Borussias Trainer Eugen Polanski nahm gegenüber der Niederlage in Leipzig vor einer Woche zwei Veränderungen in der Startelf vor: Für Honorat und Ullrich, die beide auf der Bank Platz nahmen, starteten Hugo Bolin und Kevin Stöger. Die Borussen begannen sehr zurückhaltend, Mainz übernahm die Spielkontrolle. Daraus resultierte eine erste Kopfballchance für Becker, als Scally am langen Pfosten nicht gut postiert war – der Ball flog über den Querbalken (4.).
Auch die nächste Chance gehörte den Gästen. Diks kam an eine Flanke nicht heran, Tietz zum Abschluss – Nicolas war zur Stelle (6.). Dass eine Minute später im Borussia-Park der Führungstreffer bejubelt werden durfte, kam sehr überraschend. Castrop flankte von der linken Seite, Tabaković legte per Kopf auf Bolin ab, der den Ball mit einem kurzen Antritt und einer schnellen Drehung kontrollierte und Scally bediente. Der US-Amerikaner schoss mit links flach ins lange Eck zum 1:0 für die Borussia.
Castrop lässt die Großchance ungenutzt
Die frühe Führung gab den Borussen jedoch keinen Rückenwind, denn auch danach machte Mainz das Spiel, während die Gladbacher nur reagierten. Die Gäste hatten einige Halbchancen, aber in dieser Phase kamen die Gladbacher zumindest ab und zu in den gegnerischen Strafraum. Bolin setzte einen schönen Schlenzer von der linken Strafraumgrenze knapp über das Tor (17.).
Während die Mainzer sich weiterhin im letzten Drittel etwas zu umständlich verhielten, hatten die Gladbacher nach einer halben Stunde die Riesenchance zum zweiten Tor. Nach einer Stöger-Flanke legte Tabaković per Kopf auf Elvedi ab, der am Fünfmeterraum wiederum auf den nachrückenden Castrop zurückköpfte. Der hatte einen freien Schuss aus zehn Metern, traf aber den Rücken des auf dem Boden liegenden Elvedi, anstatt auf 2:0 zu stellen (31.).
Übervorsichtige Borussen
Mainz blieb das bessere Team, ohne Nicolas aber wirklich gefährden zu können. Die Borussen agierten weiterhin sehr passiv und übervorsichtig am Ball. Daran änderte sich auch nach der Pause nichts – im Gegenteil. Hatten die Gladbacher im ersten Durchgang noch das Tempo verschleppt, gab es nun immer weniger Ballbesitzphasen. Man verteidigte und spekulierte auf Kontersituationen, was in der 53. Minute fast geklappt hätte: Sander passte auf Tabaković und der wiederum auf den durchstartenden Castrop, der mit seinem Schuss von halblinks jedoch am Mainzer Torwart hängen blieb.
Die Gäste hatten derweil weitere Abschlüsse, doch die nötige Präzision fehlte. Das galt auch für Borussias zweite und letzte Chance der zweiten Halbzeit, als Bolin Reitz mit einem abgefälschten Zuspiel bediente. Reitz kam im Strafraum zum Schuss, traf den Ball jedoch nicht voll – die Gelegenheit war vertan (63.). In der letzten halben Stunde gab es dann überhaupt keine Entlastung mehr für die spielerisch schwachen Gladbacher. Auch die Wechsel von Polanski verpufften wirkungslos.
Fataler Kontakt von Engelhardt
Mainz versuchte alles und schien sich in der 88. Minute zu belohnen: Amiri zirkelte einen Freistoß an den langen Pfosten, und der eingewechselte Weiper überwand Nicolas mit einer Kopfballbogenlampe. Doch das Entsetzen im Borussia-Park wandelte sich durch einen VAR-Eingriff in einen Jubelsturm – Weiper stand knapp im Abseits, das Tor wurde aberkannt. Mainz griff nun noch wütender und verzweifelter an, während die Borussen wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen hingen.
Einige Male ging es sehr wild im Gladbacher Strafraum zu, doch irgendwie schienen die Borussen auch die fünfminütige Nachspielzeit zu überstehen. Dann aber leistete sich Engelhardt gegen den seitlich aus dem Strafraum laufenden Mwene einen überflüssigen und folgenschweren Kontakt, den der Schiedsrichter als Elfmeter wertete. Amiri trat vom Punkt an und verwandelte sicher zum 1:1 (90.+8).
Enttäuschend mutlos
Borussia verlor in wirklich letzter Sekunde zwei überlebenswichtige Punkte auf dramatische Art und Weise und bleibt damit tief im Abstiegskampf. Objektiv betrachtet hatte Mainz diesen Ausgleich mehr als verdient – denn die Borussen traten in diesem so wichtigen Heimspiel über die gesamte Distanz enttäuschend mutlos auf.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Sander, Elvedi, Diks (71. Chiarodia) - Scally, Reitz, Engelhardt, Castrop (71. Ullrich) - Bolin ( Honorat), Stöger (71. Reyna) - Tabaković (87. Takai)
weiter im Kader: Olschowsky (ETW), Mohya, Machino, Hack
Mainz 05: Batz - da Costa (82. Weiper), Posch, Kohr - Caci (76. Widmer), Kai. Sano, Veratschnig (66. Mwene), Amiri, Nebel (76. Böving) - Tietz, Becker (66. Sieb)
Tore: 1:0 Scally (7.), 1:1 Amiri (90.+8 /FE)
Gelbe Karten: Tabaković, Engelhardt, Elvedi, Sander, Nicolas - Kohr, Caci
Schiedsrichter: Tobias Welz
Zuschauer: 50.245
von Marc Basten

