Es war ein eigenartiger Nachmittag im ehemaligen Waldstadion in Frankfurt. Die heimische Eintracht, ersatzgeschwächt und durch die frühe Verletzung ihres einzigen Stürmers zusätzlich gebeutelt, wirkte verunsichert und fahrig. Die Impulse, die der neue Trainer setzen wollte, schienen keinen Effekt zu haben. Nach einer kurzen Pressingphase überließen die Frankfurter den Gladbachern die Kontrolle, und es sah so aus, als ob die Borussen in der Lage seien, diese Konstellation für sich zu nutzen.
Die Gladbacher wirkten frisch, konzentriert und nicht ängstlich am Ball. Man kann ihnen zwar vorwerfen, im Aufbau das eine oder andere Mal zu früh den Rückwärtsgang eingelegt zu haben, aber insgesamt agierten sie reifer und strukturierter als die Gastgeber. »Zwischen den Sechzehnern haben wir ein gutes Auswärtsspiel gemacht«, sagte Sportchef Rouven Schröder anschließend, und niemand konnte ihm ernsthaft widersprechen. Die Borussen machten von der ganzen Herangehensweise sehr viel richtig, doch dennoch lagen sie nach 34 Minuten mit 0:2 hinten.
»Wir müssen bei so viel Aufwand deutlich mehr Ertrag erzielen«
Frankfurt nutzte zwei der drei Chancen – mit tatkräftiger Unterstützung der Gladbacher. Vor dem ersten Gegentor ließen sich Sander und Castrop überrumpeln, und in der Mitte wurde nicht konsequent verteidigt. Beim zweiten Treffer war es in der Entstehung wieder Sander, der schlecht aussah. Auch hier fehlte es in letzter Instanz bei Stöger und besonders bei Ullrich an der notwendigen Vehemenz im Zweikampf, um den Abschluss zu verhindern. »Bei allen Gegentoren verteidigen wir die Box nicht gut genug«, sagte Eugen Polanski. »Da sind wir zu passiv, zu spät, nicht klar im Kopf.«
Die Borussen machten der Eintracht das Toreschießen extrem einfach und waren selbst viel zu umständlich und harmlos bei den eigenen Angriffen. »Mit der Anzahl und Qualität unserer Angriffe musst du mindestens ein Tor machen«, sagte Polanski, und Schröder ergänzte: »Wir müssen bei so viel Aufwand deutlich mehr Ertrag erzielen.« Die Borussen lagen in allen Statistiken vorn, aber das nackte Ergebnis sagte etwas anderes aus. »Frankfurt war klar effizienter; wir haben unsere Situationen nicht gut genug zu Ende gespielt«, sagte Polanski.
»Wir waren in beiden Sechzehnern schlechter als der Gegner«
Der Coach nahm zur Pause Sander vom Feld, brachte Machino und sortierte das Mittelfeld neu. Doch durchschlagskräftiger wurden die Borussen dadurch nicht – im Gegenteil. Sie stellten die Frankfurter vor keine großen Aufgaben. »So, wie wir heute im gegnerischen Sechzehner agiert haben, kannst du in der Bundesliga keine Tore schießen«, sagte Polanski sichtlich frustriert. Mit dem 0:3, dem ein grober Fehler des bis dahin sehr ordentlich spielenden Takai vorausging, war die Partie eine Viertelstunde vor dem Ende endgültig entschieden.
»Die Mannschaft hat sich nicht hängen lassen, sie hat bis zum Schluss versucht, etwas mitzunehmen«, sagte Polanski. »Trotzdem reicht es nicht, nur gut auszusehen – am Ende zählen Ergebnisse, und die sprechen gerade gegen uns.« Vorne zu harmlos, hinten in den entscheidenden Momenten zu inkonsequent – oder wie es Polanski ausdrückte: »Wir waren in beiden Sechzehnern schlechter als der Gegner.« Die Qualität der Mannschaft reichte wieder einmal nicht aus, wobei nicht klar abzugrenzen ist, ob sie es wirklich schlichtweg nicht besser kann oder ob sie die vorhandenen Qualitäten nur nicht zur Gänze abruft.
Borussia lässt einfach zu viele Punkte liegen
Egal wie man es auslegen mag – die Lage spitzt sich immer mehr zu. Dass es noch nicht ganz so dramatisch erscheint, liegt an der Konkurrenz, die ebenfalls auf der Stelle tritt. Aber Borussia lässt in diesen Wochen einfach zu viele Punkte liegen gegen Mannschaften, die in diesem Moment absolut schlagbar waren. Diese vertanen Chancen wie in Frankfurt könnten noch richtig wehtun, wenn man in die Endspiele gegen die Mitkonkurrenten ohne ein Punktepolster gehen muss. Am nächsten Wochenende in Freiburg sollte man endlich damit aufhören, die Punkte so leichtfertig zu verschenken.
von Marc Basten

