Einwurf nach dem Debakel gegen Freiburg

Kollektiver Blackout in Folge totaler Selbstüberschätzung

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Und schon wieder ist er drin ... (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach erlebt gegen den SC Freiburg ein Debakel. Dieses 0:6 kam in seiner Wucht natürlich überraschend, doch keineswegs aus heiterem Himmel. Freiburg bestrafte einfach nur knallhart, dass sich die Gladbacher Spieler auf fatale Art und Weise selbst überschätzen.

Nein, nach diesem 0:6 gegen den SC Freiburg kann man in Mönchengladbach nicht zur Tagesordnung übergehen. Nach dem verlorenen Derby vor einer Woche gab es noch genügend Argumente, sich schützend vor die Mannschaft zu stellen und den unglücklichen Spielverlauf sowie einen individuellen Aussetzer als schlüssige Erklärung heranzuziehen. ‘Schmerzlich und vermeidbar, aber keine Katastrophe’, so lautete die Überschrift zum Einwurf nach der Niederlage in Köln. Eine Woche später ist dieser Katastrophenfall jedoch eingetreten.

Natürlich gibt es im Fußball immer wieder solche Spiele, wo eine Mannschaft auf dem falschen Fuß erwischt wird und dann nichts mehr geht. Vor einem solch plötzlichen Systemausfall ist selbst der große FC Bayern nicht gefeit, wie vor wenigen Wochen im Borussia-Park zu sehen war. Dass die Borussia nun an gleicher Stelle gegen Freiburg einen Blackout erleidet, ist jedoch nicht mit dem einmaligen Ausrutscher der Münchener zu vergleichen. Denn das Gladbacher Debakel gegen den SC war zwar in seiner Wucht überraschend, kam aber keineswegs aus heiterem Himmel. Freiburg nutzte lediglich sehr konsequent grundlegende Probleme dieser Gladbacher Mannschaft aus.

Mit dem Ausdruck eines in Zeitungspapier eingewickelten Fischs

Die Spieler verfügen über individuelle Qualität. Es sind charakterlich alles gute Typen. Sie können auch als Team funktionieren und richtig guten Fußball spielen. Das alles ist unzweifelhaft. Aber das gilt auch für die Feststellung, dass diese Spieler keine Mannschaft bilden (können?), die sich nachhaltig gegen Widerstände zur Wehr setzt. Es ist eine Mannschaft, die an guten Tagen jedes Top-Team herspielen kann, die sich aber ebenso von einem Gegner mit einfachen Grundtugenden auseinandernehmen lässt. In den Zeiten, als der Fußball noch nicht tot analysiert wurde, hätte man diese Mannschaft unter der Rubrik ‘Schönwetterfußballer’ einsortiert. Mit denen kannst du Spaß haben, aber am langen Ende wirst du mit ihnen nichts gewinnen. Weil ihnen als Team die Fähigkeit abgeht, sich gemeinsam zu wehren und durchzusetzen.

Das Debakel gegen Freiburg war ein kollektiver Blackout in Folge gnadenloser Selbstüberschätzung und sollte nun endgültig klar gemacht haben, dass man sich nicht mehr weiter in die Tasche lügen darf. Es hat zuletzt unter Adi Hütter zwar löbliche Ansätze gegeben, als Stabilität und Körperlichkeit zugenommen haben, aber zu viele Spieler verfallen zu schnell wieder in Selbstzufriedenheit und alte Muster. Als Beispiel - ohne hier jemanden zum Sündenbock stempeln zu wollen - sei die Körpersprache der Innenverteidiger Ginter und Elvedi genannt. Zwei gestandene Nationalspieler, die hilflos mit ansehen, wie um sie herum in ihrem Hoheitsgebiet alles zusammenbricht. Wenn sie wenigstens aus Frust mal einen ‘weggeflext’ hätten. Aber sie blickten mit dem Ausdruck eines in Zeitungspapier eingewickelten Fischs in die Runde, als ginge sie das alles nichts an.

Höchste Zeit für einen Reset in Mönchengladbach

Es wird höchste Zeit für einen Reset in Mönchengladbach. Kurzfristig heißt das, dass Adi Hütter ab sofort ohne Rücksicht auf Namen, Befindlichkeiten oder der ‘fußballerischen Philosophie’ des Vereins an die Sache herangehen muss. Hütter hat bei seinen früheren Stationen gezeigt, dass er in der Lage ist, auch mit unkonventionellen Mitteln bei ähnlich unausgewogen zusammengestellten Kadern Erfolg zu haben. Borussia braucht Punkte, egal wie. Die fruchtlose Schönspielerei ist nicht zielführend. Perspektivisch bedeutet es, dass ein personeller Umbruch, bei dem auch faule Äpfel aussortiert werden müssen, unvermeidlich ist und schon im Winter angestoßen werden sollte. Trotz aller finanziellen Engpässe, die durch Corona und die geringeren TV-Gelder entstanden sind und weiter entstehen. Das wird alles andere als eine einfache Aufgabe, aber der müssen sich Max Eberl und sein Team stellen. Ganz dringend.

 


von Marc Basten

 

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