WM 2026

Borussia-Schweiz war einmal

Created by WM 2026

Der "letzte Mohikaner": Nico Elvedi (Foto: Sona Maleterova - Getty Images)

Es gab eine Zeit, da hätte man die Schweizer Nationalmannschaft locker mit Gladbacher Spielern aufstellen können. Fast jedenfalls. Fünf Eidgenossen gleichzeitig im Kader der Fohlenelf – das war um 2019 keine Kuriosität, sondern gelebte Realität. Der Begriff „Borussia-Schweiz" war in der Schweizer Fußballszene tatsächlich geläufig, und er war nicht mal übertrieben.

Die goldene Schweizer Ära am Niederrhein

Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria, Michael Lang, Breel Embolo – zu Hochzeiten standen diese fünf Schweizer Nationalspieler gleichzeitig im Gladbacher Kader. Granit Xhaka hatte da seinen Wechsel zu Arsenal schon vollzogen, aber auch er hatte zwischen 2012 und 2016 als Kapitän entscheidend zum guten Ruf der Gladbacher Schweizer-Pipeline beigetragen. Borussia war für die Schweizer Nati das, was der FC Basel für Schweizer Youngster traditionell ist: eine verlässliche Adresse, ein Ausbildungsbetrieb mit Bundesliga-Niveau und offenbar einem besonders guten Draht zu Schweizer Spielervermittlern.

Sommer wurde zur Vereinslegende und zum unangefochtenen Stammkeeper der Nati. Zakaria entwickelte sich zum Leistungsträger und unverzichtbaren Teil des Schweizer Mittelfelds. Lang kam 2018 vom FC Basel, spielte aber nur eine Saison im Borussia-Park, ehe er nach Bremen verliehen wurde. Embolo stieß 2019 dazu und komplettierte das helvetische Quintett. Ein Novum in der Bundesligageschichte – und für die Schweizer Nationalmannschaft eine Art auswärtige Heimat.

Und heute?

Dann wurden die Karten neu gemischt. Sommer wechselte 2023 zu Inter Mailand und beendete inzwischen seine Nationalmannschaftskarriere. Zakaria verließ Gladbach 2022 in Richtung Juventus, heute spielt er für die AS Monaco – und steht im WM-Kader. Embolo ist bei Stade Rennes, Lang längst aus dem aktiven Fußball raus und seit Sommer 2025 Sportchef beim FC Wil. Xhaka ist mittlerweile Rekordnationalspieler, führte Bayer Leverkusen zur Meisterschaft und spielt heute beim AFC Sunderland.

Von der einst so prägenden Gladbacher Schweizer-Fraktion ist am Niederrhein einer geblieben: Nico Elvedi. Und der hält die Fahne mit einer Konsequenz hoch, die schlicht beeindruckend ist. 2015 als 19-Jähriger vom FC Zürich gekommen, hat Elvedi inzwischen mehr Bundesliga-Spiele für Gladbach absolviert als irgendjemand sonst, der nicht Deutscher ist. Er hat Yann Sommer eingeholt, und mit jedem weiteren Spiel etabliert er sich weiter als alleiniger Rekordhalter.

Elvedi als letzter Mohikaner

Bei der WM 2026 in Nordamerika ist Elvedi fester Bestandteil des Schweizer Kaders und als Stammspieler in der Abwehrkette eingeplant. 67 Länderspiele stehen für den Innenverteidiger zu Buche – Tendenz weiter steigend. Doch Elvedi ist nicht der einzige Gladbach-Bezug im Schweizer WM-Aufgebot – er ist nur der einzige aktuelle. Granit Xhaka, der vielleicht prägendste Schweizer, den Gladbach je hatte, führt die Nati als erfahrener Senior-Spieler an. Denis Zakaria, Breel Embolo und Djibril Sow, der auch eine kurze Gladbacher Vergangenheit hat, sind mit dabei. 

Vier aktive Ex-Gladbacher also im WM-Kader der Schweiz – plus Nico Elvedi, der noch immer das Fohlen-Trikot trägt, auch wenn er seine Zukunft zuletzt offengelassen hat. Das ist, aus Sicht des Niederrheins, eigentlich ein ziemlich guter Grund, der Nati die Daumen zu drücken. Nicht aus sentimentaler Nostalgie, sondern weil Gladbach in dieser Schweizer Mannschaft mehr steckt, als es auf den ersten Blick scheint. Die goldene Ära der „Borussia-Schweiz" mag vorbei sein – aber ein paar Ausläufer reichen noch bis zur WM 2026.


von Redaktion TORfabrik.de

Copyright © 2000- 2026 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG