Einen Tag vor dem Start des Trainingslagers am Tegernsee reiste der Gladbacher Tross nach Rostock, um das Testspiel bei Hansa zu bestreiten. Dabei musste Trainer Polanski kurzfristig auf Jens Castrop verzichten, der nach dem Warmmachen im Ostseestadion passen musste. Castrop reihte sich damit in die Liste der fehlenden Spieler ein: Konoplia, Chiarodia (beide länger verletzt), Scally, Reyna (noch nicht richtig im Training nach WM-Urlaub), Elvedi (Urlaub), Ngoumou (erneut nicht berücksichtigt), Čvančara, Uno (Aufbautraining), Herold (angeschlagen) und Leopold (Belastungssteuerung).
Im Tor begann Batz, vor ihm bildeten Berka, Leszcynski, Diks und Ullrich die Viererkette. Davor postierten sich Sander und Neuhaus, während Hack, Bolin und Mohya die offensive Reihe hinter Mittelstürmer Kleindienst bildeten. Vor 20.000 Zuschauern in Rostock entwickelte sich ein wenig ansehnliches Testspiel. Der Drittligist verteidigte konsequent und konzentriert, während den Borussen nicht viel einfiel.
Neuhaus’ Trägheit nur schwer zu ertragen
Es war ein emotionsloser Vortrag, ohne Esprit und vor allem ohne Tempo. Rostock hatte keine Mühe, Gefahr vom eigenen Tor fernzuhalten. Im Verlauf des ersten Durchgangs wurde Kleindienst sichtlich stinkig und ging ein paar Mal härter zur Sache. Doch auch das sorgte nicht dafür, dass sich Spieltempo und Passschärfe erhöhten. Vor allem die Spielgestaltung über Sander und Neuhaus war schwach, wobei die Frage erlaubt sein muss, warum Polanski Neuhaus überhaupt berücksichtigt. Dessen zur Schau gestellte Trägheit ist nur schwer zu ertragen.
Erst in den letzten Minuten vor der Pause wurde es interessant, als Bolin eine Chance hatte, aber den Ball rechts am Tor vorbeischoss – ein Abspiel auf Kleindienst wäre eine Option gewesen (42.). Kurz darauf kam Kleindienst nach Sander-Flanke aus sechs Metern zum Kopfball, doch der etwas zu mittig platzierte Ball wurde vom Rostocker Keeper abgewehrt (44.). Zur zweiten Halbzeit gab es dann acht Wechsel. Für Leszczynski, Borussias auffälligsten Akteur im ersten Durchgang, gab der erst am Donnerstag verpflichtete Hashioka sein Debüt. Der Japaner spielte rechts in der Innenverteidigung.
Ullrich trifft per Kopf, Stöger als Freistoßkünstler und Lidberg als cooler Vollstrecker
Zudem stand Nicolas zwischen den Pfosten, Stöger und Nguefack übernahmen die Spielgestaltung und Honorat, Machino, Fleck und Lidberg bildeten das offensive Quartett. Nur Berko, Diks und Ullrich blieben auf dem Feld. Letzterer konnte sich nach vier Minuten in einer eher ungewohnten Disziplin ausgleichen: als Kopfballtorschütze. Eine schöne Halbfeldflanke köpfte Ullrich aus elf Metern platziert zum 1:0 für Borussia ins Eck (49.).
Die Borussen waren nun deutlich besser im Spiel, Tempo und Bissigkeit endlich vorhanden. Es wurde schneller und zielstrebiger gespielt und die Gastgeber wurden richtig gefordert. In der 58. Minute holte Lidberg einen Freistoß heraus, den Stöger aus rund 22 Metern mit links sehenswert zum 2:0 im Tor versenkte. Etwas später hätten die Gladbacher nach einem Foul am eingewechselten Biber einen Elfmeter bekommen müssen, doch Schiedsrichter Dankert entschied sich anders. Während sich Polanski & Co. auf der Bank noch lautstark echauffierten, behielt Lidberg die Ruhe. Der Schwede eroberte zwanzig Meter vor dem Tor den Ball und traf dann mit rechts flach und überlegt zum 3:0 (70.).
Hashioka hinterlässt einen sehr ordentlichen Eindruck
Das Zwischenergebnis war angesichts der ersten Halbzeit etwas zu hoch, aber aufgrund der Effektivität der Borussen nach der Pause nicht unverdient. In der Schlussviertelstunde wurde es auch aufgrund vieler Wechsel bei Hansa etwas unruhig. Der Drittligist hatte einige Halbchancen, aber letztlich waren Nicolas & Co. zur Stelle. Neuzugang Hashioka hinterließ in der Innenverteidigung einen mehr als ordentlichen Eindruck. Er wirkte fokussiert, war am Ball ruhig und spielte seine Pässe mit einer großen Selbstverständlichkeit. Auffällig auch, dass er sehr viel dirigierte – das ist nach zwei Tagen in einem neuen Verein bemerkenswert.
In der letzten Spielminute kam Hansa dann doch noch zum Ehrentreffer. Nicolas wehrte zunächst einen Schuss gut zur Seite ab, aber Kölle bekam den Rebound und traf unhaltbar für Nicolas via Innenpfosten zum 3:1-Endstand. Das Resultat darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Borussen im ersten Durchgang enttäuschten und erst nach der Pause die Agilität entwickelten, die es in solch einem Testspiel benötigt.
Die Gladbacher werden die Nacht in Rostock verbringen und am Sonntag nach München fliegen und von dort aus zum Tegernsee weiterfahren. Dort steht das einwöchige Trainingslager an, wo die Mannschaft in allen Belangen deutliche Fortschritte machen muss.
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Batz (46. Nicolas) - Berko (73. Danfa), Leszczynski (46. Hashioka), Diks (64. Meiser), Ullrich (64. Biber) - Sander (46. Stöger), Neuhaus (46. Nguefack) - Hack (46. Honorat), Bolin (46. Machino), Mohya (46. Fleck) - Kleindienst (46. Lidberg)
Tore: 0:1 Ullrich (49.), 0:2 Stöger (58.), 0:3 Lidberg (70.), 1:3 Kölle (90.)
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Zuschauer: 20.004 (Ostsee-Stadion Rostock)
von Marc Basten

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