Scally (81. Mujevic), Stöger (46. Nguefack), Neuhaus (81. Schweers), Herold - Machino (67. Fleck), Hack (67. Danfa) - Kleindienst (46. Lidberg)
Tore: 0:1 Kleindienst (16.), 1:1 Jones (75.)
Gelbe Karten: Jones, Klein - Hashioka, Herold
Schiedsrichter: Harm Osmers
Zuschauer: 17.895
von Marc Basten

