Borussia holt den UEFA-Cup

Vor 40 Jahren - Borussias letzter internationaler Titel

von Borussia holt den UEFA-Cup

Vor genau 40 Jahren - Borussia holt den UEFA-Cup gegen Roter Stern Belgrad (Foto: TORfabrik.de)

In der abgelaufenen Saison hat sich Borussia Mönchengladbach für die Teilnahme der Europa League qualifiziert. Heute vor 40 Jahren gewann sie diesen Wettbewerb, der damals noch UEFA-Cup hieß.

Die aktuelle Generation der Profis von Borussia Mönchengladbach weilt momentan in China, um für den Verein im Reich der Mitte die Werbetrommel zu rühren. Die Männer, die vor 40 Jahren das Trikot mit der Raute trugen, hatten an diesem Tag etwas anderes vor. Sie bestritten das Finalrückspiel im UEFA-Cup gegen Roter Stern Belgrad und gewannen den bislang letzten internationalen Titel für die Fohlenelf.

1979 endete langsam aber sicher die große Ära der Fohlenelf, die durch die wilden Siebziger gestürmt war. Berti Vogts, als einer der letzten Helden dieser Zeit, bestritt mit Borussia am 15. Mai bereits sein Abschiedsspiel am Bökelberg gegen die Nationalmannschaft, obwohl die Saison noch gar nicht beendet war. Vom Glanz der Vorjahre war in Mönchengladbach nicht mehr viel übrig und Borussia beschloss die Spielzeit in der Bundesliga letztlich auf Rang 10, nachdem man zeitweise sogar um den Klassenerhalt bangen musste.

Benfica Lissabon und Manchester City wurden aus dem Weg geräumt

Auf internationaler Ebene hinterließen die Gladbacher - als Vizemeister von 1978 im UEFA-Pokal unterwegs - aber nochmals eine beeindruckende Visitenkarte. In der ersten Runde - es ging damals direkt im K.o.-Modus los - fegte Borussia Sturm Graz mit 5:1 vom Bökelberg (vor gerade einmal 8.000 Zuschauern!) und gewann auch das Rückspiel in Österreich mit 2:1. In der zweiten Runde stand das attraktive Reiseziel Lissabon auf dem Programm. Bei Benfica gab es ein torloses Remis, im Rückspiel (vor voller Hütte) sorgten Bruns und Klinkhammer in der Verlängerung für den 2:0-Erfolg.

In der dritten Runde bekam es das Team von Udo Latteck mit Slask Breslau zu tun. Am Bökelberg reichte es nur zu einem 1:1, doch im Rückspiel sorgte Allan Simonsen mit einem Dreierpack beim 4:2-Erfolg für den Einzug ins Viertelfinale. Dort traf Borussia auf Manchester City, damals natürlich noch nicht der Weltklub mit den Milliarden-Investoren aus der Wüste. In Manchester holte Gladbach ein 1:1 - Ewald Lienen sorgte für den wichtigen Auswärtstreffer. Im Rückspiel auf dem ausverkauften Bökelberg trafen Kulik, Bruns und Del’Haye und bescherten Mönchengladbach beim 3:1-Fußballfest den Einzug ins Halbfinale.

Ein Halbfinale im Europacup vor 14.800 Zuschauern

Dass das alles schon vierzig Jahre her ist und sich seitdem vieles verändert hat, zeigt der Blick auf die Halbfinalpaarung. Borussias Gegner war der MSV Duisburg. Das HInspiel im Wedaustadion endete 2:2 und zwei Wochen später im Rückspiel auf dem Bökelberg fanden sich gerade mal 14.800 Zuschauer ein. Eine unfassbare Zahl angesichts eines Halbfinalrückspiels im Europacup. Die wenigen Besucher sahen einen klaren 4:1-Erfolg der Borussia, die damit ins Finale gegen Roter Stern Belgrad einzog.

Anders als heute wurde auch das Finale mit Hin- und Rückspiel absolviert. Für die Fohlen ging es am 9. Mai 1979 ins damalige Jugoslawien, wo 95.000 Zuschauer warteten. Es war ein Kampf- und Krampfspiel, aus dem die Gladbacher mit einem 1:1 herausgingen. Dem Belgrader Jurisic unterlief in der 60. Minute zur Freude der Borussen ein Eigentor zum Endstand.

Mit Glück und Geschick - Borussia holt den UEFA-Cup

Am 23. Mai 1979, also auf den Tag genau vor 40 Jahren, fand im Düsseldorfer Rheinstadion das Rückspiel statt. 45.000 Zuschauer hatten sich bei Dauerregen dort eingefunden (u.a. auch der Autor dieser Zeilen) und sie erlebten ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst ließ sich alles sehr gut an, weil Simonsen nach 17 Minuten im Strafraum der Gäste zu Fall kam. Der italiensche Schiedsrichter entschied auf Elfmeter und obwohl sich die Proteste der Belgrader in Grenzen hielten, war das eine mehr als strittige Entscheidung. Simonsen holte den Strafstoß mit einer maximal geschickten Aktion heraus - und der Däne, der nach der Saison zum FC Barcelona wechselte - verwandelte Höchstselbst vom Punkt.

Danach durfte im weiten Rund kräftig gezittert werden. Die Abwehr um Vogts, Hannes und Ringels hatte Schwerstarbeit zu verrichten, Torwart Kneib musste mehrfach eingreifen und hatte letztlich bei einem Lattenschuss auch das Glück des Tüchtigen. Am Ende reichte das Elfmetertor von Allan Simonsen und Kapitän Berti Vogts konnte den UEFA-Cup in den nassen Düsseldorfer Abendhimmel heben. Später sagte er dann mit Blick auf den Pokal: »Schaut ihn euch genau an. Es wird der letzte Titel sein, den Borussia für lange Zeit gewinnt.«

Berti Vogts Prophezeiung erfüllte sich auf bittere Art und Weise

Manch einer zollt Vogts im Nachhinein für seine Weitsicht Respekt, andere wiederum sind der Meinung, dass nach Vogts Worten ein Fluch auf Borussia liegt. Im Folgejahr zog die Fohlenelf unter Trainer-Novize Jupp Heynckes wieder ins Finale des UEFA-Cups ein, unterlag dort jedoch Eintracht Frankfurt. Auch die nächsten beiden Finalspiele im DFB-Pokal (1984 und 1992) wurden verloren. Fluch hin oder her - Fakt ist, dass es bis zum nächsten Titel 16 Jahre dauerte (DFB-Pokal 1995) und die Vitrine darüber hinaus leer blieb.

Ob sich daran in den nächsten 40 Jahren etwas ändern wird? Ab August kann in drei Wettbewerben ein neuer Anlauf gestartet werden und vielleicht stemmt im Mai 2020 ja mal wieder ein Borusse einen Pokal in die Höhe, der etwas werthaltiger ist, als der für ein Freundschaftsspiel in China. Bis dahin bleiben die Herren Kneib, Ringels, Vogts, Schäffer, Schäfer, Hannes, Kulik, Köppel, Wohlers, Simonsen, Lienen und Gores die Borussen, die den UEFA-Cup zuletzt in Händen hielten.

 


von Marc Basten

 

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