Einwurf nach dem Derby

Schmerzlich und vermeidbar, aber keine Katastrophe

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Florian Neuhaus muss die Derbyniederlage zu einem Großteil auf seine Kappe nehmen (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach hat das Derby verloren. Mit 1:4. Die Fakten sind eindeutig und da gibt es nichts schön zu reden. Dennoch muss man differenzieren, weil Leistung und Einstellung keinesfalls so katastrophal waren, wie es das Ergebnis ausdrückt.

Über die Bedeutung des Derbys wurde in den letzten Tagen allerorten ausgiebig gesprochen und natürlich weiß jeder um die Rivalität der Borussen mit den Kölnern. Von daher ist eine Derbyniederlage grundsätzlich besonders bitter, zumal so ein 1:4 auch noch eine Menge Häme mit sich bringt, welche die Borussenfans in den nächsten Tagen nicht nur von FC-Anhängern über sich ergehen lassen müssen. Aber es gehört halt dazu und letztlich muss man als Gladbacher auch die Größe haben anzuerkennen, wenn der Gegner besser war. Selbst wenn es der 1.FC Köln ist.

Wobei der FC gar nicht so viel besser war - und schon mal gar nicht in der Deutlichkeit, die das Resultat suggeriert. Lässt man das ganze Drumherum mit der Derby-Folklore mal weg und betrachtet das reine Fußballspiel an diesem kalten Nachmittag in Müngersdorf, so ist der Kölner Sieg gewiss um zwei Tore zu hoch ausgefallen. Dass die Domstädter den Sieg am Ende verdient hatten, weil sie ihn in letzter Konsequenz mehr wollten, ist allerdings unzweifelhaft. Dafür spricht auch die Statistik, wenn man sich Lauf- und Sprintwerte anschaut. Die sagen zwar nichts über die Qualität einer Fußballmannschaft aus, aber die wirklich bemerkenswerten Unterschiede sprechen eine deutliche Sprache: Köln hat mehr investiert und wurde dafür belohnt.

Neuhaus Fauxpas erweckt Köln und schockt Gladbach

Doch anders als im Frühjahr, als die Gladbacher das Derby gegen einen indisponierten Abstiegskandidaten überheblich verdaddelten, lag es diesmal nicht an der falschen Ein- oder Aufstellung. Die Borussen waren in der Anfangsphase deutlich besser, ehe der FC aufkam und sich schließlich das erwartete Match auf Augenhöhe entwickelte. Phasenweise fehlte den Gladbachern zwar die Zielstrebigkeit, was aber auch in anderen Spielen regelmäßig zu beobachten ist. Doch die Borussen waren bis eine Viertelstunde vor Schluss dran - und der Ausgleich durch Hofmann war folgerichtig und verdient. In diesem Moment sprach alles für den nächsten planmäßigen Derbysieg der Fohlenelf, denn die Kölner wirkten sichtlich angeknackst.

Doch dann unterlief Florian Neuhaus dieser folgenschwere Fauxpas. Sehr oft ist es im Fußball mehr als ungerecht und unpassend, eine Niederlage an einer Szene aufzuhängen und einen Spieler als den Schuldigen an den Pranger zu stellen. In diesem Fall muss man aber auch in aller Sachlichkeit konstatieren, dass diese Aktion das Spiel entschieden hat. Der ganze Bewegungsablauf von Neuhaus, der letztlich in diesem unsäglichen Querpass zu Uth mündete, war einfach nur schrecklich. Dieses Tor erweckte die Kölner und schockte die Gladbacher. Gleichwohl ist es nicht die Schuld von Neuhaus, dass die Borussen danach kollektiv abgeschaltet haben. Dass es unter Baumgart ein Kölner Stilmittel ist, unmittelbar nach einem eigenen Treffer die Euphorie nutzen wollen und aufzudrehen, sollte sich bis nach Mönchengladbach herumgesprochen haben. Doch statt sich konzentriert neu zu sortieren, schenkte man dem FC direkt das dritte Tor und besiegelte damit die Derbyniederlage.

Ein Derby zum Vergessen

Nach hinten raus wurde es dann richtig bitter, so dass an diesem Nachmittag durchaus etwas mehr verloren gegangen sein könnte, als ‘nur’ ein Derby. Ob das so ist, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass bei den Borussen einiges unter der Rubrik ‘dumm gelaufen’ abgelegt werden muss. Das Spielglück fehlte - zwei Aluminiumtreffer stehen zu Buche, beim möglichen Anschlusstor kurz vor Schluss stand Plea hauchdünn im Abseits. Dass bei den Toren von Uth und Andersson jeweils auch das Torgestänge involviert war, der Ball aber im Netz landete, war ebenfalls unglücklich. Genauso wie die Wechsel von Adi Hütter. Auch wenn Koné wahrlich nicht seinen besten Tag hatte, so war Neuhaus nicht nur wegen des Aussetzers in diesem physisch geprägten Spiel ein Fehlgriff. Auch Thurams Einwechslung verpuffte - er brachte weder Gefahr nach vorne, noch war er in der Defensivarbeit so präsent wie Stindl.

Unter dem Strich war es ein Derby zum Vergessen und man muss sich ganz gewiss noch ein paar Tage berechtigt über diese Niederlage ärgern. Sie zu einer Katastrophe hochjazzen, so wie es an einigen Stellen gemacht wird, ist aber übertrieben. Vielmehr ist es ein Punch auf die Nase aller Borussen, die sich etwas voreilig ein wenig zurückgelehnt und gedacht haben, nach dem Bayern-Triumph und den letzten recht erfreulichen Ergebnissen wäre der Weg nach Europa automatisch geebnet. Borussia bleibt auch Ende November ein sehr instabiles Gebilde und es kommt nicht von ungefähr, dass man im Moment punktgleich mit dem 1.FC Köln im tabellarischen Niemandsland festhängt.

 


von Marc Basten

 

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