WM 2026

Der längste Spieltag der WM-Geschichte – und der langweiligste?

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England gegen Kroatien war das Highlight des ersten Spieltags (Foto: Francois Nell - Getty Images)

Fast eine Woche Fußball-WM und ein Turnier-Modus, der Spannung systematisch verhindert: Der erste WM-Spieltag 2026 war ein Marathon ohne Zieleinlauf.

In der Nacht auf Donnerstag endete mit dem 1:3 zwischen Usbekistan und Kolumbien offiziell der erste Spieltag der WM 2026 – nach fast einer vollen Woche, die sich anfühlte wie ein Langstreckenflug in der Mittelreihe. 24 Spiele, verteilt über sieben Tage, zu Uhrzeiten, die sich für europäische Verhältnisse irgendwo zwischen spät und absurd bewegen. Das Turnier hat gedauert, geächzt und gestöhnt. Und am Ende fragt man sich: War da eigentlich irgendetwas?

Kein Druck, kein Risiko, kein Feuer

Das Grundproblem dieses ersten Spieltags lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wer nicht wirklich verlieren kann, spielt entsprechend. Bei 48 Mannschaften und einem Modus, der selbst dem Dritten einer Vierergruppe noch realistische Chancen aufs Weiterkommen lässt, ist Risikobereitschaft schlicht keine Tugend mehr, sondern eine Dummheit. Das Ergebnis ist zwar kein Turnier voller Unentschieden, sondern eines voller blutleerer Partien, in denen auch die Gewinner selten wirklich überzeugten. Sechs Remis in der ersten Runde sind nicht dramatisch. Dass sich auch die anderen 18 Spiele häufig so angefühlt haben, schon.

Spanien und Portugal: Die Wackelkandidaten

Spanien, immerhin amtierender Europameister, kam gegen WM-Debütant Kap Verde nicht über ein torloses 0:0 hinaus – trotz 27 Abschlüssen aufs Tor. 27 Versuche, null Treffer: Das ist kein Pech, das ist eher ein strukturelles Problem im Abschluss. Portugal leistete sich Ähnliches: Der Mitfavorit trennte sich von der Demokratischen Republik Kongo nur 1:1, Altmeister Ronaldo war mehr Hemmschuh denn Hilfe. Beide Nationen werden die Gruppenphase zuverlässig überstehen – der Modus garantiert es fast –, aber beide haben Fragen aufgeworfen, die sie spätestens in der K.o.-Runde beantworten müssen. 

Das beste Spiel des Spieltags

Dass England gegen Kroatien das einzige innereuropäische Duell des gesamten ersten Spieltags und gleichzeitig dessen bestes Spiel war – das hat eine gewisse Aussagekraft. Thomas Tuchels Mannschaft gewann 4:2, Harry Kane traf doppelt, Jude Bellingham und Marcus Rashford legten nach. Kroatien glich zweimal aus, ehe England nach der Pause dominierte – und Torhüter Livakovic verhinderte mit starken Paraden noch höhere Gegentreffer. Ein Spiel mit Rhythmus, Dramatik und echter Qualität: Das war die Ausnahme in diesen sieben Tagen, nicht die Regel.

Überraschungen am Rand

Neben den großen Namen gab es auch kleinere Ausrufezeichen. Schweden fegte Tunesien mit 5:1 vom Platz – einer der deutlichsten Siege des gesamten ersten Spieltags, von einem Team, das kaum jemand auf der Rechnung hatte. Australien schlug die als eine Art Geheimfavorit gehandelte Türkei souverän mit 2:0. Frankreich machte schlicht seinen Job: Der 3:1-Sieg gegen Senegal war die Art von Auftritt, die Spanien und Portugal gerne gezeigt hätten – kontrolliert, effizient, ohne viele Fragezeichen. Und Kap Verde, der WM-Debütant, hielt dem Druck von 27 spanischen Abschlüssen stand. Manchmal schreibt der Fußball eben doch seine Geschichten.

Der Modus als eigentliches Problem

Am Ende ist die ernüchternde Qualität dieses ersten Spieltags kein Zufall, sondern Systemfolge. Schon bei früheren Weltmeisterschaften gab es lahme Gruppenphasen. Aber ein Turnier mit 48 Teams, in dem etablierte Nationen die Gruppenphase quasi im Schlaf überstehen, produziert keine Partien, in denen alles auf dem Spiel steht. Echte Spannung entsteht aus echter Bedrohung. Und die war in dieser ersten Woche für die Großen dieser Fußballwelt schlicht nicht vorhanden. Am zweiten Spieltag dürfte sich daran nur marginal etwas ändern. Aber vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen unerwarteten Leckerbissen. Lassen wir uns überraschen – mehr kann man ohnehin nicht machen.


von Marc Basten

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