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Die Absurdität des Fußballs: Fans feiern Neuhaus

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Umjubelt - Florian Neuhaus (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Der Fußball schreibt die krummsten Geschichten, und diese gibt es auch bei Borussia zuhauf. Ein Kapitel nimmt die Personalie Florian Neuhaus ein. Ein Spieler, der den Verein und seine handelnden Personen vorführt, wird von den Fans gefeiert.

Als Rocco Reitz seinen Wechsel zu RB Leipzig publik machte, gab es in der Fanlandschaft von Borussia Mönchengladbach einen regelrechten Aufstand. Wie konnte es sein, dass ein echter Gladbacher Junge seinen Verein so verrät und ausgerechnet zu diesem Konstrukt nach Leipzig geht? Hat dieser Bursche denn keinerlei Ehre? Ist ihm nicht bewusst, was es heißt, das Trikot mit der Raute zu tragen – und sie dann so schmählich mit Füßen zu treten? Entsprechend wurde er aufs Übelste beschimpft und von den Fans zur Persona non grata erklärt.

Neuhaus und die doppelten Maßstäbe

Wie ist es allerdings zu erklären, dass die gleichen Fans, die so hohe Maßstäbe an Vereinstreue ansetzen, einen Spieler wie Florian Neuhaus am Samstagnachmittag im Borussia-Park frenetisch feiern? Neuhaus hat bei Borussia einen Riesenvertrag bekommen, verschiedenen Trainern in unterschiedlich besetzten Mannschaften im Gegenzug aber kaum eine Gegenleistung geboten. Und das, obwohl er sich auf vereinsschädigende Art und Weise öffentlich über den damaligen Geschäftsführer lustig gemacht hat. Er ist zudem der dringenden Bitte des neuen Verantwortlichen nicht nachgekommen, sich nach einem neuen Arbeitgeber umzuschauen – sondern möchte lieber, ohne echte sportliche Perspektive, seinen Vertrag aussitzen und seine üppige Gage weiterbeziehen.

Ein Held trotz Vereinsschädigung

Ein Spieler also, der seinem Verein ganz bewusst schadet, auch wenn er rechtlich mit allem auf der sicheren Seite ist. Moralisch müsste ein solcher Spieler – gerade wenn man die Maßstäbe wie bei Rocco Reitz ansetzt – bei den Fans unten durch sein. Doch ganz offensichtlich ist das Gegenteil der Fall: Als Neuhaus am Samstag erstmals in dieser Saison überraschend in der Startelf stand, wurde er schon vor Spielbeginn gefeiert wie der Heilsbringer. Als ihm dann auch noch relativ glücklich der Führungstreffer gelang, wurde er frenetisch bejubelt und bekam bei seiner Auswechslung nach einer vernünftigen, aber keineswegs glanzvollen Leistung Standing Ovations.

In Mönchengladbach gibt es in diesen Tagen viel, über das man sich wundern muss. Diese Geschichte um Florian Neuhaus ist da nur eine – nicht wirklich wichtige – Episode, die aber die ganze Absurdität des Profifußballs und seiner Begleiterscheinungen zeigt.

 


von Marc Basten

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