WM 2026

Sportlich solide, moralisch am Boden: Diese WM und ihr Präzedenzfall

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Das Gesicht der FIFA: Präsident Infantino (Foto: Carl Recine - Getty Images)

Die K.o.-Runde läuft sportlich unauffällig – doch ein Anruf von Donald Trump bei FIFA-Chef Infantino wirft einen Schatten über das gesamte Turnier.

Für Deutschland ist diese Weltmeisterschaft längst Geschichte, doch das Turnier nähert sich unaufhaltsam der entscheidenden Phase. Die K.o.-Runde bietet, wie bei jeder WM, ein Wechselbad zwischen Spektakel und zähen Abnutzungskämpfen – sportlich bewegt sich das Niveau dabei auf einem erwartbaren, soliden Terrain, ohne dass der Fußball taktisch neu erfunden wird.

Auffällig ist höchstens, dass die großen Namen ihrem Ruf so verlässlich gerecht werden wie selten zuvor bei einem Großturnier. Diese Konstanz an der Spitze hat es in dieser Häufung bei früheren Weltmeisterschaften nicht gegeben, was dem Turnier sportlich einen gewissen Reiz verleiht, auch wenn taktische Revolutionen ausbleiben.

Ein Anruf, der alles infrage stellt

Doch neben dem Platz passiert durchaus etwas Revolutionäres. Erinnern wir kurz: Donald Trump rief FIFA-Chef Gianni Infantino an, um eine Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun zu Fall zu bringen – kurz darauf war die Sperre weg, ohne nachvollziehbare Begründung. Politik hat sich in eine sportliche Entscheidung eingemischt, und der Weltverband hat sich klein gemacht. Belgien und die UEFA sprachen von einer »roten Linie«, die überschritten wurde, der designierte neue Bundestrainer Jürgen Klopp erklärte, so etwas »stellt alles infrage« – selbst für einen Mann, der aus dem kommerzgetriebenen Brause-Kosmos von RB kommt, ist das offenbar zu viel des Guten.

Was an diesem Fall wirklich zählt, ist nicht das Detail, sondern der Präzedenzfall: Ein US-Präsident mit nachweislich keiner Fußballkenntnis kann per Telefonanruf FIFA-Regularien aushebeln. Infantino wiegelt ab und spricht von »regelmäßigem Austausch« – eine Ausrede, die angesichts der Steilvorlage an Zynismus grenzt.

Schiedsrichter und VAR unter Generalverdacht

Parallel dazu häufen sich bei diesem Turnier fragwürdige Schiedsrichter- und VAR-Entscheidungen, die weder erklärbar noch nachvollziehbar wirken – Ägypten sprach nach seinem Ausscheiden gegen Argentinien offen von Manipulation. Dass unter diesen Vorzeichen an allen Ecken und Enden Verschwörungstheorien aufblühen, überrascht nicht: Ein Verband, der einer politischen Intervention auf höchster Ebene nachgibt, hat jedes Recht verspielt, bei einzelnen Entscheidungen auf Vertrauen zu pochen.

Infantino mag sich formal aus der Verantwortung stehlen wollen – juristisch, diplomatisch, gleich in welcher Richtung man argumentiert. Der ohnehin ramponierte Ruf der FIFA hat bei diesem Turnier aber einen neuen Tiefpunkt erreicht, befeuert durch Korruptionsvorwürfe, die weit über den Fall Balogun hinausreichen. Sportjuristen sprechen längst nicht mehr von einem Einzelfall, sondern von einem System, das der Skandal nur sichtbar gemacht hat. Diese WM wird sportlich solide bleiben – der moralische Bankrott des Weltverbandes aber bleibt ihr bestimmendes Bild.

 


von Marc Basten

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