Max Eberl bemängelt die fehlende Konsequenz

»Wir müssen uns so richtig ärgern«

Created by von Marc Basten, Jan van Leeuwen und Fabian Kirchhofer
Hängende Köpfe (Foto: Dirk Päffgen)

Hängende Köpfe (Foto: Dirk Päffgen)

Das war eine Dienstreise zum Vergessen für Borussia Mönchengladbach. Bei tristem Hamburger ›Schietwetter‹ setzte es eine komplett unnötige Niederlage. Am Ende waren alle ratlos und bedient. Wie konnte das nur passieren?

Eigentlich lief alles wie gemalt für die Gladbacher Borussen im Volksparkstadion. Die Fohlenelf war direkt im Spiel, beherrschte Ball und Gegner mit einer großen Selbstverständlichkeit. Die Folge war der frühe Führungstreffer durch Fabian Johnson (14.). »Wir hatten viel Ballkontrolle, haben wenig Fehler gemacht - besser hätte es nicht laufen können«, sagte Lars Stindl anschließend.

»Wir haben das Spiel total kontrolliert«, ergänzte André Schubert. Doch seine Mannschaft gab diese Kontrolle nach und nach ab. »Wir wurden viel zu leichtsinnig, haben die Spannung verloren und waren nicht mehr so konzentriert und konsequent. Dann haben wir das Spiel hergeschenkt und den Faden verloren«.

»Die Mannschaft, die sich vorher viel zu sicher war, war auf einmal verunsichert. Und die andere Mannschaft, die eigentlich noch gar nicht im Spiel drin war, hat plötzlich Mut bekommen«, so Schubert weiter. »Wir haben es verpasst, einen angeschlagenen Gegner richtig zu packen und nachzulegen«, sagte Max Eberl.

Der Sportdirektor war sichtlich angefressenen ob der verschenkten Punkte. »Es ist extrem ärgerlich. Bei uns hat die Konsequenz hinten und vorne gefehlt. Wir haben im Anschluss an die Führung nach dem Motto gespielt, ›wir werden das Spiel schon so gewinnen‹. Dabei hatten wir den Gegner so weit und wir müssen uns heute richtig ärgern. Nicht der HSV hat das Spiel gewonnen, sondern wir haben es verloren«.

Nach der guten Anfangsphase fing es mit einem haarsträubenden Ballverlust von Xhaka an, den Holtby noch verdaddelte. Dann trat Dahoud beim Klärungsversuch nach einer Ecke ein Luftloch, Hinteregger bugsierte den Ball aufs eigene Tor und Sommer lenkte ihn noch um den zur Klärung bereitstehenden Stindl herum ins Eck. »Das war Slapstick«, sagte Stindl mit einem Kopfschütteln.

Doch das Tor war irgendwie typisch für die Borussen an diesem Nachmittag. »Wir haben uns einlullen lassen«, sagte Stindl. »So verliert man gegen so einen Gegner das Spiel«. Auch beim zweiten Hamburger Tor verteilten die Borussen Geschenke, wieder war Martin Hinteregger ursächlich beteiligt. Der Österreicher ließ einen langen Ball von Adler passieren. »Er rutscht ihm durch«, schilderte Oscar Wendt die Szene. »Ich versuche noch heranzukommen, schaffe es aber nicht mehr«. Rudnevs traf punktgenau ins Eck, der HSV hatte das Spiel gedreht und wusste nicht, wieso und weshalb.

»Schade, dass wir den Gegner durch Kleinigkeiten aufbauen«, meinte Yann Sommer. »Wenn wir eine Spitzenmannschaft sein wollen, darf uns das nicht passieren. Uns fehlt definitiv die Konstanz«.

»Natürlich muss man solche Spiele gewinnen, wenn man ganz oben dabei sein will«, bestätigte Lars Stindl. Die Borussen bekamen zwar im Verlauf der zweiten Halbzeit nach einigen Umstellungen wieder mehr Zugriff auf das Geschehen, doch eine schlecht ausverteidigte Ecke ermöglichte dem HSV zehn Minuten vor Schluss den vorentscheidenden Treffer zum 3:1.

Am Ende stellten die Borussen durch Raffael zwar nochmal den Anschluss her, doch der ›Lucky Punch‹ in der Nachspielzeit blieb aus. »Wille und Moral waren da«, sagte Max Eberl. »Aber es hat die Konsequenz gefehlt«. Und so schlichen die Borussen am Ende bei original Hamburger ›Schietwetter‹ bedröppelt und frustriert aus dem Volksparkstadion. Selten war eine Niederlage so überflüssig wie an diesem Sonntag im Februar.

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