Nachdreher aus der Schalker Arena

»Wir haben die Tür geöffnet, dass wir etwas Großes erreichen können«

von Nachdreher aus der Schalker Arena

Mit grimmiger Entschlossenheit - Dieter Hecking will vorbauen, damit niemand nachlässt (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach gewinnt verdient das Auswärtsspiel bei Schalke 04. Trotz des Höhenflugs gehen sowohl Spieler als auch Trainer mit der Situation betont sachlich um. Dieter Hecking hält die Leine kurz.

Einmal wurde es in der Schalker Arena richtig laut. Daniel Caligiuri hatte einen Freistoß geschossen, der zwar das Tor verfehlte, aber das Außennetz touchierte. Viele Zuschauer jubelten verfrüht und auch die Stadionregie legte einen Schnellschuss hin und spielte den Torjingle ein. »Das hat mich schon gewundert«, sagte Matthias Ginter später. »Aus meiner Sicht flog der Ball einen dicken Meter vorbei. Aber da hatten sie zumindest mal eine Tormusik ...«

Musik war ansonsten wenig drin im Schalker Spiel. »Wir waren schon in der ersten Halbzeit sehr souverän und haben keinen Druck auf unser Tor aufkommen lassen«, sagte Dieter Hecking im Anschluss. Bereits frühzeitig hätten die Borussen für klare Verhältnisse sorgen können. »In der Phase hatten wir zwei richtig klasse Angriffe, wo wir mit ein bisschen mehr Entschlossenheit das Tor machen müssen«. Nach einem tollen Spielzug touchierte ein Stindl-Kracher die Latte, kurz darauf scheiterte Zakaria alleine vor Nübel.

Nur um die 35 Minute herum ließen die Borussen die Zügel ein wenig zu locker. »Da haben wir die Bälle nicht festgemacht und den Schalkern Kontersituationen gegeben«, sagte Hecking. »Das hat mich geärgert.« Ginter und Strobl sahen Gelbe Karten für notwendige Fouls. »Beide haben richtig entschieden, das Foul zu nehmen«, so Hecking. »Es hätte sonst Schlimmeres passieren können. Aber mit der Phase war ich nicht einverstanden, da hätte das Spiel kippen können.«

»Im Moment macht es null Sinn, über irgendetwas zu philosophieren«

Im Anschluss an eine Schalker Halbchance kurz nach dem Seitenwechsel übernahmen die Borussen wieder vollends die Kontrolle. »Da haben wir es wieder souveräner hinbekommen, über ein gutes Positionsspiel den Ball laufen und keinen Druck aufkommen lassen«, sagte Hecking. »Nach dem Platzverweis haben wir gemerkt, dass die Chance da ist und wir nachlegen müssen.« Das machte die Mannschaft mit viel Geduld gegen sich nun nahezu komplett verschanzende Schalker. »Wir hatten sehr viele gute Ballstafetten dabei und haben den Gegner immer wieder gezwungen, viel zu laufen. Irgendwann ist die Lücke dann da.«

Der eingewechselte Christoph Kramer sorgte für den erlösenden Führungstreffer, Florian Neuhaus machte nach der ›61-Stationen-Kombination‹ (Hecking: »Ein überragendes Tor«) den Deckel drauf. Letztlich war es ein richtig abgeklärter Auftritt der Fohlen, die sich auch anschließend weder vom Schalker Wehklagen hinsichtlich des Freistoßes vor dem Platzverweis, noch von einigen sehr speziellen Analysen der Blau-Weißen Protagonisten irritieren ließen.

Vielmehr mussten sich Hecking & Co im Nachlauf der Partie der veränderten Tabellensituation stellen. Durch die Niederlage der Bayern sind die Borussen auf Platz 2 geklettert und damit jetzt erster ›Dortmund-Jäger‹. Was natürlich gleich Fragen nach einer möglichen Meisterschaft für Gladbach nach sich zog. Dieter Hecking ließ das alles ähnlich souverän an sich abprallen, wie seine Mannen zuvor die Bemühungen der Schalker Spieler. »Im Moment macht es null Sinn, über irgendetwas zu philosophieren«, stellte der 54-Jährige klar.

»Sollen wir uns jetzt zurücklehnen und jubeln? Nein!«

Allein der Blick auf die nächsten vier Spiele mit Hertha, Frankfurt, Wolfsburg und Bayern verbietet jegliche Träumereien. Da kann sich alles ganz schnell ändern. Von daher unterstrich Hecking nochmals, dass man sich weiter nur auf das nächste Spiel konzentrieren werde. »Ab Dienstag zählt nur noch Hertha«.

Damit niemand aus der Mannschaft den tollen Rückrundenstart falsch interpretiert, gab es auch keine ›Belohnung‹ in Form zweier freier Tage. »Wenn ich jetzt zwei Tage frei gebe, dann kommen sie am Dienstag gemütlich an und du brauchst zwei Tage, bis du sie geweckt hast. Und dann bist du vielleicht am Samstag nicht so fokussiert, wie wir es brauchen, um Berlin zu schlagen.«

Hecking will die Sinne aller Beteiligten weiter schärfen. »Sollen wir uns jetzt zurücklehnen und jubeln? Nein! Wir können jetzt nicht nachlassen. Wir haben die Tür geöffnet, dass wir etwas Großes erreichen können. Jetzt müssen wir dranbleiben.« Hört sich nach einem richtig guten Plan an ...

 


von Marc Basten und Jan van Leeuwen

 

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