Es ist vollbracht. Die Mammut-WM ist endlich Geschichte – und wer ehrlich ist, empfindet vor allem Erleichterung. Sportlich betrachtet hat dieses Turnier kaum Innovationen geliefert. Der Unterhaltungswert hielt sich in Grenzen und die wirklich spektakulären Spiele lassen sich an einer Hand abzählen. Ja, die Topstars der Nationen haben ihre Klasse gezeigt – das war bei früheren Turnieren schon mal anders. Aber angesichts der schieren Menge an Nebengeräuschen bleibt am Ende nicht nur ein schaler, sondern ein regelrecht bitterer Nachgeschmack.
Das Finale hat diesen Vibe auf den Punkt gebracht – und zwar auf die schlechteste denkbare Weise. Eine aufgeblasene, völlig unangebrachte Show zog die Halbzeitpause unnötig in die Länge, als wäre das Spiel selbst nur noch Beiwerk zur Inszenierung. Auf dem Platz agierte Argentinien so, als sei das erklärte Ziel gewesen, gar kein richtiges Spiel zuzulassen – sie waren schlichtweg unfaire Fußballverweigerer.
Trump & Infantino: Zwischen Widerwillen und Fremdschämen
Und zum Abschluss dann die Siegerehrung mit dem Duo Infantino und Trump: ein Bild, das man nur noch zwischen Widerwillen und Fremdschämen über sich ergehen lassen konnte. Zwei Männer, die für alles stehen, was mit echtem Fußball nichts zu tun hat, überreichten den Pokal für ein Spiel, das sie längst zur Bühne ihrer eigenen Selbstdarstellung gemacht haben.
Am Ende bleibt nur ein Trost: Der Sport hat trotz allem gesiegt. Mit Spanien ist die richtige Mannschaft verdientermaßen Weltmeister geworden – fast trotzig gegen den ganzen Rummel, der drumherum inszeniert wurde.
Show und Kommerz standen von der ersten bis zur letzten Minute über allem
Auch das von manchen so hochgelobte Spektakel zwischen Frankreich und England um den dritten Platz taugt nicht als Gegenbeweis. Es war keine Werbung für den Fußball, sondern der Beweis, dass das ohnehin überflüssige Spiel um Platz drei ersatzlos gestrichen werden sollte. Ja, es war kurzweilig, wie beide Teams mit offenem Visier und praktisch ohne jede Defensive agierten. Aber das war kein Wettbewerb – das war eine Show-Einlage im Stil der Harlem Globetrotters, unterhaltsam wie ein Zirkus, aber genauso weit entfernt von echtem sportlichem Ernst.
Und ganz ehrlich: Genau das passt perfekt zu einer WM, bei der Show und Kommerz von der ersten bis zur letzten Minute über allem standen und der Sport selbst zur Nebensache degradiert wurde. Es gibt einen verdienten Weltmeister – das ist die einzige wirklich gute Nachricht, die dieses Turnier hinterlässt. Alle, denen der Fußball wirklich etwas bedeutet, dürfen sich vor allem über eines freuen: dass dieses aufgeblasene, künstlich gezüchtete und zunehmend unnatürliche Spektakel endlich sein Ende gefunden hat.
von Marc Basten

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