Dass sich Jan-Moritz Lichte auf dem Podium bei der Pressekonferenz am Donnerstag nicht sonderlich wohlgefühlt haben dürfte, war unschwer zu erkennen. Der »Chef für ein Spiel« sprach dann auch von »einer Situation, die sich keiner gewünscht hat«. Schon vom Typ her ist der 46-Jährige keiner, der große Reden schwingt. Und im speziellen Fall wären markige Sprüche auch fehl am Platz gewesen. »Wir im Trainerteam sind zu 100 Prozent daran beteiligt, was vorher passiert ist«, stellte er klar.
Konkrete Antworten, was er in den wenigen Tagen mit Blick auf das Mainz-Spiel verändern wird, gab Lichte keine. Alles auf den Kopf stellen wird er keinesfalls. »Jetzt alles über den Haufen zu werfen würde ja bedeuten, dass man viele Dinge schon vorher hätte ändern können.« Grundsätzlich wird also die bisherige Marschrichtung beibehalten. Wobei es vor allem darum geht, eine gewisse Stabilität auf den Platz zu bringen und das Selbstvertrauen zu stärken.
Lidberg ersetzt Kleindienst – Bolin steht zur Verfügung
Es geht um individuelle und kollektive Fehlervermeidung und die viel zitierte Resilienz, um nach Rückschlägen nicht direkt einzuknicken. »Es ist schwer, daran zu arbeiten, weil die Situation zunächst im Kopf passiert«, gab Lichte zu. Aber man habe es in den vergangenen Tagen beim Training hinter verschlossenen Türen versucht. »Als Trainerteam haben wir gemeinsam mit der Mannschaft eine Idee entwickelt. Diese werden wir am Samstag mit Überzeugung auf den Platz bringen.«
In welcher Formation diese Idee umgesetzt werden soll, blieb am Donnerstag offen. Lichte bestätigte lediglich, dass Moritz Nicolas weiter im Tor stehen und Isac Lidberg der logische Ersatz für den gesperrten Tim Kleindienst sein wird. Ansonsten wurde nur vermeldet, dass bis auf die Langzeitverletzten alle Spieler zur Verfügung stehen – auch der zuletzt wegen muskulärer Probleme ausgewechselte Hugo Bolin.
Keine Neuigkeiten bei der Trainersuche
Deutlich befreiter als Lichte absolvierte Sportchef Rouven Schröder die Pressekonferenz. Er beherrscht es routiniert, ausführlich zu sprechen, ohne sich dabei inhaltlich festzulegen. Die »elementare Wichtigkeit« der Partie gegen Mainz betonte der 50-Jährige ausdrücklich und wies darauf hin, dass die Mannschaft auch die Qualität dazu habe, die drei Punkte einzufahren. Doch viel interessanter als Schröders Ausblick auf das Spiel gegen seinen Ex-Klub waren natürlich die Wasserstandsmeldungen im Hinblick auf die Trainersuche.
Die Spekulationen schießen weiter munter ins Kraut, aber Schröder hatte keine wirklichen Neuigkeiten zu verkünden. Immerhin ließ er sich entlocken, dass zwei bis drei Kandidaten letztlich in der engeren Auswahl stehen. »Wir haben einen klaren Ablauf, sind in sehr guten Gesprächen und werden den richtigen Zeitpunkt abwarten.«
Anfang nächster Woche sollte Klarheit herrschen
Vor dem Mainz-Spiel dürfte nichts passieren. Danach sollte es allerdings zügig gehen, damit der neue Mann möglichst viel von der dreiwöchigen Länderspielpause nutzen kann. »Es geht wirklich darum, den richtigen Trainer zu finden. Da kommt es dann nicht auf ein oder zwei Tage an«, stellte Schröder zwar klar. Dennoch gilt: Anfang nächster Woche sollte Klarheit herrschen. Doch zuvor gilt alle Konzentration dem Mainz-Spiel und der Frage, ob Jan-Moritz Lichte und die Mannschaft den Fehlstart noch etwas abmildern können oder ob es punktlos ins Derby geht.
von Marc Basten

Zurück