Das Wintertransferfenster ist geschlossen und in Bezug auf Borussia Mönchengladbach lässt sich festhalten, dass vergleichsweise kräftig durchgelüftet wurde. Zehn Veränderungen gab es im Kader - so viel wie seit den Zeiten des "Kaufhaus des Westens" in den frühen 2000er-Jahren nicht mehr. Tomáš Čvančara wurde weiterverliehen, auch Jonas Omlin und Grant-Leon Ranos kicken den Rest der Saison woanders. Dazu wurden Oscar Fraulo, Charles Herrmann und Luca Netz verkauft. Auf der Zugangsseite stehen Jan Olschowsky (vorzeitige Rückkehr nach Leihe), Kota Takai, Alejo Sarco und Hugo Bolin - alle im Status eines Leihspielers.
Bei Bolin, so hat es zumindest Malmö FF bekannt gegeben, tritt im Sommer eine Kaufpflicht für die Borussia ein. Dieses Konstrukt sowie die anderen Leihen bestätigen die Informationen, dass es um Borussias Finanzen noch schlechter bestellt ist, als allgemein kommuniziert. Finanzielle Risikotransfers wurden jedenfalls gescheut, was gleichzeitig bedeutet, dass der anstehende Abstiegskampf ohne neue erfahrene Bundesligaspieler geführt werden muss. Ob die Qualität des Kaders für den Ligaverbleib ausreicht, wird sich zeigen.
Mehr Kreativität gefragt
Bei so vielen Leihspielern ist klar, dass es im Sommer viel Bewegung im Kader geben muss. Mit dem Ausmisten hat Schröder begonnen und es wird weitergehen. Auf der anderen Seite muss - unabhängig von der Ligazugehörigkeit - eine fast komplett neue Mannschaft zusammengestellt werden. Hierzu ist bei knapper Kasse mehr Kreativität denn je gefragt - und ein exzellentes Scouting. Für ein solches stand in der Vergangenheit Steffen Korell mit seinem Team, das seinerzeit mit Max Eberl einige Volltreffer landete.
Korell arbeitete dabei im Hintergrund und zog die Fäden - nicht zuletzt die prägende 'French Connection' hatte der Ex-Profi federführend zu verantworten. Doch der Markt in Frankreich hat sich verändert und so gab es in den Jahren unter Sportdirektor Roland Virkus viele Transfers von Spielern, die nicht als Coup der Scoutingabteilung in die Geschichte eingehen. Ein gutes Scouting gab es in der Zweiten Liga (Hack, Sander, Castrop), aber international lief außer Diks (kam aus Dänemark) nicht viel - auch weil das Standing der Borussia nicht mehr so ist wie vor acht Jahren.
Es braucht also viel Kreativität und möglicherweise auch ein neues Netzwerk, um unter den verschärften Bedingungen konkurrenzfähig zu bleiben. Entsprechend passend ist die Meldung, die die Borussia am Dienstag veröffentlichte: Steffen Korell gibt seinen Posten als Direktor Scouting mit sofortiger Wirkung auf eigenen Wunsch ab und wird nur noch als Berater tätig sein. »Steffen ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert Borusse durch und durch und ist mit seiner Expertise Gold wert für diesen Verein. Steffen beschäftigt sich schon länger mit dem Gedanken, diesen Schritt zu gehen. Diesen Wunsch respektieren wir – und freuen uns gleichermaßen, dass er uns weiterhin mit Rat und Tat, seinem guten Auge und seiner klaren und klugen Meinung zur Verfügung steht«, wird Rouven Schröder in der Vereinsmitteilung zitiert.
Schröder holt sich einen engen Vertrauten an die Seite
Neuer Direktor Scouting & Recruitment wird ab 1. März André Hechelmann (41). Er war zuletzt als Chefscout Lizenz beim FC Bayern München tätig und ein alter Weggefährte von Schröder. Beide arbeiteten gemeinsam in Mainz und auf Schalke zusammen. Nun holt sich Borussias Sportchef also einen engen Vertrauten an die Seite. Auch wenn vor allem aus Gelsenkirchen einige kritische Stimmen im Zusammenhang mit Hechelmann zu hören sind, erscheint diese Personalie sinnvoll. Dass sich Rouven Schröder als neuer starker Mann mit 'seinen' Leuten umgeben will, ist nur verständlich. Und da frischer Wind und externe Expertise in Mönchengladbach dringend notwendig sind, könnte Hechelmann zur richtigen Zeit kommen.
Arbeit gibt es jedenfalls genug, um den Umbruch zu gestalten, über den man in Gladbach seit so vielen Jahren gesprochen, aber nie richtig umgesetzt hat. Eine Voraussetzung für einen geregelten Neuanfang ist natürlich die Bundesligazugehörigkeit – und die zu sichern, ist aktuell die größte Herausforderung.
von Marc Basten

