WM 2026

Das erste WM-Wochenende: Viel Lärm um wenig

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Schützenfest in Texas (Foto: Alexander Hassenstein - Getty Images)

Also gut. Das erste lange WM-Wochenende liegt hinter uns, und die Frage, was davon hängenbleibt, lässt sich ehrlich beantworten: nicht allzu viel.

Fangen wir mit dem Pflichtprogramm an. Deutschland hat Curacao 7:1 vom Platz gefegt und die tapferen Insulaner, die mit einer Ernsthaftigkeit und Aufopferung angetreten sind, die man einem klaren Außenseiter wirklich abnehmen muss, nach Hause geschickt. Ihr Trainer Dick Advocaat konnte am Ende nur beobachten, wie sein Team an der schieren Qualitätsdifferenz scheiterte. Gut, man darf der deutschen Mannschaft zugutehalten, dass sie die Aufgabe mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen ist. Die erste Halbzeit war dabei nicht immer das, was man als souverän bezeichnen würde, aber im zweiten Durchgang haben sie die Sache konzentriert und seriös zu Ende gebracht. Pflichtaufgabe erfüllt. Schön. Und jetzt alle kurz durchatmen – vor allem jene, die bereits wieder Autokorsos organisieren und sich ein "Schland-Fieber" herbeifantasieren. Sieben Tore gegen Curacao sind kein Beweis für irgendetwas, außer dass der Klassenunterschied halt existiert. Die Füße stillhalten, bitte.

Was blieb sonst? Nun ja. Eine wirklich starke Halbzeit zwischen Marokko und Brasilien machte kurz Lust auf mehr – und dann war es das mit der Spielfreude auch schon weitestgehend. Der Rest des Eröffnungswochenendes trug sich mit der Energie eines lauwarmen Dienstagnachmittags in der Kreisliga. Dazu kommt: Die vielen nächtlichen Spiele sind als Wachmacher ungefähr so geeignet wie ein Kräutertee ohne Koffein. Man schleppt sich durch, mehr nicht.

Den Tiefpunkt lieferte die Schweiz gegen Katar. Die Eidgenossen, beschienen von der Mittagshitze in Santa Clara, versuchten ein 1:0 gegen Katar über die Zeit zu schaukeln – und verzockten sich dabei mit einer Mischung aus fahriger Chancenverwertung und kollektiver Schlafmützigkeit, die einen fast nostalgisch stimmte. Wer Borussia Mönchengladbach in den letzten Jahren verfolgt hat, kennt dieses Gefühl. Der Begriff "Borussia Schweiz" erlebt damit eine Wiederbelebung, wenn auch in einem Kontext, den sich Elvedi & Co. nicht gewünscht haben.

Richtig nervig wird es aber bei der Bildregie der FIFA. Die Regisseure scheinen felsenfest davon überzeugt zu sein, dass wir vor allem feixende "Fans" in Großaufnahme sehen wollen – immer wieder, immer länger, immer künstlicher. Das Ergebnis ist ein Stimmungstheater, das so authentisch wirkt wie Dosenbeifall im Sitcom-Studio. Und wenn die Regie dann noch mehrfach viel zu spät zurück ins Spielgeschehen schneidet, weil sie unbedingt noch eine weitere "Stimmungssequenz" unterbringen muss – dann sagt das eigentlich alles. Der Fußball ist bei dieser aufgeblähten Veranstaltung zur Nebenrolle degradiert. Das Turnier ist das Produkt, der Sport nur die Verpackung.

Ob es besser wird? Vielleicht. Die K.o.-Runde hat das Potenzial, echte Spannung zu liefern. Bis dahin bleibt uns die Vorrunde – und die quält sich so vor sich hin wie ein Pflichtprogramm, das keiner bestellt hat, aber alle absitzen müssen.


von Marc Basten

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