Nachdreher aus dem Borussia-Park

»Das ist die Benchmark für den Abstiegskampf«

Created by Nachdreher aus dem Borussia-Park

Startelfdebüt für Wael Mohya (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach holt mit dem hart erarbeiteten 1:0-Sieg über Union Berlin den überlebenswichtigen Dreier im Abstiegskampf. Im emotional aufgeladenen Borussia-Park herrschte nach dem Schlusspfiff vor allem Erleichterung vor, weil die Mannschaft dem Druck standgehalten hat.

Man muss nicht um den heißen Brei herumreden: Wäre Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin nach einer eher kläglichen Leistung mit einer Niederlage vom Platz gegangen, hätte das den Katastrophenalarm ausgelöst und Sportchef Rouven Schröder dazu genötigt, seine letzte Patrone zu verfeuern und einen Trainerwechsel zu forcieren. Der Druck auf allen Beteiligten war riesig – und entsprechend groß war die Erleichterung, dass am Ende eines emotionalen Spiels das 1:0 für Borussia auf den Anzeigetafeln leuchtete.

Für den neutralen Zuschauer hatte das Match zweier limitierter Teams wenig zu bieten, aber für die Anhänger der Borussia war es etwas ganz anderes. Angesichts der prekären Situation war es eine Schlacht mit Finalcharakter, die gewonnen werden musste. »Alle haben sich diesen Druck auferlegt«, sagte Rouven Schröder. »Und wir haben dem Ganzen standgehalten. Darauf darf man heute bewusst stolz sein, dass wir daran nicht zerbrochen sind.«

Ballkontrolle stand im Vordergrund

Eugen Polanski hatte bei der Aufstellung einen Fingerzeig setzen wollen, indem er Wael Mohya von Beginn an spielen ließ. Das sollte Frische und Mut symbolisieren, was zuletzt im Angriffsspiel gefehlt hatte. Doch wer eine Vollgas-Offensive von Beginn an erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Ballkontrolle stand im Vordergrund, und auch Mohya spielte nicht einfach drauflos, sondern zumeist den sicheren Quer- oder Rückpass. Da Union auf jegliches Forechecking verzichtete und sich stattdessen auf bekannte Art und Weise verschanzte, waren die Borussen gefordert, »ein dickes Brett zu bohren«, wie Polanski später sagte.

Es war zu erkennen, dass man zielgerichteter angreifen wollte, doch über weite Strecken der ersten Halbzeit war es eine zähe Angelegenheit, und so richtig traute sich niemand, die Handbremse gänzlich zu lösen. In einigen Phasen passte die Ballzirkulation auf dem Rasen perfekt zum eintönigen Singsang aus der Kurve. So würde man die Fußballverhinderer von Union nun wirklich nicht aus der Reserve locken. Dennoch gab es in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die Riesenchance, als Sander zu einem Verzweiflungsschuss aus fast 30 Metern ansetzte, der überraschenderweise brandgefährlich wurde. Rönnow im Berliner Tor musste sich strecken und wehrte den Ball so ab, dass Diks aus wenigen Metern zu einem freien Kopfball kam – aber über den Kasten köpfte.

»Nur so bleibst du in der Liga«

Nach dem Seitenwechsel wurde Union kurzzeitig etwas aktiver, und man musste befürchten, dass den Borussen nun die Kontrolle entgleiten würde. Doch dem war nicht so, auch weil die Berliner nicht nachsetzten und sich wieder ihrem Vorhaben widmeten, ein Fußballspiel mit allen Mitteln zu zerstören, anstatt etwas zu gestalten. 40% Ballbesitz, 18:5 Fouls, ständiges Lamentieren und Zeitspiel von Beginn an – ekelhafter als Union kann man Fußball kaum „spielen". Die Borussen erhöhten nun sukzessive den Druck und agierten zielgerichteter nach vorne. »Die Mannschaft hat deutlich mehr den Vorwärtsgang eingelegt und den Gegner konsequenter bedroht«, sagte Rouven Schröder. »Wir haben uns mehr zugetraut, sind ins Eins-gegen-eins gegangen, haben überlaufen und auch aus der zweiten Reihe geschossen.«

Der Schwung vom Rasen schwappte nun auch auf die Ränge über, und aus dem monotonen Gesangsteppich wurde plötzlich echter Support, der durch das gesamte Stadion getragen wurde. »Der Borussia-Park war stimmungsgeladen und hat uns in schwierigen Phasen geholfen«, sagte Schröder. »Die Fans standen wie eine Eins hinter uns, nicht nur die Nordkurve, sondern das ganze Stadion. Das ist die Benchmark für den Abstiegskampf. Nur so bleibst du in der Liga.« In diese Phase hinein fiel der vermeintliche Führungstreffer durch Kevin Diks, und das Stadion explodierte förmlich – ehe der VAR den Jubel killte. Eine angeblich minimale Abseitsstellung von Reitz in der Entstehung des Tores war ausgemacht worden.

»Wir werden noch harte Heimspiele haben«

Das war ein echter Schlag ins Kontor aller Borussen, doch er führte nicht dazu, dass die Köpfe nach unten gingen. Man blieb dran und spielte fast schon mit dem Mute der Verzweiflung nach vorne. Machino und Engelhardt ließen den Lucky Punch noch liegen, doch dann wurde das Nachsetzen von Bolin mit dem Elfmeter belohnt. Kevin Diks behielt die Nerven und verwandelte eiskalt – der Borussia-Park eskalierte ein zweites Mal. Doch auch dieser Jubel war um ein Haar verfrüht, denn in der großzügig ausgedehnten Nachspielzeit wäre Union mit der Brechstange fast noch zum Ausgleich gekommen. Das Matchglück war jedoch in letzter Sekunde auf Seiten der Borussen, sodass dieser in allen Belangen verdiente Sieg Bestand hatte.

Die Erleichterung war riesengroß, doch die Realität holte die Protagonisten schnell ein. »Wir haben noch längst nichts geschafft«, sagte Schröder. »Du gehst in die Kabine, siehst die Ergebnisse und weißt: Mehrere Mannschaften haben verstanden, worum es geht.« Aber eine positive Entwicklung gab es dennoch: »Wichtig ist, dass wieder mehr Teams im Kampf dabei sind, die sich vielleicht schon ein wenig in Sicherheit gewähnt haben«, sagte Schröder, ohne den FC aus Köln dabei namentlich zu erwähnen. »Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft aktiv bleibt und den Druck annimmt. Wir brauchen dieses Kribbeln, dieses Messer am Hals. Das wird uns durch die Saison tragen. Niemand lässt nach. Jeder hat den Spirit, drin zu bleiben. Wir werden noch harte Heimspiele haben, aber so wie heute der Borussia-Park gelebt hat, ist das genau die Benchmark.«


von Marc Basten

Video

Video

Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Union

Das Video der Pressekonferenz nach dem Heimspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin (1:0) mit Borussias Cheftrainer Eugen Polanski und…

Vorbericht

Vor dem Spiel gegen Union Berlin

Borussia gegen Union unter Zugzwang

Borussia Mönchengladbach steht am Samstag im Heimspiel gegen Union Berlin (15:30 Uhr) unter Zugzwang. Durch die Sieglosserie stecken die Fohlen wieder…

Spielbericht

24. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Union Berlin

1:0! Last-Second-Sieg für Borussia gegen Union Berlin

Borussia Mönchengladbach hat den wichtigen Heimsieg gegen Union Berlin eingefahren. In der vierten Minute der Nachspielzeit verwandelte Kevin Diks…

Einzelkritik

Einzelkritik: SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:0)

Borussias nächste ernüchternde Vorstellung

Borussia Mönchengladbach war auch in Freiburg von einem Befreiungsschlag im Abstiegskampf weit entfernt. Die Fohlen blieben in allen Bereichen zu viel…


Amazon Affiliate:
TORfabrik.de Empfehlung

Pressing aktuell

© 2000 - 2026 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG