Am Samstag verkündete Borussias Sportchef Rouven Schröder die mündliche Einigung mit einem Trainerkandidaten und am Dienstag sind nun alle Formalitäten erledigt: Alexander Blessin übernimmt den Cheftrainerposten beim Tabellenletzten der Bundesliga und hat nun 30 Spiele Zeit, Borussia vor dem dritten Abstieg der Vereinsgeschichte zu bewahren. Die offizielle Mitteilung des Vereins beinhaltete lediglich die Vertragslaufzeit: Der Kontrakt hat eine Laufzeit bis 2028. Die offizielle Vorstellung findet am Mittwoch um 13.30 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz mit Blessin und Schröder statt.
Alexander Blessin, geboren am 28. Mai 1973 in Stuttgart-Bad Cannstatt, ist ein Mann, der sich seinen Weg im Fußball von unten nach oben erarbeitet hat. Als Spieler blieb ihm der große Durchbruch verwehrt: Über Stationen wie die Amateure des VfB Stuttgart, die Stuttgarter Kickers und Jahn Regensburg kam er zwar bis in den Profibereich, eine feste Größe im deutschen Fußball wurde er als Aktiver jedoch nie. Gerade dieser bodenständige Werdegang gilt als Schlüssel zu seinem heutigen Selbstverständnis: Blessin tritt nicht als gefeierter Ex-Profi auf, sondern als Handwerker der Seitenlinie, der sich Anerkennung hart verdient hat – eine Eigenschaft, die er nun am Niederrhein unter Beweis stellen soll.
Seine Trainerkarriere nahm 2012 im Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig ihren Anfang, wo er zunächst als Co-Trainer und ab 2017 als Cheftrainer die U17 verantwortete, bevor er 2018 zur U19 wechselte – prägende Jahre in einer der modernsten Ausbildungsakademien des Landes. Den Sprung ins Erwachsenengeschäft wagte er 2020 beim belgischen Erstligisten KV Oostende: Der Klub, der zuvor nur knapp dem Abstieg entgangen war, etablierte sich unter ihm im oberen Tabellendrittel und erreichte die Europa-Play-offs. Für diese Leistung wurde Blessin von der belgischen Pro League zum Trainer der Saison 2020/21 gekürt.
Danach folgte ein schwieriges Kapitel: Im Januar 2022 übernahm er den abstiegsbedrohten italienischen Traditionsklub CFC Genua, konnte den Absturz in die Serie B jedoch nicht verhindern. Die Zusammenarbeit endete noch vor der Winterpause der folgenden Saison, nachdem es zuvor zu Spannungen zwischen Trainer und Mannschaft gekommen war. Beobachter beschreiben diese Phase als Rückschlag, der ihn nicht entmutigt, sondern erkennbar reifer gemacht habe.
Seinen bislang größten Erfolg feierte Blessin ab Sommer 2023 bei Royale Union Saint-Gilloise: Er führte den belgischen Verein durch eine überragende Hauptrunde als Tabellenersten, gewann im Mai 2024 den nationalen Pokal – seinen ersten großen Titel als Trainer – und sicherte sich über die Vizemeisterschaft die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation. Zur Saison 2024/25 zog es ihn in die Bundesliga: Beim Aufsteiger FC St. Pauli trat er die Nachfolge von Fabian Hürzeler an. Nach zwei Spielzeiten am Millerntor endete diese Station im Sommer 2026 mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga und der anschließenden Trennung.
Trotz des Abstiegs mit St. Pauli gilt Blessins Ansehen in der Branche als intakt. Wegbegleiter beschreiben ihn als Trainertyp mit ausgeprägter Krisenerfahrung und der Fähigkeit, schwierige Situationen nüchtern zu analysieren – Eigenschaften, die angesichts der dramatischen Gladbacher Tabellensituation von unmittelbarer Bedeutung sein dürften. Sein Spielstil, geprägt von klarer Struktur und intensivem Pressing, gilt vielen Beobachtern als anschlussfähig an die Idee der Fohlenelf. Dass er den Abstieg mit St. Pauli in seinem zweiten Jahr nicht verhindern konnte, relativiert seine Bundesliga-Erfahrung im Abstiegskampf nicht – im Gegenteil: Gerade dieses Wissen um Drucksituationen könnte für die Borussia in der aktuellen Lage zum Vorteil werden.
von Redaktion TORfabrik.de

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