Wenn am Sonntag im Borussia-Park etwas gepasst hat, dann war es das Setting: nasskaltes Herbstwetter, ungeliebte Anstoßzeit, handgezählte 224 Auswärtsfans und ein Fußballspiel, bei dem der punktlose Tabellenletzte gegen den Vorletzten antritt. Wer sich das angetan hat, wusste genau, was da auf ihn zukommen würde. Dass es Borussia Mönchengladbach dennoch geschafft hat, diese kaum messbaren Erwartungen erneut zu unterbieten, ist schon eine Kunst für sich.
Selbst einem unverbesserlichen Optimisten wird es schwerfallen, aus diesem Spiel etwas mitzunehmen, an dem man sich aufrichten könnte. Da wäre vielleicht der Auftritt von Wael Mohya, der nicht nur wegen seines Tores der einzige Lichtblick war. Aber wie soll ein schmächtiger 17-Jähriger diese Mannschaft aus der Krise führen? Dazu gibt es noch Trainer Alexander Blessin, der zumindest sein Entsetzen offen zeigt und klare Worte findet.
Ein Coach mit klaren Worten
Es tut gut, dass da ein Trainer sitzt, der das lächerliche Defensivverhalten nicht relativiert und der sich über das mutlose Ballgeschiebe genauso ärgert wie jeder Fan. Aber es ist eben auch dieser Coach, der dieses System spielen lässt und der die Mannschaft auf- und einstellt. Und wenn Alexander Blessin tatsächlich der Meinung ist, dass die Besetzung der Doppel-Sechs mit Bundesliga-Neuling Zento Uno und Florian Neuhaus ein kluger Move sei, mit dem für Stabilität gesorgt werden kann, dann ist das alles andere als vertrauenserweckend.
Letztlich war das Spiel gegen Hoffenheim eine schonungslose Bestandsaufnahme des erschreckenden Zustands von Borussia Mönchengladbach. Die defensive Stabilität ist weiterhin ungenügend, die spielerische Armut und Planlosigkeit werden immer schlimmer. Alles, auch die offensiven Standardsituationen, wirkt zufällig und unabgestimmt. Die Spieler sind verunsichert, und immer schwerer fällt der Umstand der fehlenden individuellen Qualität ins Gewicht. Alles deutet darauf hin, dass das »Projekt Neustart« von Sportchef Rouven Schröder wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.
Eine desaströse Zwischenbilanz
Natürlich darf man nicht außen vorlassen, dass Borussia mit Itakura, Castrop, Honorat und Kleindienst Spieler fehlen, die als Stammkräfte eingeplant sind. Doch bis auf Castrop haben auch diese Akteure schon ihre Visitenkarten in dieser Saison abgegeben und standen zum Beispiel bei der Klatsche in Freiburg in der Startelf. Sie könnten zwar in Normalform das Niveau gegenüber der Aufstellung gegen Hoffenheim anheben, aber ihre individuelle Qualität alleine wird nicht ausreichen, um die nun notwendige Aufholjagd zu schaffen.
Die Zwischenbilanz Mitte Oktober ist desaströs. Eine Mannschaft ohne stabile und fußballintelligente Achse wurde mit durchschnittlichen (Zweitliga-)Spielern ergänzt, während die Qualität der Abgänge Elvedi, Reitz, Engelhardt und Tabaković nicht mal annähernd ersetzt wurde. Die gesamte Vorbereitung wurde durch das mit Ansage zum Scheitern verurteilte Trainer-Experiment mit Polanski verschenkt. Der neue Trainer findet eine durch Verletzungen und einen katastrophalen Saisonstart gebeutelte Mannschaft vor und muss schmerzhaft feststellen, dass selbst die einfachsten Grundlagen nicht vorhanden sind. Wie um alles in der Welt soll diese Mannschaft in den verbleibenden 28 Spielen noch 33 Punkte holen?
Nur noch ein Wunder hilft
Es muss ein Fußballwunder her, nicht mehr und nicht weniger. Ansonsten werden Zeitzeugen noch in vielen Jahren bei der Erzählung vom dritten Abstieg von Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga anmerken, dass die Sache schon am sechsten Spieltag an einem trüben Oktobersonntag gegen Hoffenheim besiegelt wurde.
von Marc Basten

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