Zwei Wechsel in der Startelf
Borussias Trainer Eugen Polanski nahm gegenüber dem Pokalspiel in Mainz vor einer Woche zwei Veränderungen in der Startelf vor: Kleindienst und Itakura ersetzten Lidberg und Leszczyński (beide Bank). In der offensiven Dreierreihe erhielt Mohya erneut den Vorzug vor Honorat. Dazu kehrte Scally wieder in den Spieltagskader zurück – von den Youngstern gehörte dieses Mal nur Nguefack zum Aufgebot. Auf Seiten der Gastgeber stand etwas überraschend Ex-Borusse Rocco Reitz in der Anfangsformation.
Die Borussen fanden sehr ordentlich in die Partie, hatten Ballaktionen und konnten das Spiel auch für längere Phasen in die Hälfte der Gastgeber verlagern. Die Ansätze waren da, nur im letzten Drittel fehlte es an Präzision. Dennoch war es sehr positiv, was die Borussen in den ersten zwanzig Minuten auf den Platz brachten. RB agierte dagegen zurückhaltend, deutete aber immer dann Gefahr an, wenn schnell gespielt wurde.
Pfostenpech und schneller Rückstand
In der 21. Minute hatten alle Gladbachfans den Torschrei auf den Lippen. Im Anschluss an eine Ecke brachte Stöger den Ball im Strafraum zu Sander, der per Grätsche flach zurücklegte auf Bolin. Der Schwede reagierte blitzschnell und brachte den Ball aus zwölf Metern halbrechts aufs Tor, wo die Kugel von Keeper Vandervoort touchiert wurde und am Pfosten landete. Von dort aus kullerte der Ball die Torlinie entlang, und Vandervoort gelang es mit letztem Einsatz, vor Kleindienst zu klären.
Das war großes Pech für die Borussen, die fünf Minuten später noch bedröppelter dreinschauten. Über Gladbachs linke Seite spielte der aufgerückte Baku einen Doppelpass mit Gomis, und weder Mohya noch Sander konnten ihm folgen. Baku behielt die Ruhe und schloss unhaltbar für Nicolas ab (26.). Zwar wurden die Borussen nach dem Rückstand nicht kopflos und hatten nach einer Kombination über Kleindienst und Hack durch Ullrich eine Schusschance (31.), doch RB wurde nun deutlich stärker.
Latte, Pfosten und knapper Pausenstand
Den Borussen fehlte der Zugriff sowohl in der Mittelfeldzentrale als auch auf den Flügeln. Nach Vorarbeit von Raum zielte Nusa haarscharf am Tor vorbei (38.), dann flankte Raum auf den freistehenden Gomis, der jedoch nur einen Kopfballwischer zustande brachte – allerdings unterlief dem hinter ihm stehenden Hack um ein Haar ein Eigentor (41.). Nur wenige Augenblicke später landete ein Kopfball von Orban an der Latte (42.). So konnten die Fohlen froh sein, nur mit einem knappen Rückstand in die Pause zu gehen.
Doch alles, was man sich für den zweiten Durchgang vorgenommen haben mochte, wurde bereits nach vier Minuten über den Haufen geworfen. Nach einem schludrigen Pass von Stöger in Richtung Hack schaltete Leipzig schnell um, und Nusa schlenzte den Ball von der linken Strafraumecke sehenswert und unhaltbar zum 2:0 für RB in den Winkel (49.). Dieser Treffer war gleichzeitig die Vorentscheidung in diesem Spiel.
Nicolas verhindert Schlimmeres
Leipzig hatte danach alles im Griff und drängte die Borussen zurück. Es gab für die Borussen keine Entlastung, RB kam zu weiteren Chancen. Nicolas parierte gegen Nusa (57.), Gruda (59.) und dann gleich dreifach innerhalb weniger Sekunden gegen Nusa, Orban und Banzuzi. Nur aufgrund der starken Reflexe von Nicolas entgingen die Gladbacher in dieser Phase einem Debakel.
Polanski vollzog daraufhin vier Wechsel und brachte Herold, Lidberg, Honorat und Debütant Nguefack für Ullrich, Hack, Mohya und Stöger (64.). Doch nur wenige Augenblicke später war die Partie endgültig entschieden, weil Sander wie im Tiefschlaf einen Pass genau in die Füße des gerade eingewechselten Nkunku spielte. Der Leipziger Neuzugang legte ab auf Reitz, der durch die Beine von Nicolas zum 3:0 einnetzte (66.). Ausgerechnet Reitz machte endgültig den Deckel drauf – das war wirklich deprimierend für die Borussen.
Schockmoment um Hashioka
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Zunächst knickte Bolin in einem Zweikampf ganz böse um, doch überraschenderweise konnte er den Schmerz herauslaufen und spielte durch. Ob sein Sprunggelenk tatsächlich komplett heil geblieben ist, muss abgewartet werden. Und dann gab es eine extreme Szene mit Hashioka, der im eigenen Strafraum per Kopf gegen Nusa klärte, der dann aber voll in Hashioka hineinlief, der sich den Kopf verdrehte. Der Japaner wurde lange außerhalb des Platzes behandelt und dann auf einer Trage fixiert ins Krankenhaus transportiert.
Das Spiel war längst zur Nebensache geworden, und auch RB hatte mittlerweile zwei Gänge zurückgeschaltet. Die Borussen kamen in der Schlussphase noch zu einigen Gelegenheiten: Sander köpfte nach Flanke von Honorat am langen Eck vorbei (76.), der eingewechselte Scally schoss von rechts flach daneben (79.), und Kleindienst köpfte nach Honorat-Flanke anderthalb Meter über den Querbalken (81.). In der Nachspielzeit fischte Vandervoort einen Flachschuss von Honorat aus dem Eck, und schließlich vollendete Bolin eine Kombination über Scally und Hack zum vermeintlichen Ehrentreffer. Doch auch dieser blieb den Borussen versagt, denn Honorat stand beim Scally-Zuspiel knapp im Abseits.
Bittere Bilanz zum Auftakt
So bleibt am Ende ein bitteres wie ernüchterndes 0:3 zum Ligaauftakt für Borussia. In den ersten zwanzig Minuten war man gut im Spiel, doch danach ging es sukzessive bergab, und man hatte keine Mittel, RB wirklich etwas entgegenzusetzen. Ohne die Paraden von Nicolas wäre die Niederlage noch deutlicher ausgefallen, und die schmerzhafte Verletzung von Hashioka war der negative Höhepunkt einer einmal mehr unangenehmen Dienstreise nach Leipzig.
Kurzstatistik zum Spiel:
RB Leipzig: Vandevoordt - R. Baku (73. Henrichs), Orban, Lukeba, Raum - Seiwald, Reitz (83. Vermeeren), Banzuzi (83. Harder) - Gruda (73. Bakayoku), Gomis (65. Nkunku), Nusa
Borussia Mönchengladbach: Nicolas - Hashioka (75. Scally), Itakura, Diks, Ullrich (64. Herold) - Sander, Stöger (64. Nguefack) - Bolin, Mohya (64. Honorat), Hack (64. Lidberg) - Kleindienst
weiter im Kader: Batz (ETW), Leszczyński, Leopold, Machino
Tore: 1:0 Baku (26.), 2:0 Nusa (49.), 3:0 Reitz (66.)
Gelbe Karten: Nusa -
Schiedsrichter: Sven Jablonski
Zuschauer: 47.800
von Marc Basten

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