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Gio Reyna: Die letzte Fehleinschätzung von Roland Virkus

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Giovanni Reyna (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Giovanni Reyna verlässt Borussia Mönchengladbach und wechselt nach Frankreich zu Racing Straßburg. Borussia kommt mit einem blauen Auge aus der Sache heraus, die sich als das erwartete Missverständnis entpuppte und als letzte Fehleinschätzung von Roland Virkus in Erinnerung bleiben wird.

Als der ehemalige Sportdirektor Roland Virkus im letzten Sommer stolz die Verpflichtung von Giovanni Reyna verkündete, wunderte er sich über die öffentliche Zurückhaltung, die sein vermeintlicher Coup auslöste. Virkus ging davon aus, er habe einen Riesenspieler für einen vergleichsweise günstigen Preis aus Dortmund geholt, aber die Skepsis war groß. Warum sollte Reyna, der jahrelang in Dortmund gesundheitliche Probleme hatte, allein durch einen Vereinswechsel wieder auf die Beine kommen?

Es stellte sich schnell heraus, dass die Bedenken berechtigt waren. Virkus hatte nach Machino mit Reyna einen weiteren Spieler für sehr viel Geld an Land gezogen, der nicht mal im Ansatz funktionierte. Reyna blieb auch in Gladbach latent verletzungsanfällig und spielte keine Rolle. Auch nach dem Wechsel an der sportlichen Spitze blieb Reyna aus diversen Gründen nur eine Randfigur. Dass er dennoch für die WM im eigenen Land nominiert wurde, kam überraschend. Aber auch beim Turnier selbst blieb Reyna trotz eines schönen Tores in der zweiten Reihe.

Die ungeklärte Gesundheitsfrage

Wie es wirklich um die Verfassung von Gio Reyna bestellt war und ist, ließ sich nie eindeutig klären. In der vergangenen Saison gab es öffentlich kommunizierte Ausfallzeiten, andererseits stand er auch sehr oft mit dem Label »spielfit« im Kader, ohne wirklich berücksichtigt zu werden. Inoffiziell war davon die Rede, dass Reyna sich hängen ließe und nicht sonderlich aufdrängen würde. Eigentlich hätte ein gesunder und motivierter Reyna dieser fußballerisch so schwachen Gladbacher Mannschaft etwas bringen können. So blieb es eine unbeantwortete Frage, ob Reyna wirklich nicht wollte und konnte oder Polanski es ihm schlicht nicht zutraute.

Dass Borussia jetzt für Reyna noch eine vernünftige Ablöse erhält und die Gehaltskosten los wird, ist eine gute Nachricht. Damit lassen sich die Folgen der letzten Fehleinschätzung von Roland Virkus zumindest abfedern. Dass in diesem Fall ein Nachkarten gegen Virkus seine Berechtigung hat, ergibt sich beim Blick auf die Situation im vergangenen Sommer. Auf dem Transfermarkt waren Borussia die Hände gebunden, und Virkus konnte erst dann handlungsfähig werden, wenn Transfererlöse erzielt wurden.

Der Dominoeffekt im Kader

Der Transfer von Alassane Pléa nach Eindhoven machte die Verpflichtung von Shuto Machino möglich. Den hätte Borussia kurz zuvor deutlich günstiger holen können, doch da war man nicht liquide. Virkus kündigte Machino als Stürmer an, der Gladbach mindestens zwölf Saisontore garantieren würde, und der Japaner wurde kostspielig eingekauft. Die Bedenken, dass Machino die statistisch belegte Überperformance aus der Vorsaison in Kiel vermutlich nicht einfach so wiederholen könnte, wurden unter den Teppich gekehrt. Das Ergebnis ist bekannt.

Durch den Verkauf von Ko Itakura nach Amsterdam erhielt Virkus zum Ende der Transferperiode weiteren finanziellen Spielraum. Doch statt die Unausgewogenheit im Kader mit zwei klugen Verpflichtungen auszugleichen, holte Virkus Gio Reyna aus Dortmund. Für eine Position, auf der es keinen dringenden Bedarf gab. Er sah Reyna als Schnäppchen und setzte darauf, dass das einstige Megatalent in Gladbach aufblühen würde. Das allein ist grundsätzlich nicht verwerflich, denn es hätte ja funktionieren können. Doch ein solcher »Zocker-Transfer« hätte allenfalls ein Add-on für einen Klub sein können, dessen Kader steht und der etwas versuchen will. Aber doch nicht für Borussia Mönchengladbach in dieser Situation.

Virkus' gemischte Bilanz

Roland Virkus hat in seiner letzten Transferperiode nicht alles schlecht gemacht. Frühzeitig wurden Diks und Castrop verpflichtet, die Leihen von Tabaković und Engelhardt waren ebenfalls kluge Entscheidungen. Aber ausgerechnet bei seinen Königs-Transfers Machino und Reyna hat Virkus zum großen Teil mit Ansage danebengegriffen. Ob Machino seine zweite Chance unter den angepassten Gegebenheiten nutzen kann, ist zwar mehr als fraglich, bleibt aber abzuwarten. Das Missverständnis Reyna ist beendet, und Borussia ist mit einem blauen Auge davongekommen. Und die Verantwortlichen im Verein, die Roland Virkus damals grünes Licht für den Reyna-Transfer gegeben haben, werden hoffentlich ihre Lehren daraus gezogen haben.


von Marc Basten

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