Lars Stindl - Der WM-Traum ist in Gefahr

Der Fluch der guten Tat

Created by Lars Stindl - Der WM-Traum ist in Gefahr
Harte Zeiten - auch für Lars Stindl (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Harte Zeiten - auch für Lars Stindl (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Die Krise von Borussia Mönchengladbach hat auch mit Lars Stindl zu tun. Nicht, dass dem Kapitän irgendetwas vorzuwerfen wäre. Doch sein Formtief ist eins mit Ansage.

In der Rückrundentabelle steht Borussia Mönchengladbach nach neun absolvierten Partien mit sieben Punkten auf dem Relegationsplatz. Das Jahr 2018 läuft aus den verschiedensten Gründen ziemlich schlecht für die Fohlenelf. Das hat auch mit Lars Stindl zu tun.

Der Kapitän stand in allen 29 Pflichtspielen dieser Spielzeit in der Startelf und ist damit im so verletzungsanfälligen Gladbacher Kader fast ein Exot. Dass sich der 29-Jährige als so widerstandsfähig erweist, hat offensichtlich auch etwas mit seiner Einstellung zu tun. Nicht alle Kollegen sind bei der Prävention und dem Lebenswandel so professionell wie Stindl.

Vier Saisontore sind deutlich unter Schnitt

Der Kapitän ist ein Vorbild, auch auf dem Platz. In jedem Spiel gehört er zu laufstärksten Akteuren, lässt sich nie hängen und gibt immer alles. Dass es dennoch in dieser Saison für den ehemaligen Hannoveraner nicht rund läuft, unterstreichen die Zahlen: Vier Saisontore sind deutlich unter Schnitt für einen Offensivspieler seiner Klasse.

Nun darf man nicht vergessen, dass Stindl von Haus aus kein Stürmer ist. Schon gar nicht einer, der zweistellige Torquoten garantiert. Als er 2015 nach Gladbach kam, war er eher für die Position des nach Leverkusen abgewanderten Christoph Kramer eingeplant. Erst unter Favre-Nachfolger André Schubert fand Stindl in die Rolle der hängenden Spitze, wo er stets mit riesigem Aktionsradius agiert.

Der Confed-Cup fordert seinen Tribut

Diese spezielle Spielweise geht an die Ressourcen, die schon im letzten Jahr nahezu aufgebraucht waren. Anstatt aber eine ausgiebige Sommerpause genießen zu können, wurde Stindl für den Confed Cup nominiert. Für ihn persönlich eine tolle Sache, aus Sicht von Borussia weniger.

Es war klar, dass diese zusätzliche Belastung im Laufe der Saison ihren Tribut fordern würde. Lars Stindl schoss Deutschland zwar zum Confed-Cup-Sieg, doch jetzt leidet er unter dem Fluch der guten Tat. Seit Wochen wirkt er physisch und psychisch ausgelaugt, muss aber gerade in dieser schwierigen Zeit als Kapitän vorangehen.

Spritzigkeit und Konzentration fehlen

Das macht er zweifellos, doch die Leichtigkeit ist ihm schon längst abhandengekommen. Beim Versuch, etwas erzwingen zu wollen, verkrampft er. Das sieht man bei seinen Torschussversuchen, aber auch bei vielen Aktionen im Mittelfeld. Die Ideen sind gut, der Wille ist unverkennbar, doch es fehlen die letzten Prozent an Spritzigkeit und Konzentration, die notwendig sind.

Dieter Hecking ist sich dessen bewusst. »Lars ist so ein Fall, der mal eine Pause bräuchte«, sagte er nach der Niederlage in Leverkusen. Doch die Verletzungsproblematik lässt es nicht zu. »Im Moment muss er halt immer raus«, konstatierte Hecking mit einem Schulterzucken.

Lars Stindl ist selbst in dieser schwächeren Verfassung für Borussia nicht zu ersetzen. Er wird daher weiter auf die Zähne beißen und hoffentlich nochmal Schwung aufnehmen, wenn er mal wieder trifft. Doch natürlich ist Stindls Durchhänger auch dem Bundestrainer nicht verborgen geblieben. Die Chancen auf einen Platz im WM-Kader sind sicher nicht gestiegen, Stindls Traum droht zu platzen. Andererseits hätte eine Nichtnominierung auch etwas Tröstliches: Er könnte endlich mal richtig Urlaub machen und die Akkus aufladen.

von Marc Basten

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