Haris Tabaković ist bei der Weltmeisterschaft dabei – zumindest formal. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach gehört zum Kader von Bosnien-Herzegowina und reist mit, das ist nach den Aussagen des Spielers und der Mitteilung des bosnischen Verbands klar. Offen ist allerdings die entscheidende Frage: In welchem körperlichen Zustand Tabaković wirklich ist und ob es am Ende für Einsätze auf dem Platz reicht.
Der Ausgangspunkt der ganzen Diskussion ist bekannt. Tabaković traf im letzten Bundesligaspiel der Gladbacher Saison beim 4:0 gegen Hoffenheim, verletzte sich kurz darauf aber bei einem Zweikampf am Fuß und musste ausgewechselt werden. Schon die ersten Bilder ließen ahnen, dass es keine Kleinigkeit sein würde – und genau daraus entstand in den Stunden danach eine Kommunikationslage, die eher Fragen aufwarf, als sie zu beantworten.
Zwischen Diagnose und Deutung
Zunächst dominierten schwere Diagnosen die Berichterstattung. Mehrere Medien beriefen sich auf frühe Informationen aus Bosnien, wonach Tabaković einen Bruch im Bereich des Sprunggelenks oder Knöchels erlitten habe und monatelang ausfallen könnte. Auch in Deutschland wurde diese Linie schnell übernommen, teils mit sehr klaren Schlagzeilen in Richtung WM-Aus, obwohl Borussia selbst öffentlich zunächst nur von einer Fußverletzung nach einem Zweikampf sprach und keine genaue Diagnose nannte.
Genau diese Diskrepanz ist bis heute der entscheidende Punkt. Während frühe Meldungen ein klares Worst-Case-Szenario zeichneten, klang es später differenzierter: Der bosnische Verband sprach von ermutigenden Nachrichten aus Gladbachs medizinischer Abteilung und erklärte, die Verletzung sei offenbar nicht so schwer wie anfangs dargestellt. Spätere Medienberichte gingen dann eher in Richtung Bänderdehnung, Kapselbeteiligung und kleinem Haarriss statt einer schweren, eindeutig turniervernichtenden Fraktur. Das heißt nicht, dass die Sache harmlos wäre – aber eben auch nicht, dass der Fall längst abschließend geklärt wäre.
Rolle im Ungewissen
Für Bosnien bedeutet das: Tabaković bleibt Teil des Aufgebots, aber seine Rolle ist offen. Der Verband plant mit ihm im Trainingslager und will seinen Zustand fortlaufend bewerten, ohne bislang eine belastbare Aussage darüber zu treffen, ob er vom Start weg einsatzfähig ist, nur für Kurzeinsätze infrage kommt oder am Ende doch nur als Kaderspieler ohne Minuten mitfährt. Genau zwischen diesen Polen bewegt sich derzeit die Debatte um ihn – zwischen Hoffnung auf einen Joker und der Möglichkeit, dass die WM für ihn vor allem ein Wettlauf gegen die Zeit bleibt.
Aus Gladbacher Sicht ist diese Entwicklung mit einer gewissen Distanz zu betrachten, aber nicht ohne Sympathie. Tabaković hat in seiner Saison bei Borussia sportlich geliefert, sich als wichtiger Zielspieler und bester Torschütze etabliert und sich damit die WM-Bühne verdient. Dass seine Leihe endet und er künftig nicht mehr für Gladbach spielen wird, ändert wenig daran, dass ihm rund um den Borussia-Park viele wünschen dürften, seinen WM-Traum nicht nur als Mitreisender, sondern auch mit echten Einsätzen zu erleben.
von Redaktion TORfabrik.de

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