Die Nominierung von Wael Mohya zur A-Nationalmannschaft kam überraschend. Klopp erläuterte, dass er den Jungen persönlich kennenlernen und im Training erleben möchte. Er habe mit der Familie gesprochen und natürlich auch mit Gladbach-Coach Alexander Blessin. Der Bundestrainer hob hervor, dass man gerade bei jüngeren Spielern eine Sorgfaltspflicht habe und man sich geeinigt habe, Mohya einfach mal mitzunehmen, ohne Versprechungen zu machen.
Was Klopp da sagt, ist nachvollziehbar, und er hat in seiner Trainerkarriere unter Beweis gestellt, dass er gut mit jungen Spielern umgehen kann. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Nominierung zu diesem Zeitpunkt wirklich erforderlich ist. Mohya hat erst ein paar Bundesligaspiele absolviert und steht ganz am Anfang seiner Entwicklung.
Talent ja, Reife noch nicht
Ja, er ist ein großes Talent, und man darf sich einiges von ihm versprechen. Doch auch wenn er ein geerdeter junger Mann ist: Für die A-Nationalmannschaft ist er noch nicht reif.
Gewiss, die Zeiten haben sich geändert. Früher musste ein Spieler zwei Jahre in der Bundesliga stabile Leistungen bringen, bis er überhaupt in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gelangte. Heute reicht ein Bundesligaspiel, begleitet von medialem Getöse, um Nationalspieler zu werden. Leider hat man es versäumt, den gesunden Mittelweg zu finden.
Kein echtes Privileg mehr
Als Klopp zuletzt seinen Mega-Kader nominiert hat, mussten selbst die Experten bei dem einen oder anderen Namen googeln. Eine Berufung für die A-Nationalmannschaft ist schon länger kein echtes Privileg mehr, und von daher könnte man die Nominierung auch als unverbindliches Kennenlernen abtun.
Doch die Begleiterscheinungen sind enorm. Was jetzt alles auf den 17-Jährigen einprasselt, lässt sich nicht mit einem einfachen Achselzucken weglächeln. Schon gar nicht in diesem Alter. Da mag er noch so gefestigt sein und ein gutes Umfeld haben: Er steht ab sofort komplett im öffentlichen Fokus und wird gerade in dieser permanent aufgeregten (Social-)Media-Welt sehr viel verkraften und verarbeiten müssen.
Hoffentlich gewachsen
Es wäre bedauerlich, aber nicht verwunderlich, wenn die Unbeschwertheit und Frische, die Mohya bislang auszeichnet, verloren gehen würden. Der Zug für eine ruhige Entwicklung in Mönchengladbach ist seit heute abgefahren. Während Alexander Blessin vergangene Woche noch davon sprach, Mohya nicht zu überfrachten, hat Klopp jetzt etwas ins Rollen gebracht, was nicht mehr aufzuhalten ist. Hoffentlich ist Wael Mohya dem gewachsen.
von Marc Basten

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