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Bärendienst von Kleindienst

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Tim Kleindienst im Spiel gegen Elversberg (Foto: Norbert Jansen - Fohlenfoto)

Tim Kleindienst ist ein Freund klarer Worte. Doch Borussias Kapitän hat offensichtlich kein Gespür für das Momentum. Seine Mitspieler öffentlich so zu kritisieren, zeigt primär die eigene Schwäche. Was muss das für ein Teamspirit sein, wenn ein Kapitän so reagiert?

Dass Tim Kleindienst frustriert war, ist verständlich. So ging es am Samstagnachmittag auch rund 50.000 anderen Menschen im Borussia-Park, die mit ansehen mussten, wie die Abordnung aus Elversberg ihren Coup feierte. Wohl jeder hätte, wenn man ihn vor ein Mikrofon gezerrt hätte, eine ähnliche Schimpftriade losgelassen wie Tim Kleindienst.

Berechtigte Kritik in der Sache

Er sprach von »der größten Gülle«, die man sich am Ende zusammengespielt hätte, und sein Fazit, dass drei Tore gegen einen Aufsteiger zuhause eigentlich reichen müssten, kann man unwidersprochen so stehen lassen. »Wir waren schon mal in einer Phase, in der wir gar nicht so viele Tore schießen können, wie wir hinten kassieren. Wir haben jetzt sieben Gegentore in zwei Spielen bekommen, da sollten wir uns schon hinterfragen, was wir da hinten eigentlich machen.« Auch hier gilt: volle Bestätigung.

Dass Kleindienst in den TV-Interviews darüber hinaus nicht in eine tiefere Analyse ging und den Punkt ansprach, dass man insgesamt mit der offensiven Herangehensweise ohne Defensivkonzept auf einem gefährlichen Holzweg ist, kann man ebenfalls nachvollziehen. Dass er allerdings die Gelegenheit nutzt, die Schuld für den Zusammenbruch auf die jungen Spieler abzuschieben und sie öffentlich anzuzählen, ist eines Kapitäns unwürdig.

Attacke gegen die eigenen Youngster

Am Mikro von DAZN sagte er über die jungen Spieler: »Dass die Fehler machen, ist normal, aber nach dem zweiten, dritten, vierten Mal sollte es aufhören. Da muss man innerhalb des Spiels auch mal lernen, und das ist nicht passiert.« Beim ZDF legte er nach: »Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält. Keine Ahnung, woran es liegt, weniger TikTok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen. Am Ende sollen sie halt irgendwas machen, dass sie 90 Minuten mal klar bei Verstand sind, durchhalten und den Fokus hochhalten, dass wir auch bis zum Schluss verteidigen und nicht irgendwelche sinnlosen Ballverluste, Fehlpässe und Fouls machen, wo es gefährlich wird.«

Kleindienst, der übrigens mit einem dieser sinnlosen Fehlpässe den Angriff zum zweiten Elversberger Tor einleitete, ledert also mit barschem Ton ausgerechnet die jungen Spieler ab, die eigentlich am meisten auf die Unterstützung ihrer erfahrenen Mitspieler angewiesen sind. Und diese Youngster werden nun von ihrem Kapitän öffentlich vorgeführt und als Sündenböcke gebrandmarkt? Was bitte sagt das über den Teamspirit aus und wie schwach sind solche Aussagen eines Kapitäns und Führungsspielers?

Kann so eine verschworene Truppe aussehen?

Wenn er sich intern den einen oder anderen Spieler zur Brust nimmt und ihm mit klaren Worten eine Ansage macht, ist das okay. Aber öffentlich Mitspieler an den Pranger zu stellen, ist unwürdig für einen Kapitän. Tim Kleindienst mag von der Sache her recht haben, aber damit hat er sich und Borussia einen Bärendienst erwiesen. Wem will man denn ernsthaft erzählen, dass diese Mannschaft eine verschworene Truppe ist, die für eine gemeinsame Sache steht und die an sich und ihren Fußball glaubt, wenn ihr Anführer sich so äußert? Leider passt der Kapitän genau in das zerrüttete Bild, das Borussia Mönchengladbach schon am zweiten Spieltag der Saison abgibt.

 


von Marc Basten

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