Die dreiwöchige Länderspielpause fühlte sich nicht nur in Mönchengladbach wie eine vorgezogene Winterpause an. Doch nun geht es für die Fohlen endlich weiter – und das gleich mit dem Derby in Köln. Für die Gladbacher und ihren neuen Trainer Alexander Blessin bedeutet das Traditionsduell einen Neustart in die bislang so verkorkste Saison.
Der neue Mann an der Seitenlinie konnte die zweieinhalb Wochen nutzen, um dem Team seine grundsätzliche Herangehensweise und die notwendigen Prinzipien zu vermitteln. Blessin sagte am Freitag bei der Pressekonferenz, er habe eine hochkonzentrierte Mannschaft im Training erlebt, und beschrieb die Spieler als sehr aufnahmebereit und wissbegierig. Die Nationalspieler, die erst kurz wieder dabei sind, habe er einem Eins-zu-eins-Frontalunterricht unterzogen. »Jeder ist auf demselben Stand«, so Blessin.
Blessin freut sich aufs Derby
Dass es für ihn und seine Mannschaft direkt in das prestigeträchtige Derby geht, sieht der 53-Jährige positiv: »Ich freue mich riesig auf dieses Spiel. Das sind genau die Partien, die man als Fußballer erleben möchte. Es gibt für mich keinen Gedanken an Angst oder Ähnliches, sondern wir müssen mit Feuer und Eifer an die Aufgabe herangehen.«
Bei diesem Unterfangen muss Blessin neben den Langzeitverletzten auch auf Franck Honorat verzichten, der aufgrund einer Muskelverletzung ausfällt. Zudem bangen die Gladbacher um Kapitän Tim Kleindienst und Ko Itakura. Kleindienst musste zu Wochenbeginn das Training aufgrund muskulärer Probleme abbrechen, und Itakura kam angeschlagen von der Länderspielreise zurück. »Bei beiden wird es eine Punktlandung, aber wir haben die Hoffnung, dass sie uns zur Verfügung stehen werden«, sagte Blessin. Die übrigen Nationalspieler seien hingegen mit Erfolgserlebnissen von ihren Reisen zurückgekommen: »Das hilft uns, wenn sie die Positivität mitbringen und in die Mannschaft implementieren können.«
Dreierkette ohne Dogma
Zur taktischen Ausrichtung im Derby machte Blessin keine Angaben, doch es ist davon auszugehen, dass die Borussen mit einer Dreierkette auflaufen werden, so wie es in den öffentlichen Trainingseinheiten zu beobachten war und auch in den Testspielen gezeigt wurde. Blessin betonte aber, dass die Dreierkette kein fest zementiertes System sei: »Ich mache das immer davon abhängig, welche Möglichkeiten ich in der Mannschaft vorfinde und was ihr guttut. Grundsätzlich verfolge ich einen offensiven Ansatz, und es geht darum, mutig zu sein und nach vorne zu verteidigen. Das lässt sich sowohl mit einer Dreier- als auch mit einer Viererkette umsetzen.«
Er verwies nochmals darauf, dass die katastrophale Gegentorbilanz aus den ersten vier Spielen nicht zwangsläufig allein an der Abwehrkette liege, sondern auf eine Fehlerkette zurückgehe, die den jeweiligen Gegentoren vorausgegangen sei: »Wir müssen Situationen so lösen, dass wir Fehler noch ausbügeln können, anstatt abzuschalten. Es geht um die gesamte Kompaktheit.«
Klare Ansage bei der Disziplin
Auch im Umgang untereinander hat der Trainer unmissverständliche Vorgaben zur Disziplin gemacht. Er stellte klar, dass es solche Aktionen wie beim späten Elfmeter im Mainz-Spiel, als Machino Diks den Ball wegnahm, nicht mehr geben wird. Blessin bestätigte zugleich, dass Diks weiterhin Elfmeterschütze Nummer eins ist.
Im defensiven Mittelfeld, bislang eine der ausgemachten Schwachstellen bei Borussia, steht das Debüt von Zento Uno bevor. »Ich habe auf jeden Fall den Mut, ihn zu bringen«, sagte Blessin auf Nachfrage unserer Redaktion. »Zento hat viele Tugenden, die für mein Spiel wichtig sind. Da geht es ums Vorwärtsverteidigen, da geht es auch um die Gier, Zweikämpfe zu bestreiten. Zudem ist wichtig, wie es dann nach dem Ballgewinn weitergeht: Wie ist der erste Blick, geht er nach vorn oder geht er nach hinten? Ist es eher destruktiv oder ist er da auch mutig? Da hat er mich schon sehr beeindruckt. Ich gehe davon aus, dass er am Sonntag Spielzeit bekommen wird.«
Die Chance auf den Neuanfang
Die Wichtigkeit des Derbys muss letztlich niemandem erklärt werden. Für die Borussen ist es trotz des verkorksten Saisonstarts mit null Punkten und 16 Gegentoren nach vier Spielen die große Chance für einen Neuanfang. Blessin: »Es ist die Möglichkeit, mit einem Spiel einfach wieder sehr viel gutzumachen. Und das ist unsere Mission.«
von Redaktion TORfabrik.de

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