Borussia will gegen Juve den ersten Sieg

»Wir sind auch nicht so ganz verkehrt«

von von Marc Basten und Nadine Basten
Andre Schubert auf der PK am Montag (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Andre Schubert auf der PK am Montag (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Es ist wieder angerichtet im Borussia-Park: Das zweite Heimspiel in der Champions League steht an. Zu Gast ist Juventus Turin. Für Borussia geht es darum, die ›Alte Dame‹ in die Knie zu zwingen, um sich die Möglichkeit auf ein Überwintern in Europa zu erhalten.

Der Borussia-Park hat sich wieder herausgeputzt - der nächste Feiertag in der Königsklasse wartet. Die Vorfreude auf das Rückspiel gegen Juve ist an allen Ecken und Enden spürbar. Die vielen Siege in der Liga sorgen für gute Laune und eine ganz breite Brust. Da kann auch der letztjährige Champions-League-Finalist nicht für schlotternde Knie bei den Gladbachern sorgen.

»Juve ist eine sehr gute Mannschaft, die in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen ist«, sagte Borussias Trainer André Schubert am frühen Montagabend auf der Pressekonferenz. »Letztendlich ist es aber nicht so entscheidend, was in den vergangenen Jahren war, weil es wenig Einfluss auf das Spiel morgen hat«.

»Es geht darum, dass sich zwei sehr gute Mannschaften gegenüberstehen. Wir sind auch nicht so ganz verkehrt«, so Schubert weiter. »Wir versuchen den Gegner vor Aufgaben zu stellen und wollen das Spiel gerne gewinnen«. Respekt vor der Qualität der Italiener, bei denen Sami Khedira ausfällt, habe man schon, unterstrich Schubert. »Das wird für uns eine große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Da müssen wir die Idee haben und die haben wir«.

Ob es die richtige Idee ist, werde sich »morgen rausstellen«. Jedenfalls wollen die Gladbacher offensiv mutiger auftreten, als vor zwei Wochen im Juventus Stadium. »Wir haben dort sehr gut verteidigt, aber nach vorne nicht so gut gespielt, wie wir das in der Bundesliga machen«, erklärte Ibrahima Traoré. »Jetzt spielen wir zuhause, vor unseren Fans. Und wir müssen dieses Spiel gewinnen, wir brauchen diese drei Punkte, um weiter an die Qualifikation zu glauben. Deshalb werden wir ganz anders auftreten, mit viel Mut«.

Traoré ist mit seinen unberechenbaren Antritten prädestiniert für das Gladbacher Offensivspiel, welches unter Schubert deutlich an Intensität zugelegt hat. »Wir attackieren mit der gesamten Mannschaft früher und stehen deutlich höher«, erläuterte Schubert. »Was uns gefährlicher macht, sind die Läufe und die Präsenz im Strafraum. Du kannst nur gefährlich werden, wenn du da präsent bist. Du brauchst drei, vier oder fünf Spieler im gegnerischen Sechzehner«.

Diese Ausrichtung erfordert gleichzeitig eine enorme Laufbereitschaft im defensiven Umschaltspiel. Favre hatte hierauf immer größten Wert gelegt, nun sind die Wege für einige Akteure deutlich weiter. »Ich habe immer gedacht, ich wäre Offensivspieler und die müssen nicht verteidigen«, sagte Traoré. »Das war ein Punkt, wo ich ein bisschen Schwierigkeiten gehabt habe, vor allem unter Favre. Ich muss auch defensiv gut mitarbeiten für die Mannschaft und im Moment läuft das ganz gut. Trotzdem verteidige ich nicht gerne«.

Der Aufwand ist für die Spieler enorm, gerade jetzt in den englischen Wochen. »Es kostet schon sehr viel Kraft«, bestätigte Traoré. »Ich bin manchmal müde, aber möchte natürlich jedes Spiel spielen. Wenn guter Fußball gespielt wird, dann will man auch dabei sein«. Die Erfolgsserie verleiht im wahrsten Sinne des Wortes Flügel und hilft dabei, die hohe Belastung zu verdrängen.

Mit Magie hat es jedenfalls nichts zu tun, dass Borussia aktuell so auftrumpft. Ein italienischer Journalist sprach davon, dass Schubert eine Art Harry Potter sein müsse. »Ich habe zwar eine kleine Kindheitsnarbe, aber sonst bin ich nicht mit einer Narbe auf der Stirn gezeichnet«, lachte Schubert. »Wir haben keinen Zauberstab und auch keine Zaubersprüche. Was wir machen, ist Fußball und da kennen wir uns ganz gut aus. Wir arbeiten jeden Tag konzentriert und glücklicherweise habe ich ein paar Zauberer wie Ibra, die auf dem Platz das erledigen, was wir erarbeitet haben. Wir haben eine gemeinsame Idee entwickelt und werden versuchen, diese umzusetzen. Gezaubert wird morgen auf dem Platz«.

Die gute Laune bei den Borussen wirkt ansteckend. »Du musst dir den Spaß am Fußball immer erhalten«, sagte Schubert. »Es gibt sicherlich auch mal ernste Phasen zu überstehen, dennoch darfst du nicht an dir zweifeln und den Spaß verlieren. Die Mannschaft bekommt es sehr gut hin, konzentriert zu arbeiten, aber auch Spaß zu haben. Deswegen ist es auch sehr wichtig, dass Spieler wie Ibra für eine sehr gute Stimmung auf und neben dem Platz sorgen. Das ist nicht zu unterschätzen, das ist ein sehr wichtiger Faktor bei uns«.

Die Gefahr, dass vielleicht die Ernsthaftigkeit auf der Strecke bleibt, sieht Schubert nicht. »Solange die Konzentration nicht leidet - und man sieht auf dem Platz, dass die Mannschaft sehr konzentriert ist - haben wir diesen Spaß, auch bei den Spielen«.

Damit es gegen Juve (Anstoß 20.45 Uhr) eine Spaßveranstaltung wird, müssen die Fohlen alles in die Waagschale werfen. Personell wird sich gegenüber dem Auftritt im Berliner Olympiastadion am Samstag wahrscheinlich nichts verändern. Tony Jantschke befindet sich im Aufbautraining und bei Julian Korb (Pferdekuss) ist noch nicht sicher, ob er einsatzfähig ist. Daher wird wohl wieder Håvard Nordtveit als Rechtsverteidiger beginnen.

Gänsehaut wird garantiert sein, wenn im restlos ausverkauften Borussia-Park die Hymne erklingt. Und vielleicht wird die zauberhafte Erfolgsgeschichte morgen um ein Kapitel ergänzt: Den ersten Sieg in der Champions-League. Die Gelegenheit, soviel steht fest, ist so schlecht nicht.

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