Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Union Berlin 1:2 (1:1)

Die typische Niederlage eines Abstiegskandidaten

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Viel Kampf, etwas Fußball - aber ein effizienterer Gegner (Foto: Lukas Schulze / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach hatte die Niederlage gegen Union Berlin nicht verdient, aber danach fragt niemand mehr. Die Art und Weise der vierten Heimpleite in Folge war typisch für eine Mannschaft, die im Abstiegskampf auf der Stelle tritt. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Verlebte einen sehr ruhigen Nachmittag, weil die defensive Struktur vor ihm besser war als in den letzten Spielen und sich zudem die Angriffsbemühungen der Unioner in Grenzen hielten. Sommer machte sich mit einem Hechtsprung lang, um eine Hereingabe von Kruse abzufangen und zweimal musste er den Ball nach einem Schuss seines Ex-Kollegen aus dem Netz holen. Beim Elfmeter entschied sich Sommer für die andere Ecke, beim Siegtor passte der Ball genau und der 33-Jährige konnte nichts mehr ausrichten. Note 3,0.

Matthias Ginter: Spielte rechts in der Dreierkette, wo er ein typisches ‘Ginter-Spiel’ absolvierte. Er hatte viele Ballkontakte, eine sehr ordentliche Passquote und schaltete sich auch situativ mit nach vorne ein. So kam das Zuspiel vor der Neuhaus-Chance von ihm und auch bei der Riesengelegenheit von Netz war Ginter der Vorbereiter, als er im gegnerischen Strafraum energisch bis zur Grundlinie lief. Defensiv hatte er wenige Probleme, was auch an dem sehr dosierten Offensivspiel der Gäste lag. Beim 1:2 erfasste er die Situation zu spät und so missriet sein Versuch, noch mit langem Bein den Schuss von Kruse zu blocken. Ob es das letzte Spiel des 28-Jährigen, der drei Minuten vor dem Ende für Plea ausgewechselt wurde, für die Borussia war, bleibt abzuwarten. Note 3,0.

Marvin Friedrich: Diesmal als zentraler Mann in der Dreierkette aufgeboten und damit auch im dritten Spiel auf einer anderen Position. Gegen seine Ex-Kollegen zeigte er sich in einigen Situationen etwas wackelig. Nach einer guten halben Stunde machte ein wenig konsequenter Klärungsversuch von Friedrich einen Umschaltangriff der Gäste nochmals unnötig scharf. Das Passspiel des 26-Jährigen war solide, zwei, drei lange Bälle waren gelungen. In der Offensive hatte er kurz vor der Pause per Nachschuss eine Chance, traf den Ball aber nicht richtig. In der Endphase, als Borussia die Brechstange auspackte, war Friedrich mit vorne dabei, ohne sich jedoch in Szene setzen zu können. Note 3,5.

Nico Elvedi: Diesmal ohne Aussetzer, was angesichts der Häufung in dieser Saison (leider) bemerkenswert ist. Die Aufgabe links in der Kette scheint ihm besser zu liegen, als in der mittigen Position, wo er mehr Verantwortung zu tragen hat. Elvedi löste es gegen Becker ordentlich, gewann wichtige Zweikämpfe und hatte auch eine vernünftige ‘Connection’ zu Netz vor ihm. Allerdings sah er vor der Elfmetersituation nicht gut aus, als er Beckers Flanke nicht verhinderte. Einige Male wurde der Schweizer nahezu genötigt, sich bei Ballbesitz mit über die Mittellinie einzuschalten. Union ließ ihn gewähren, aber leider nutzte Elvedi das nicht aus, sondern verkrampfte und zog sich schnell wieder zurück. Note 4,0.

Stefan Lainer: Ganz eindeutig sollten die beiden Außenspieler diesmal die Priorität auf die Defensive legen. Hohes Anlaufen war nicht angesagt, so dass Lainer bei gegnerischem Ballbesitz direkt zurück eilte, um die Fünferabwehrkette zu komplettieren. Das machte er aufmerksam und mit der nötigen Laufbereitschaft. Bei eigenem Ballbesitz - den es vor allem in der zweiten Halbzeit überwiegend gab - konnte sich Lainer nur bedingt einbringen. Seine Aktionen wirkten sehr hölzern und von ihm waren keine Lösungen zu erwarten, den dichten Defensivverbund von Union zu knacken. Einmal hätte er die Gelegenheit für einen Assist gehabt, aber sein schwacher flacher Ball in den Strafraum landete beim Gegner. Auch nach der Pause war er im Offensivspiel kein Faktor. Note 4,0.

Denis Zakaria: Als Sechser war er für die Verdichtung der Zentrale zuständig und er sicherte ab, wenn sich Koné einschaltete. Die Aufteilung passte über weite Strecken, auch wenn es Zakaria aufgrund der beengten Räume nicht gelang, selbst mal einen seiner Läufe mit raumgreifenden Schritten anzusetzen. Der Schweizer spielte meist solide Pässe und machte es gegen den Ball ordentlich. Aber er war auch der Unglücksrabe an diesem Nachmittag: Der 25-Jährige verursachte den Handelfmeter, als ihm der abgefälschte Ball unglücklich an die Hand sprang. Insoweit natürlich überhaupt kein Vorwurf an Zakaria, denn von einem absichtlichen Handspiel konnte keine Rede sein. Leider spielte Zakaria auch beim entscheidenden Gegentor eine Schlüsselrolle, als ihm bei der eigentlich harmlosen Flanke ein Querschläger unterlief, wodurch Gießelmann Kruse in Szene setzen konnte. Note 4,0.

Manu Koné: War sehr aktiv, forderte den Ball und traute sich, den Weg durch die ‘Berliner Mauer’ zu suchen und zu finden. Der 20-Jährige, der zuletzt etwas durchhing, war diesmal sehr stabil in seinen Aktionen. Sein Tor war klasse, als er sich den Ball mit der Sohle vorlegte, um dann mit einem präzisen Schuss ins Eck abzuschließen. Leider konnte Koné zwei weitere Schüsse aus vielversprechender Position nicht so gut platzieren. In Borussias stärkster Phase in der zweiten Halbzeit war der Franzose Dreh- und Angelpunkt mit sehr konkreten Aktionen. Bei der Arbeit gegen den Ball machte er es im Verbund mit Zakaria mehr als ordentlich. Note 2,5.

Luca Netz: Rückte wieder in die Startelf und spielte auf der linken Seite. Wie sein Pendant Lainer mit der Vorgabe, bei gegnerischem Ballbesitz schleunigst die Fünferkette zu komplettieren. Das machte der 18-Jährige aufmerksam. Zwei-, dreimal gefiel er mit sehr konkretem Zweikampfverhalten, aus dem Ballgewinne resultierten. Auf dem Weg nach vorne hatte er einige gute Ansätze, aber es unterliefen ihm auch mehrere Stockfehler. Da wirkte er unkonzentriert und abwesend. Netz hatte die große Chance auf den Führungstreffer, als ihm der Ball vor die Füße fiel, er aber offensichtlich zu überrascht war und die Kugel aus vier Metern unkontrolliert über den Kasten bugsierte. Vor dem zweiten Gegentor ließ er sich auf dem Flügel von Trimmel etwas sehr einfach verladen. Drei Minuten vor dem Ende machte er Platz für Scally. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Gab sein Comeback als ‘rechter Zehner’, war aber wie gewohnt sehr variabel unterwegs. Sorgte mit seinen Läufen in mehreren Situationen für die nötige Tiefe, u.a. hervorragend beim Ausgleichstreffer. Da lief Hofmann perfekt in den Raum um Embolo die Anspieloption zu bieten. Sein überlegter Flachpass in den Rückraum auf Koné brachte ihm einen Assist. Hofmanns Standards waren ausbaufähig, vor allem der zu flache Freistoß in die Mauer in der Anfangsphase war schlecht. Der 29-Jährige lief extrem viel und Mitte der zweiten Halbzeit war der Tank leer. Bei einem vielversprechenden Umschaltangriff fehlte ihm die Kraft durchzulaufen, als er den Ball einfach hoch in Richtung Embolo schlug. Direkt danach signalisierte er, dass eine Auswechslung vorbereitet werden sollte. Nach 79 Minuten war sein Comeback beendet - bis zu diesem Zeitpunkt war er bemerkenswerte 10,68 Kilometer gelaufen. Note 2,5.

Florian Neuhaus: Spielte links im offensiven Mittelfeld - oder je nach Auslegung als ‘Doppel-10’ mit Hofmann. Jedenfalls war Neuhaus aktiv und zeigte sich. So hatte er die erste echte Chance, als er am Sechzehner einen Gegner stark ins Leere rutschen ließ, dann aber mit rechts deutlich über das Tor schoss. Auch wenn Neuhaus nicht alles gelang, so hatte er doch im Zusammenspiel mit Koné und Hofmann einige Aktionen, die wirklich nach Fußball aussahen. In der stärksten Phase im zweiten Durchgang war Neuhaus sehr präsent, schob an und haute sich auch im Zweikampf ordentlich rein. Pech hatte er bei seinem Schuss im Strafraum in der 68. Minute, als Baumgartl den Ball zur Ecke blocken konnte. Note 3,0.

Breel Embolo: Seine Kernaufgabe als zentrale Spitze erfüllte der Schweizer nicht mal im Ansatz - er gab keinen einzigen Schuss aufs Tor ab. Dafür trat er immerhin als ‘Wandspieler’ in Erscheinung und legte mehrfach ansprechend ab oder drehte sich gut weg und setzte das Spiel fort. Ärgerlich, dass er in drei oder vier Situationen aufgrund technisch unsauberer Ballannahmen die Chance auf eine zielgerichtete Aktion verschluderte. Herausragend war Embolos Durchsetzungsvermögen vor dem Ausgleich, als er an der Außenlinie die Gegenspieler düpierte und das Auge für den durchgestarteten Hofmann hatte. In der zweiten Halbzeit war er immer mal wieder nah dran, kam aber nicht zum Abschluss. Nachdem er im Strafraum ‘wühlte’ hatte Neuhaus die gute Chance, die abgeblockt wurde und auch der Pass auf Ginter vor der Netz-Chance kam von Embolo. Note 3,5.

Patrick Herrmann (78. Minute für Hofmann): Löste Hofmann ab und blieb konsequent auf der rechten Seite. Dort mit einer Flanke, aber eben auch in der Defensive mit dem entscheidenden Aussetzer beim zweiten Gegentor. Er schlief und ließ Kruse entwischen. Auch wenn Herrmann kein gelernter Defensivspieler ist - das darf ihm so nicht passieren. Ohne Note.

Joe Scally (87. Minute für Netz): Sollte helfen, als am Ende die Brechstange ausgepackt wurde. Scally hängte sich rein und hatte immerhin noch neun Ballkontakte. Bewegen konnte er aber nichts mehr. Ohne Note.

Alassane Plea (87. Minute für Ginter): Kam als zusätzlicher Offensivspieler mit der Hoffnung auf den Lucky Punch, doch er hatte nur einen Ballkontakt und keinen Abschluss. Ohne Note.

 


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