Wie alle anderen Leihspieler wurde auch Yannik Engelhardt am letzten Spieltag im Borussia-Park mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Dass er in absehbarer Zeit nochmals das Trikot von Borussia Mönchengladbach tragen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Dennoch hat sich die einjährige Leihe von Como 1907 an den Niederrhein für beide Seiten bezahlt gemacht. In Gladbach muss man letztlich akzeptieren, dass man sich eine feste Verpflichtung nicht einfach so nebenbei leisten kann und deshalb andere Wege einschlagen muss – sofern nicht noch ganz wilde Dinge auf dem Transfermarkt geschehen.
Späte Ankunft, schwieriger Start
Das Engagement hat jedenfalls gezeigt, dass Leihgeschäfte lohnenswert sein können. Engelhardt kam im vergangenen Sommer auf den letzten Drücker, nachdem Julian Weigl sich in die Wüste verabschiedet hatte. Eine Vorbereitung mit der Mannschaft hatte er also nicht, und auch an Trainer Gerardo Seoane musste er sich nicht gewöhnen – zwei Wochen nach Engelhardts Ankunft in Gladbach war Seoane weg.
Nachdem er eine halbe Stunde gegen seinen Ausbildungsklub Werder Bremen gespielt hatte, gab er am 4. Spieltag unter Eugen Polanski sein Startelfdebüt. Beim 1:1 in Leverkusen überzeugte Engelhardt direkt (TF-Note 2,0) und wusste als defensiv zentraler Achsenspieler zu gefallen. Mit einer Passquote von 95% und der höchsten Laufleistung des Teams gefiel er durch exzellentes Stellungsspiel und bemerkenswerte Ruhe am Ball.
Stabilisator auf der Sechs
In den folgenden Wochen etablierte er sich als umsichtiger Stabilisator auf der Sechserposition, der Räume erstklassig schloss und als verlässlicher Regulierer des Spiels agierte. Seine unauffällige Seriosität war in dieser Phase das Fundament für die defensive Stabilität der Borussia.
In den Wintermonaten erlebte Engelhardt jedoch einen merklichen Leistungseinbruch. Er wurde zunehmend als überspielt wahrgenommen, wirkte fahrig im Passspiel und fand defensiv oft keinen Zugriff mehr. Tiefpunkte waren die Partien gegen Wolfsburg (14. Spieltag) und Hoffenheim (17. Spieltag), in denen er durch ungewohnt schlechtes Stellungsspiel und zögerliches Zweikampfverhalten negativ auffiel (jeweils Note 5,0).
Durchhänger überstanden
Trotz dieses Durchhängers blieb Engelhardt einer der Dauerbrenner im Gladbacher Kader. Am 21. Spieltag erzielte er beim 1:1 im Heimspiel gegen Leverkusen seinen zweiten Treffer für die Fohlen – erstmalig hatte er in der Hinrunde bei der wilden Klatsche gegen Frankfurt (4:6) getroffen. Dass Engelhardt zu Unrecht als nicht besonders schneller Spieler wahrgenommen wird, unterstrich er am 29. Spieltag in Leipzig. Dort wurde er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 35,09 km/h geblitzt und war damit der zweitschnellste Gladbacher der Saison.
In den letzten Monaten stabilisierte sich Engelhardt in seinen Leistungen, konnte aber nicht mehr ganz an die Form der Hinrunde anknüpfen. Am 30. Spieltag gegen Mainz wurde er zur tragischen Figur, als er durch ein völlig unnötiges Foul tief in der Nachspielzeit einen Elfmeter verursachte, der den Sieg kostete. In den letzten beiden Heimspielen gegen Dortmund und Hoffenheim fungierte er wieder als verlässlicher Baustein im Mittelfeldzentrum.
Gelungenes Leih-Jahr
Yannik Engelhardt wurde in 29 Spielen benotet, zwei Einsätze nach Einwechslungen (3. & 19. Spieltag) blieben ohne Note, und am 25. Spieltag fehlte er aufgrund einer Gelbsperre. Mit einer Durchschnittsnote von 3,66 blickt er auf ein insgesamt gelungenes Leih-Jahr in Gladbach zurück. Während er in der Hinrunde zeitweise als taktisches Mastermind glänzte, zeigten die Phasen der Überforderung im Winter, dass der 25-Jährige noch an seiner Konstanz und seiner Robustheit unter hohem Druck arbeiten muss. Dies dann aber nicht mehr in Mönchengladbach.
von Marc Basten

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