WM 2026

Deutschland scheitert mit Ansage

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Aus und vorbei (Foto: Alexander Hassenstein - Getty Images)

Aus und vorbei – das weitere WM-Turnier findet ohne die Beteiligung der DFB-Auswahl statt. Gegen Paraguay enttäuschte die Mannschaft von Julian Nagelsmann erneut auf ganzer Linie und scheiterte letztlich unglücklich, aber mit Ansage.

In der Nacht von Montag auf Dienstag deutscher Zeit endete für den ehemaligen Weltmeister Deutschland das WM-Turnier. Unglücklich im Elfmeterschießen – weil Elfmeterschießen auch immer etwas mit Glück zu tun hat –, aber bei Weitem nicht unverdient. Das Team von Julian Nagelsmann ließ erneut nahezu alles vermissen, was eine erfolgreiche Turniermannschaft ausmacht.

Wie schon über weite Strecken in den Vorrundenspielen gegen die Elfenbeinküste und Ecuador fehlte dem deutschen Spiel Struktur, Tempo und Durchsetzungsvermögen. Schier endloser Ballbesitz führte allzu oft zu harmlosen und teilweise erbärmlich plumpen Abschlussversuchen. Diese Einfallslosigkeit, die mangelhafte Passschärfe und die fehlende taktische Flexibilität erinnerten tatsächlich an Spiele von Borussia Mönchengladbach.

Bayern-Block ist keine Garantie für Qualität

Bei Borussia kann man die fehlende individuelle Qualität als Erklärung anbringen, aber das sollte bei einer Nationalmannschaft eigentlich kein Argument sein. Oder doch? Geht man die Positionen durch, wird schnell klar, wie überschätzt und schlecht zusammengestellt dieser WM-Kader war. Havertz war lange verletzt, Wirtz ist seit Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst, Musiala kann mit simpler Härte kaltgestellt werden und Sané lässt einer guten Bewegung mit traumwandlerischer Sicherheit die falsche folgen. Und Undav ist ein ausgezeichneter Instinkt-Stürmer, aber eben kein klassischer Zielspieler.

Nun könnte man sagen, dass doch immerhin der Bayern-Block die Garantie für Qualität sein sollte. Neuer, Tah, Kimmich, Pavlovic, Musiala und Goretzka – zeitweise standen gegen Paraguay sechs Bayern auf dem Feld, dazu noch der langjährige Münchener Sané. So viele Spieler der deutschen Übermannschaft, was soll da die Qualitätsfrage? Die Antwort gab es nicht nur im Spiel gegen Paraguay: Bayern ist nicht wegen der deutschen Nationalspieler so erfolgreich, sondern trotz ihnen. Sie erfüllen im Klub ihre (Neben-)Rollen und passen sich im Gefüge ein. Aber ohne die Unterschiedsspieler wie Kane oder Olise sind sie nicht mehr als ordentliche Kicker. Und davon haben andere Länder auch einige – selbst Paraguay.

Nagelsmanns Konzeptlosigkeit

Wenn man es also nicht allein über die individuelle Qualität regeln kann, dann geht es über mannschaftliche Geschlossenheit, eine Spielphilosophie und Taktik. Ein Teamgeist war auf dem Platz nicht zu erkennen, es wirkte alles irgendwie blutleer. Und spätestens bei Spielphilosophie und Taktik ist man bei Julian Nagelsmann. Der wurde einst als moderner Trainer gehypt, aber dieses WM-Projekt hat er sehenden Auges an die Wand gefahren. Neben den teilweise eigentümlichen Nominierungen, der Posse um Neuer sowie seinem Gehabe an der Seitenlinie stellt sich vor allem die Frage, was er da eigentlich spielen lassen wollte.

Dass der Ansatz nicht zielführend ist, hatte sich schon gegen die Elfenbeinküste gezeigt. Bei der Niederlage gegen Ecuador wurde es ganz offensichtlich, aber der Weckruf verhallte. Gegen Paraguay Havertz für Musiala zu bringen und Undav starten zu lassen, war keine innovative Idee, wenn ansonsten genau der gleiche planlose Fußball gespielt wird. Warum Nagelsmann weder die grundsätzliche Herangehensweise angepasst noch zumindest mit der einen oder anderen taktischen oder personellen Finte aufgewartet hat, ist ein Rätsel.

Verdientes Aus

Auch wenn man gegen Paraguay offensichtlich benachteiligt wurde – das Tor von Tah in der Verlängerung hätte zählen müssen –, ist das Ausscheiden letztlich verdient. Deutschland ist weder eine Turniermannschaft, noch spielt sie guten Fußball. Sich wie früher durchzuwurschteln funktioniert auch nicht mehr, und wenn dann noch die letzte Qualität – die Nervenstärke im Elfmeterschießen – flötengeht, dann ist halt Schluss. Selbst in einem Sechzehntelfinale gegen Paraguay.

 


von Marc Basten

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