Zum Auftakt der Saison 2026/27 setzte sich der Sport-Club im heimischen Europa-Park-Stadion mit 4:1 gegen den SV Werder Bremen durch. Am zweiten Spieltag folgte ein hart erkämpfter 1:0-Auswärtssieg beim Aufsteiger SC Paderborn 07, der den Breisgauern nach eigener Aussage von Trainer Julian Schuster „einen sehr hohen Aufwand“ abverlangte. Freiburg ist damit im fünften Pflichtspiel der laufenden Saison ungeschlagen.
Etabliertes System mit klaren Rollenbildern
Julian Schuster lässt seine Mannschaft im Grundgerüst weiterhin in einem 4-2-3-1 auflaufen, das seit mehreren Spielzeiten die Basis des Freiburger Spiels bildet. Auf der Doppelsechs sorgt Maximilian Eggestein traditionell für die positionelle Absicherung im Zentrum, während der jeweilige Partner neben ihm mehr Freiheit erhält, nach vorne zu schieben. Diese Rolle bekleidet in der laufenden Saison überwiegend Ex-Borusse Yannik Engelhardt, der sich in der Vorbereitung schnell in die Anforderungen dieser Position eingefunden hat. Yuito Suzuki agiert davor als verbindender Part zwischen den Linien und kann je nach Spielsituation selbst in die Tiefe starten. Die Außenspieler tragen dabei weiterhin defensive Verantwortung, während die Außenverteidiger die Freiheit erhalten, an ihnen vorbeizuschieben. Bei Bedarf greift Schuster zudem auf ein 4-4-2 zurück, um mit zwei echten Angreifern zu agieren.
In der Defensivarbeit setzt der Sport-Club grundsätzlich auf hohes, kollektives Anlaufen und geringe Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, wodurch dem Gegner im Aufbau wenig Raum gelassen wird. Genau dieses Prinzip war auch beim Auswärtsspiel in Paderborn zu erkennen: Freiburg initiierte immer wieder gefährliche Angriffe über hohe Ballgewinne und fand über weite Strecken gut ins Spiel. Nach dem Führungstreffer durch Eggestein geriet die Mannschaft nach der Pause allerdings selbst unter Druck. Der Aufsteiger drehte in einer Phase auf, in der sich die Breisgauer laut eigener Aussage nur schwer aus der eigenen Hälfte befreien konnten, ehe die Kontrolle über die Partie zurückgewonnen wurde. Schuster selbst räumte nach dem Spiel ein, dass man Glück gehabt habe, für eigene Fehler im Ballbesitz nicht bestraft worden zu sein.
Standardsituationen bleiben eine Freiburger Kernkompetenz. Über die vergangenen Spielzeiten hinweg fiel ein erheblicher Anteil der Freiburger Tore nach ruhenden Bällen, mit exzellent einstudierten Laufwegen und präzisen Ausführungen, unter anderem von Vincenzo Grifo und zuletzt verstärkt auch von Derry Scherhant. Für Gladbach bedeutet das, bei Ecken und Freistößen besondere Aufmerksamkeit auf die Box- und Zweikampfpräsenz zu legen, da die Breisgauer bei eigenen Standards traditionell mit einer hohen Anzahl an Spielern in den Strafraum nachrücken.
Kaderumbau ohne Bruch mit der Spielidee
Der SC Freiburg hat im Sommer einen personellen Umbau vollzogen, ohne die grundsätzliche taktische Ausrichtung infrage zu stellen. Mit dem Verkauf von Johan Manzambi zu Aston Villa für einen Vereinsrekord von rund 60 Millionen Euro verlor die Mannschaft einen zentralen Baustein im Mittelfeldspiel. Anstatt Manzambi eins zu eins zu ersetzen, verteilte Schuster dessen Aufgaben auf mehrere Schultern: Engelhardt übernahm die Rolle neben Eggestein, Suzuki erhielt mehr kreative Verantwortung im letzten Drittel.
Auf der Torhüterposition kam mit Mio Backhaus von Werder Bremen bereits im Frühsommer der designierte Nachfolger von Noah Atubolu, der die Freiburger schließlich auf Leihbasis mit Kaufoption in Richtung Eintracht Frankfurt verließ. Ergänzt wurde der Kader zudem mit dem japanischen Angreifer Keisuke Gotō und mit Rihito Yamamoto, der bislang allerdings noch nicht in den öffentlichen Spielen zum Einsatz kam.
Ginter als Konstante im Defensivzentrum
Ex-Borusse Matthias Ginter stand in beiden bisherigen Bundesligaspielen über die volle Distanz auf dem Platz und bildet weiterhin gemeinsam mit einem der Innenverteidiger-Kollegen die zentrale Achse der Freiburger Abwehr. Er organisiert die Viererkette, hält die Abstände zu den vorderen Mannschaftsteilen kompakt und setzt nach Ballgewinnen die ersten Anspielstationen. Im Sturmzentrum stand in beiden Saisonspielen Igor Matanović in der Startelf, während Maximilian Eggestein mit seinem Führungstreffer in Paderborn zeigte, dass die Durchschlagskraft des Sport-Clubs nicht allein von den nominellen Offensivkräften abhängt.
Für Gladbach ergibt sich daraus eine klare Aufgabenstellung: Der Gegner wird früh und mit hoher Intensität pressen, gleichzeitig aber auch anfällig sein, wenn der erste Zugriff überspielt wird. Wer die Freiburger Doppelsechs sauber umspielt und schnell in die Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern kommt, kann die etablierten Automatismen der Breisgauer empfindlich stören.
Voraussichtliche Aufstellung SC Freiburg:
Backhaus – Treu, Ginter, Lienhart, Makengo – Eggestein, Engelhardt – Beste, Suzuki, Scherhant – Matanović
von Niklas Kirchhofer

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