Einzelkritik 7. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 5:1 (4:0)

Gipfelsturm dank eines stürmischen Starts

von Einzelkritik 7. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 5:1 (4:0)

Ramy Bensebaini und der überragende Laszlo Bénes (Foto: ina Fassbender / AFP / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach sorgte gegen Augsburg mit einem stürmischen Start früh für klare Verhältnisse. Ein idealer Spielverlauf nach den Reisestrapazen unter der Woche, der durch die Verletzungen von Ginter und Lainer jedoch teuer bezahlt wurde.

Yann Sommer: Hatte wenig zu tun, weil Borussia das Spiel klar dominierte. Als sich die Augsburger im ersten Durchgang mal meldeten, bereinigten seine Vorderleute die Gefahr. Kurz vor dem Pausenpfiff musste er gegen den heranstürmenden Ex-Kollegen Andre Hahn eingreifen und irritierte diesen so, dass der Schuss über das Tor flog. Dabei berührte er Hahn zwar, doch die Überprüfung durch den VAR bestätigte den ersten Eindruck des Schiedsrichters, dass es kein Elfmeter war. Zum ersten Mal richtig Arbeit hatte Sommer, als er gegen Niederlechner mit seiner Hand noch am Ball war, bevor dieser an den Pfosten trudelte. Den glitschigen Distanzschuss von Jensen parierte er gut, konnte den Ball aber nicht weit genug zur Seite abwehren, so dass der Rebound zum Ehrentreffer für Augsburg führte. Note 2,0.

Stefan Lainer: Machte eine solide Partie auf der rechten Seite, stellte gut zu und sprintete einige Male in bekannter Manier mit nach vorne. Richtig auffällig war der Österreicher diesmal nicht – eine gute Rettungstat und eine Abnahme im Anschluss an eine Standardsituation, die neben dem Tor landete, blieben haften. Ansonsten wurde er auch defensiv kaum gefordert, bis er nach einer Stunde im Laufduell mit Vargas in Höhe der Grundlinie mit dem linken Fuß umknickte und ausgewechselt werden musste. Die Diagnose: Kapselbandriss im Sprunggelenk. Note 3,0.

Matthias Ginter: Ein beherzter und bissiger Auftritt des Abwehrchefs. Mit letztem Einsatz blockte er in der Anfangsphase einen Hahn-Schuss, der möglicherweise zum Anschlusstreffer geführt hätte. Seine Grätsche brachte den Ballbesitz vor dem 3:0, ein Verlagerungspass auf Bensebaini war stark. Im Zweikampf robust und kompromisslos, im Luftkampf absolut herrschend. Vorne streifte Ginter eine Bénes-Ecke mit dem Kopf - das war eine gute Gelegenheit. Beim Konter der Augsburger versuchte er mit einer fliegenden Grätsche Niederlechner zu stören, der ihm dabei unabsichtlich auf die Schulter fiel. Mit einer Schulterluxation mit Kapselbandverletzung musste Ginter nach rund 75 Minuten vom Platz. Note 2,5.

Tony Jantschke: Rückte für Nico Elevdi in die Startelf und machte ein grundsolides Spiel. Er klärte gegen Niederlechner beim Stand von 1:0 zur Ecke, als er noch den Fuß dazwischen hatte. Mit dem Wegspitzeln des Balles stand er an der Basis der großen Chance für Bensebaini. Ein Pass landete im Seitenaus, ansonsten spielte Jantschke unaufgeregte und seriöse Bälle. In der letzten halben Stunde, als Elvedi für Lainer kam, rückte er auf die rechte Seite. Dort eher zurückhaltend, aber höchst zuverlässig. Nach hinten heraus verhinderte Jantschke noch einen zweiten Gästetreffer. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Sehr aktiv in der Startphase und vor dem 2:0 schickte er Plea mit einem schönen Pass hinter den Augsburger Rechtsverteidiger auf die Reise. Bensebaini hatte die Riesengelegenheit zum 3:0, als er hervorragend in die Mitte sprintete um das Anspiel von Bénes zu verwerten – doch Augsburgs Keeper war zur Stelle. Das Tempo des Algeriers ist sehr ordentlich, richtig stark sind seine Ballannahmen. Auch wenn er unter Druck gesetzt wurde, geriet er nicht in Panik und suchte die spielerische Lösung mit Bedacht. In den letzten 10 Minuten, nachdem Ginter rausmusste, rückte er in die Innenverteidigung. Note 2,5.

Christoph Kramer: Wieder als Sechser neben Zakaria aufgeboten und es macht den Eindruck, als ob Kramer sich dort besser zurechtfindet, als auf der Acht in einer Raute. Jedenfalls war er direkt im Spiel, seine Balleroberung leitete den Angriff zum 1:0 ein. Er hielt Zakaria bei dessen Vorstößen den Rücken frei, sammelte fleißig Bälle ein und verteilte diese. Die Statistik weist ihn als laufstärksten Akteur auf dem Platz aus. Kramer setzte auch spielerische Akzente, ohne sich zu sehr zu verheddern. Sein Chippass auf Thuram war stark. Als Ginter behandelt wurde, mimte er den Innenverteidiger. Mit einem Fehlpass leitete er das Gegentor ein und nachdem Sommer den Distanzschuss abgewehrt hatte, reagierte Kramer zu spät, um den Rebound zu verhindern. Note 3,0.

Denis Zakaria: Startete wie aufgedreht und legte mit einer super Ballereroberung mit anschließendem Slalom noch vor dem 1:0 los. Dann belohnte er sich mit dem Führungstreffer, wo wirklich alles passte. Das war so präzise, schnell und knapp, dass kein Torwart der Welt das hätte verfolgen können. Zakaria eroberte mit seiner unnachahmlichen Art mehrfach den Ball und erntete berechtigt Szenenapplaus. Durch die Absicherung von Kramer konnte er sich öfter einschalten und lief mehrfach wie eine Gazelle durch die Augsburger Reihen – das war Spielfreude pur. Fast wäre ihm das 5:0 gelungen, doch sein Schuss wurde auf der Linie geklärt. Note 1,5.

Laszlo Bénes: Machte ein überragendes Spiel und war der Schlüsselspieler des Tages. Die Maßnahme, Bénes zentral mit allen Freiheiten loszulassen, war perfekt. Die Augsburger bekamen den Slowaken nicht in den Griff, der nahezu an allen - und das waren viele – gefährlichen Angriffen ursächlich beteiligt war. Er schickte Thuram, spielte Bensebaini mustergültig an und vor dem dritten Treffer konnte man genau sehen, weshalb seine Spielweise so wichtig ist: Sein Direktspiel brachte den entscheidenden Impuls für den flüssigen Angriff. Alles, worüber wir uns bei Cuisance ärgerten, lässt Bénes sein. Er spielt schnörkellose, klare Bälle und die meistens direkt. Die Situation zu erkennen und einfache Direktpässe spielen zu können, zeugt von Technik und Qualität. Das Sahnehäubchen war der Traumpass auf Herrmann vor dem 5:1. Dazu ist Bénes defensiv noch bockstark – er erobert Bälle und stört, ohne überdreht zu wirken. Klasse auch sein Freistoß, den der Torwart bravourös zur Ecke lenkte. Nach der Pause hätte Bénes durchaus einen Elfmeter bekommen können, als er im Strafraum zu Fall kam. Note 1,0.

Patrick Herrmann: Vor der Partie wurde er nachträglich für sein 300. Pflichtspiel als Borusse geehrt und in der Anfangsviertelstunde wirbelte Herrmann wie zu seinen besten Zeiten. Er war schnell, durchsetzungsstark, zielstrebig und cool im Abschluss. Beide Tore erzielte er trocken und ohne Kompromisse. Im weiteren Verlauf sehr fleißig und mit guten Umschaltmomenten – einmal wurde er dabei von Khedira grob gefoult. Nach der Pause, als Lainer behandelt wurde, übernahm er dessen Position. Vorne tauschte er auch kurz die Seite mit Thuram. Mit dem überlegten Assist auf Embolo zum 5:1 krönte Herrmann seinen engagierten Auftritt. Kurz darauf startete er noch ein starkes Solo, was er am Ende erschöpft abbrechen musste. Dass er dennoch Standing Ovations erhielt, spricht für sich. Note 1,5.

Alassane Plea: Spielte trotz seiner Fußbeschwerden aus dem Spiel bei Başakşehir von Beginn an. Mit viel Übersicht bediente er Herrmann vor dem 2:0 von der linken Seite, kurz darauf legte er für Herrmanns zweiten Treffer mit einem sehenswerten Pass aus der Drehung auf. Auch Plea sprühte in der entfesselten Anfangsphase vor Spielfreude. Später war er hellwach, als Koubek patzte und er das Geschenk konsequent zum 4:0 nutzte. Nach der Pause baute er etwas ab und wurde, auch weil sich die Blessur aus dem Spiel vom Donnerstag bemerkbar machte, nach 53 Minuten für Embolo ausgewechselt. Note 2,5.

Marcus Thuram: War mit seinem klasse Lauf in die Tiefe vor dem 1:0 der frühe Türöffner. Sein Assist auf Zakaria war auch gut, vor allem aber imponierte die Art und Weise, wie leicht er zuvor am Gegenspieler vorbeizog. Danach hatte der Franzose noch einige ansprechende Szenen, bei denen er seine Wucht und Körperlichkeit zur Geltung bringen konnte. Man sieht deutlich, dass das Spielverständnis zunimmt, selbst wenn er in zwei, drei Situationen noch mit dem Kopf durch die Wand wollte, anstatt abzuspielen. Note 3,0.

Breel Embolo: Ersetzte nach einer Stunde den angeschlagenen Plea und übernahm dessen Position vorne drin. Die Partie war natürlich schon gelaufen, nahm zum Ende hin aber noch mal Fahrt auf. Embolo tankte sich einmal stark durch und legte zurück auf Zakaria, dessen Schuss vor der Linie geblockt wurde. Alsdann sorgte Embolo für den Schlusspunkt, als er nach Herrmann-Zuspiel trocken zum 5:1 abrundete. Ohne Note.

Nico Elvedi: Kam für den verletzten Lainer, positionierte sich aber in der Innenverteidigung, während Jantschke auf die rechte Seite rückte. Elvedi machte hinten unaufgeregt seinen Job und wurschtelte sich einmal auf dem Weg nach vorne durch. Ohne Note.

Oscar Wendt: Wurde für den verletzten Ginter eingewechselt und spielte auf der linken Seite, während Bensebaini nach innen rückte. Wendt löste die Pflichtaufgabe mit fünf Ballkontakten, ohne Fehlpass und ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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