Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 2:1 (0:1)

Mit wenig Fußball zu drei Punkten

von 29. Spieltag: Borussia MG - Hertha BSC 2:1

Auch Michael Cuisance hatte nicht seinen besten Tag (Foto: Christof Koepsel / Bongarts / Getty Images)

Beim glücklichen 2:1-Sieg über Hertha BSC konnte im Lager von Borussia Mönchengladbach kein Spieler wirklich überzeugen. Entsprechend bescheiden fällt die Einzelkritik aus.

Yann Sommer: War über weite Strecken der ersten Halbzeit kaum beschäftigt, allenfalls musste er als Anspielstation im behäbigen Aufbauspiel herhalten. Von seinen langen Bällen landeten einige beim Gegner oder im Seitenaus. Vor dem 0:1 zögerte er beim Herauslaufen den entscheidenden Moment, was Vestergaard zum ungewollten Assist nötigte. Nach der Pause rettete er mit einer Klasseparade beim Kalou-Kopfball und hielt die Mannschaft damit im Spiel. Komplett verschätzte sich Sommer, als er nach einer Flanke durch den Strafraum irrte - zum Glück köpfte Selke vorbei. Note 4,0.

Matthias Ginter: Fing rechts in der Dreierkette an und hatte dort Schwierigkeiten mit Kalou, der ihn vor allem in einem Laufduell nach rund zwanzig Minuten ganz alt aussehen ließ. Insgesamt wirkte Ginter nicht so souverän wie zuletzt. Im Passspiel nur auf Sicherheit bedacht. Wenn er etwas mehr Risiko nahm, ging es schief - so spielte er einmal der Schiedsrichterin in die Füße, ein anderes Mal leitete er mit einem Fehlpass eine weitere Selke-Chance ein. Note 4,0.

Jannik Vestergaard: Hatte im ersten Durchgang als zentraler Mann der Abwehrreihe einige Probleme mit seinem Ex-Kollegen Selke, vor allem bei hohen Bällen. Wurde vor dem 0:1 vom langen Pass auf Selke überrascht und versuchte dann, weil Sommer zögerte, mit langem Bein zu retten, spitzelte den Ball dabei aber unglücklich zu Kalou. Im Aufbauspiel war Vestergaard vor der Pause derjenige, der noch am meisten vertikal dachte. Nach dem Seitenwechsel in der Viererkette mit guter Störaktion gegen Selke. Allerdings muss auch Vestergaard sich fragen lassen, warum man phasenweise offen wie ein Scheunentor war. Vorne mit einem Kopfball nach Stindl-Ecke, der knapp über das Tor flog. Note 3,5.

Nico Elvedi: Spielte links in der Dreierkette und präsentierte sich weitestgehend stabil in den Zweikämpfen. Vorne holte er einen Freistoß 25 Meter vor dem Tor raus, hinten verschenkte er einen Eckball. Im Passspiel sehr konstant, allerdings auch ohne dabei Akzente zu setzen. Nach der Pause wechselte er auf die rechte Seite in der Viererkette, wo er zweimal etwas zu leicht von Plattenhardt überlaufen wurde. Elvedi schaltete sich zusehends nach vorne ein und holte mit seinem energischen Sprint in den Sechzehner den Elfmeter zum Siegtor heraus. Note 3,5.

Michael Cuisance: Fing zentral vor der Abwehr an, wo er allerdings nur für die eigene Mannschaft eine Gefahr darstellte. Weil es in dieser Rolle nicht funktionierte, folgte nach einer gewissen Zeit die Korrektur und er tauschte mit Kramer die etwas vorgezogene rechte Position im Mittelfeld. Dort kam Cuisance etwas besser zurecht und spielte einen starken Steckpass auf Ginter. Kurz vor der Pause mit einem sehenswerten Distanzschuss, der das Tor nur knapp verfehlte. Nach dem Seitenwechsel erneut mit einigen Ballverlusten aufgrund seiner Verspieltheit und weiterhin ein Risikofaktor. Die Auswechslung zwanzig Minuten vor Schluss war überfällig. Note 4,5.

Christoph Kramer: Fing unverständlicherweise halbrechts im Mittelfeld an, wo er überhaupt nicht zurechtkam. Kramer war kaum anspielbar und wenn er den Ball hatte, brach er ab, weil die Räume zu eng waren. Als er dann mit Cuisance die Position tauschte, sah es besser aus. Er forderte und bekam vermehrt Bälle, wobei er in der Spieleröffnung auch keine wirklichen Impulse setzen konnte. Defensiv aufmerksam und mit einigen wichtigen Ballgewinnen. Note 4,0.

Denis Zakaria: Comeback nach seinem Muskelfaserriss im für ihn ungewohnten 5er-Mittelfeld. Begann mit zwei ungestümen Fouls innerhalb der ersten zwei Minuten, hatte sich danach aber im Griff. Im Spiel nach vorne nur einmal mit seinen raumgreifenden Schritten aufgefallen, als er die erste Ecke rausholte. Nach einer halben Stunde fiel er nach einem Einsteigen von Rekik auf den Rücken und wirkte angeschlagen. Zur Pause blieb er draußen, auch weil auf 4-4-2 umgestellt wurde. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Versuchte sich mit einigen Sprints in die Gasse anzubieten, wurde aber nicht bedient. Hohe Bälle auf Herrmann stellten kein adäquates Mittel dar, zudem klappte zu Beginn die Abstimmung mit Kramer auf rechts nicht sonderlich. Herrmann hatte Pech, dass ihm ein Raffael-Pass versprang und somit weder er noch Zakaria zum Abschluss kamen. Nach der Pause wirkte er etwas gelöster, was sicher auch mit der Systemumstellung und der Entbindung von der Pflicht, die Seite defensiv alleine dichtzuhalten, verbunden war. Freute sich sichtlich über das vermeintliche Ende seiner Torflaute und bekam gleich darauf den Dämpfer, weil sein Treffer wegen der Abseitsstellung von Hazard zurecht aberkannt wurde. Dennoch behielt Herrmann den Kopf oben und war mit seiner Flanke entscheidend am Ausgleichstreffer beteiligt. Zehn Minuten vor dem Ende machte er Platz für Hofmann. Note 3,5.

Oscar Wendt: Schaltete sich über seine Seite zwar mehrfach nach vorne ein, doch in mehreren Situationen verpuffte der letzte Pass. Insgesamt stiftete er weniger Gefahr, als noch in der Vorwoche. Mit seinem schnell ausgeführten Einwurf bereitete er die Stindl-Chance im ersten Durchgang vor. Der eine oder andere Rückpass sorgte für Unmut im Publikun, allerdings gehören zu sinnvollen Umschaltaktionen auch Anspielstationen, die es nicht gab. Nach dem Wechsel links in der Viererkette und aus dieser Position heraus mit der Flanke zu einer Kopfballchance für Raffael. Defensiv bei den Berliner Kontern mit einigen Schwierigkeiten. In der Schlussminute rettete er mit letztem Einsatz gegen den einschussbreiten Lazaro. Note 3,5.

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