Die Saison 2025/2026 ist – zum Glück – beendet, und wir werden an dieser Stelle in den nächsten Wochen auf die einzelnen Spieler eingehen und beurteilen, wie sie sich in Summe geschlagen haben und welche Zukunftsaussichten sie bei Borussia haben. Beginnen werden wir mit den Profis, deren Zeit in Gladbach am 30. Juni endet und die deshalb für den anstehenden Neuaufbau keine Rolle mehr spielen.
Da ist zum einen Marvin Friedrich. Im Januar 2022 holte Borussia Mönchengladbach ihn für eine Ablöse von rund 5,5 bis 6 Millionen Euro von Liga-Konkurrent 1. FC Union Berlin. Friedrich kam als einer der konstantesten Bundesliga-Innenverteidiger seiner Generation und sollte explizit die Lücke schließen, die der anstehende Abgang von Matthias Ginter hinterlassen würde.
Eberl geht, Friedrich bleibt – und findet sich nicht zurecht
Es war gleichzeitig der letzte Transfer, den der damalige Sportchef Max Eberl zu verantworten hatte. Ginter verließ den Klub nicht wie erhofft noch im Winter; dafür gab es kurz darauf den Abgang von Eberl und das damit verbundene Beben, das den Verein bis ins Mark erschütterte. Roland Virkus kam, Adi Hütter ging, und irgendwo in dieser Zeit der Irrungen und Wirrungen versuchte Marvin Friedrich seinen Platz bei Borussia zu finden.
Doch so richtig kam Friedrich nie an – was öffentlich allerdings nie groß thematisiert wurde. In seinen viereinhalb Jahren absolvierte er insgesamt 90 Pflichtspiele und erzielte dabei ein Tor – immerhin im Derby. Saison für Saison blieb er unter den Erwartungen: In der Spielzeit 2022/23 kam er auf 23 Bundesliga-Einsätze (1 Tor), in 2023/24 auf 24 Spiele, in 2024/25 auf 22 Spiele und in der Saison 2025/26 lediglich auf 5 Ligaspiele (0 Tore).
Vier Trainer, kein Stammplatz
Friedrich spielte bei Gladbach unter vier verschiedenen Cheftrainern – Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane und Eugen Polanski – ohne eine feste Stammposition zu erobern. Gerade unter Seoane war er nur noch die Nummer vier in der Innenverteidigung. Immer wieder erhielt er Spielzeit nur dann, wenn Stammkräfte verletzt oder gesperrt waren – etwa Ende 2024, als Elvedi ausfiel und Friedrich mehrere gute Partien in Serie zeigte.
Im Dezember 2024 sprach Friedrich in einem Interview offen über seine schwierige Zeit: »Ich habe keine einfache Vergangenheit in Gladbach. Ich habe mir das ganz anders vorgestellt, als ich von Union Berlin hierhergekommen bin.« Er unterstrich aber auch, dass er sich nie verweigert habe: »Ich bin keiner, der wegläuft. Ich habe immer versucht, mich anzubieten.« Aus dem Mannschaftsumfeld wurden keine Klagen laut – doch seiner Nebenrolle entsprechend trat Friedrich auch kaum positiv in Erscheinung.
Zu teuer zum Abgeben, zu schwach zum Spielen
Im letzten Sommer hätten ihn die Borussen nur zu gerne abgegeben, doch es fand sich kein aufnehmender Verein. Dies auch deshalb, weil Friedrich noch einen der ›Champions-League-Verträge‹ in Gladbach unterschrieben hatte, der ihm dem Vernehmen nach ein Jahresgehalt von annähernd 2 Millionen Euro garantierte. So kam es, dass Friedrich seinen Ende Juni 2026 auslaufenden Vertrag erfüllte, auch wenn ihm bewusst war, dass er keine sportliche Perspektive mehr hatte.
Entsprechend spielte er in der abgelaufenen Saison kaum eine Rolle. Im internen Ranking der Innenverteidiger war er zeitweise nur noch an sechster Stelle gelistet. Seinen ersten Einsatz der Saison absolvierte Friedrich überraschend am 7. Spieltag bei seinem Ex-Klub Union Berlin, als er direkt in der Startelf stand. Die fehlende Wettkampfpraxis war ihm deutlich anzumerken: An den ersten beiden Gegentoren war er beteiligt, da ihm in den entscheidenden Momenten Entschlossenheit im Kopfballduell und Reaktionsschnelligkeit fehlten. Auch beim dritten Gegentor sah er unglücklich aus, als seine Kopfballabwehr zur Vorlage wurde.
Einwechselspieler auf Abruf
In der Folgezeit wurde Friedrich primär als taktisches Mittel genutzt, um knappe Ergebnisse über die Zeit zu bringen – er wurde mehrfach in den Schlussminuten eingewechselt. Am 20. Spieltag bei Werder Bremen musste er nach einer Verletzung von Philipp Sander bereits in der 69. Minute eingreifen. Er lieferte eine weitgehend solide Leistung ab, zeigte jedoch eine entscheidende Schwäche, als er vor dem späten Bremer Ausgleichstreffer einen hohen Ball falsch einschätzte.
Danach stand Friedrich nur noch einmal kurz auf dem Platz: im Derby in Köln, wo er in der 88. Minute eingewechselt wurde. An den letzten sechs Spieltagen reichte es für den 30-Jährigen nicht einmal mehr für einen Kaderplatz. Vor dem finalen Spiel gegen Hoffenheim wurde er in Zivil auf dem Rasen verabschiedet und erhielt neben dem obligatorischen Blumenstrauß dezenten Applaus der Zuschauer.
Ein teures Kapitel, das nie aufging
Damit endet das Kapitel Marvin Friedrich bei Borussia. Unter dem Strich war es eine enttäuschende Liaison, die genau in jene Zeit fiel, als es in Mönchengladbach stetig bergab ging – und Friedrich zählt damit zu den teuersten Fehlinvestitionen der jüngeren Vereinsgeschichte, ohne je Stammspieler geworden zu sein. Am Mittwoch wurde offiziell bekannt gegeben, dass Friedrich künftig wieder für Union Berlin spielen wird.
von Marc Basten

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