Nach dem torlosen Remis gegen den SC Paderborn blieb die Kritik an Borussia Mönchengladbach nicht aus. Bemängelt wurde die spielerische Armut, und gleichzeitig wurde festgestellt, dass dieser eine Punkt gegen einen Gegner aus der unteren Tabellenhälfte schlichtweg zu wenig gewesen sei. Diese Argumentation ist durchaus berechtigt, doch man muss dieses Spiel in den richtigen Kontext setzen.
Noch vor gut einer Woche war Borussia kurz davor, einen Negativ-Startrekord in der Bundesliga aufzustellen. Für alle Beobachter waren Mannschaft und Verein bereits klinisch tot. Ein Bundesliga- und ein Pokalspiel später gab es dann schon wieder die Erwartungshaltung, dass ein Heimspiel gegen Paderborn nicht nur zu gewinnen sei, sondern dass dazu auch noch ansehnlicher und attraktiver Fußball gespielt werden müsse. Dass dies nicht zusammenpasst, sollte eigentlich jedem klar sein. Ein echter Kurswechsel lässt sich nicht per Knopfdruck herbeiführen.
Erwartungen und Realität
Der Überraschungserfolg in Stuttgart war ein überlebenswichtiges Signal, aber natürlich noch längst nicht die Garantie für eine vollständige Rückkehr auf den Erfolgsweg. Es sind weiterhin viel Geduld und vor allem sehr viel Arbeit gefragt, um sich in eine Verfassung zu bringen, in der der Klassenerhalt realistisch ist. Von daher muss man den Punkt gegen Paderborn mitnehmen und ihn als kleinen Schritt in die richtige Richtung verbuchen. Immerhin hatte die Mannschaft gegen den SC die besseren Chancen, hat physisch dagegengehalten und es erstmals in dieser Saison geschafft, ohne Gegentor zu bleiben. Das ist bei aller unterschwelligen Enttäuschung über die objektiv gesehen dünne spielerische Leistung wertvoll, ohne etwas schönreden zu wollen.
Erfreulicherweise zeigt auch Trainer Alexander Blessin in dieser Frage klare Kante und streut niemandem Sand in die Augen. Er erteilte dem Anspruch, dass Borussia auch spielerisch glänzen müsse, eine klare Absage. Es geht vor allem um die Basics und die Intensität, und erst wenn das Grundgerüst stabil ist, kommt die fußballerische Komponente hinzu. Diese ist zumindest in Grundzügen vorhanden, aber sie kann nur zum Tragen kommen, wenn die Grundlagen stimmen.
Am Limit
Gegen Paderborn wurde deutlich, dass die Ansprüche an die Intensität die Mannschaft bis aufs Äußerste fordern. Beim dritten Spiel innerhalb einer Woche zeigte sich, dass mehrere Spieler am absoluten körperlichen Limit sind. Und es bleibt weiterhin die Frage, ob die von Blessin geforderte intensive Spielweise mit dieser Mannschaft tatsächlich durchgezogen werden kann. Die Befürchtung, dass Auftritte wie in Stuttgart nur eine Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden, weil die Mannschaft nicht über die richtigen Spielertypen verfügt, bleibt bestehen.
Erschwerend kommt hinzu, dass während des laufenden Spielbetriebs im physischen Bereich nur rudimentär gearbeitet werden kann. Versäumnisse aus der Vorbereitung lassen sich nicht so einfach korrigieren. Gerade in diesem Bereich müssen die Borussen aber zwingend zulegen, wie die zweite Halbzeit gegen Paderborn gezeigt hat, als gleich mehrere Spieler körperlich nicht mehr in der Lage waren, mit der geforderten Intensität aufzutreten.
Hoffnung auf die Pause
Die anstehende Länderspielpause nach dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV könnte die Gelegenheit geben, in gewissen Bereichen noch einmal nachzujustieren, um dann die herausfordernden Partien im Winter anzugehen. Dass man in der Wintertransferperiode zudem personell nachlegen muss, versteht sich eigentlich von selbst.
Im Moment bleibt die Feststellung, dass man in Mönchengladbach zumindest Licht am Ende des Tunnels sieht und der gefühlt schon besiegelte Abstieg realistisch noch vermieden werden kann. Dennoch wäre das aufgrund der Ausgangslage ein Fußballwunder, und spätestens seit dem Spiel gegen Paderborn ist klar, dass auch ein Fußballwunder seine Zeit benötigt.
von Marc Basten

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