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Der Mann, der Borussia das erste Mal rettete – Nachruf auf Gerd vom Bruch

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Gerd vom Bruch 1991 als Trainer von Borussia Mönchengladbach (Foto: Bongarts - Getty Images)

Gerd vom Bruch war der fünfte Trainer in der Bundesligageschichte von Borussia Mönchengladbach. Von November 1989 bis September 1991 trainierte er die Fohlenelf. Am 22. Mai 2026 ist Gerd vom Bruch im Alter von 84 Jahren verstorben.

Es ist kein Name, den man im ersten Atemzug nennt, wenn es um die Geschichte von Borussia Mönchengladbach geht. Keine Meisterschale, kein Europapokalabend, keine Titelzeile, die seinen Namen trug. Und doch hat Gerd vom Bruch eine stille, aber unbestreitbare Spur im Klub hinterlassen: Er war der erste Trainer, der Borussia vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahrte. Ein Novum, das zeigt, wie turbulent jene frühen Neunziger für den Verein waren.

Vom Siegerland an den Bökelberg

Gerd vom Bruch wurde am 19. August 1941 im Siegerland geboren. Als Spieler hatte er keine große Karriere im Profifußball gemacht – er kickte in der Regionalliga für den VfL Klafeld-Geisweid, ehe er früh den Weg ins Trainergeschäft einschlug. Über Stationen wie SpVgg Olpe, SSV Dillenburg, Rot-Weiss Lüdenscheid, Eintracht Haiger und Sportfreunde Siegen arbeitete er sich durch den westdeutschen Amateurfußball. Kein glamouröser Weg. Aber ein gründlicher.

Im Sommer 1987 kam er als Co-Trainer von Wolf Werner nach Mönchengladbach. Zwei Jahre lang war er der Mann im Hintergrund, der die tägliche Trainingsarbeit mitgestaltete, während Werner das Gesicht nach außen war. Diese stille Partnerschaft endete abrupt im November 1989.

Eine Entlassung, die Geschichte schrieb

Bis zu diesem Herbst hatte Borussia Mönchengladbach eine Trainerentlassung nicht gekannt. Wolf Werner war am 17. Spieltag der Saison 1989/90 nach einer 0:1-Niederlage gegen Bayer Uerdingen der erste Cheftrainer in der Vereinsgeschichte, der vor Vertragsende gehen musste. Vom Bruch rückte nach.

Er selbst hat diesen Moment später offen beschrieben: Er hatte, so erzählte er es, gar keine große Lust auf diesen Job. Und das ist vielleicht das Ehrlichste an seiner Geschichte bei Borussia: Er übernahm nicht als Heilsbringer oder als Karrierist, der seinen Moment witterte. Er übernahm, weil der Verein ihn brauchte.

Abstiegskampf, wie ihn Gladbach nicht kannte

Die Situation, die vom Bruch vorfand, war ernst. Borussia stand tief im Tabellenkeller, und der Abstieg – in jenen Jahren noch ein nahezu undenkbares Szenario für einen Verein, der in den 1970ern zu den besten Europas gehört hatte – drohte real. Der Kader hatte durchaus Qualität: Uwe Kamps im Tor, der junge Stefan Effenberg im Mittelfeld, der große Name Igor Belanow im Angriff, dazu junge Spieler wie Michael Klinkert und Jörg Neun.

Vom Bruch stabilisierte das Team. Er schaffte den Klassenerhalt – mit einem 0:0 am letzten Spieltag in Uerdingen. Beiden Teams reichte ein Remis zum Klassenerhalt und entsprechend endete diese Partie. Es war das erste Mal in der Vereinsgeschichte, dass ein Gladbacher Trainer aktiv gegen den Abstieg anarbeiten musste. Und es war das erste Mal, dass dieser Kampf gewonnen wurde.

Die Saison 1990/91: Solide, nicht mehr

In der Folgesaison übernahm vom Bruch von Beginn an als unumstrittener Cheftrainer. Der Kader hatte sich verändert: Effenberg war weg, neue Spieler wie Karlheinz Pflipsen, Thomas Kastenmeier und Martin Schneider prägten das Bild. Die Saison verlief geordnet – Platz 9 am Ende, kein Abstiegskampf, kein Aufhorchen. Genau das, was der Verein nach dem Beinahe-Trauma des Vorjahres benötigte.

Doch der Start in die Saison 1991/92 misslang. Nach dem zehnten Spieltag war Borussia mit 6:16 Punkten Tabellenletzter und vom Bruch wurde am 25. September 1991 entlassen. Eine Woche später übernahm Jürgen Gelsdorf das Amt des Cheftrainers. Vom Bruchs Gesamtbilanz bei Borussia in der Bundesliga: 66 Spiele, 23 Siege, 22 Unentschieden, 21 Niederlagen. Eine ordentliche, keine außergewöhnliche Quote – passend zu dem Mann, der sie vorzuweisen hatte.

Danach: Wuppertal, Aachen, Abschied

Nach Gladbach trainierte vom Bruch noch den Wuppertaler SV in der 2. Bundesliga (1992–93) sowie Alemannia Aachen in der Regionalliga West (1994–96). Zuletzt war er als Spielerberater tätig (u.a. betreute er den jungen Marc-André ter Stegen). Der große Ruhm blieb aus. Er hatte ihn wohl auch nie gesucht.

Gerd vom Bruch war kein Visionär des Fußballs. Er war ein Handwerker – bodenständig, ohne Allüren, aus dem Siegerland. Bei Borussia Mönchengladbach übernahm er zweimal Verantwortung, die er nicht unbedingt wollte: erst als Co-Trainer eines Vereins in der Krise, dann als Cheftrainer in höchster Not. Beides erledigte er ohne Aufhebens.

Dass er der erste war, der Borussia den Klassenerhalt sichern musste, ist sein ganz persönlicher Platz in der Vereinshistorie. Es ist ein unspektakulärer Platz. Aber er gehört ihm allein.


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