Nachdreher aus dem Westfalenstadion

»Wir brauchen nicht lange Trübsal zu blasen«

von Nachdreher aus dem Westfalenstadion

Die Gladbacher Borussen verabschieden sich nach der Niederlage in Dortmund erhobenen Hauptes von den Fans (Foto: Patrik Stollarz / AFP / Getty Images)

Die Bescherung blieb drei Tage vor Heiligabend für Borussia Mönchengladbach in Dortmund aus - im positiven, wie im negativen Sinne. Am Ende verließen die Gladbacher das Westfalenstadion ohne Punkte, aber erhobenen Hauptes.

Im Vorfeld der Partie des Tabellenführers gegen den Zweiten kochte in der öffentlichen Betrachtungsweise eine Erwartung hoch, die beide Teams in den 90 Minuten nicht rechtfertigen konnten. »Es ist nicht das rassige Spiel gewesen, was wir uns erwartet haben«, gab Dieter Hecking anschließend zu. »Es war wie ein Schachspiel - jeder hat auf den Fehler des anderen gewartet.«

Die Gladbacher Borussen agierten erwartet kompakt und organisiert, aber auch Lucien Favre hatte seiner Mannschaft einen ganz klaren Auftrag mit auf den Weg gegeben: »Wir wollten keinen Konter kriegen, weil wir wissen, wie gefährlich Gladbach bei Balleroberungen ist. Unsere Ballverluste haben wir durch ein Top-Gegenpressing sofort gestoppt.«

»Dortmund war heute einfach die bessere Mannschaft«

Dieser Umstand führte dazu, dass die Fohlenelf nicht so richtig in Tritt kam. Die wenigen Räume, welche die Gastgeber durch einige Stellungsfehler öffneten, bespielten die Gladbacher nur unzureichend. Sehr oft war schon die erste Ballannahme nicht sauber, so dass die Dortmunder direkt zur Stelle waren, um die Gefahr im Keim zu ersticken. »Dann entscheiden eben auf diesem Niveau die kleinen Fehler«, sagte Hecking.

Von diesen leistete sich seine Borussia in Summe zu viele, um den BVB wirklich ernsthaft zu gefährden. »Dortmund war heute einfach die bessere Mannschaft, das muss man anerkennen«, so Hecking. »Das können wir auch, weil wir wissen, was wir für Möglichkeiten haben. Die sind schon wirklich gut, aber auf diesem Topniveau wo wir uns dann hinbewegen Richtung Dortmund, sind das genau diese Unterschiede. Die hat man heute gesehen, das muss man akzeptieren. Wir wissen, woran wir zu arbeiten haben.«

Ein Titelkandidat ist Borussia Mönchengladbach nicht, doch für diese Schlussfolgerung brauchte es nicht die Eindrücke aus der Partie in Dortmund. Viel wichtiger war die Erkenntnis, dass die Mannschaft trotz einer neuformierten Innenverteidigung und einem halbfitten Sechser gegen die momentan beste Mannschaft Deutschlands über 90 Minuten stabil blieb und man letztlich über Details sprechen kann, aber grundsätzlich nichts infrage stellen muss. Das war bei vielen Gelegenheiten im Westfalenstadion in den letzten Jahren anders.

Favre: »Natürlich, ich glaube, Gladbach wird sicher da sein«

Von daher konnte Dieter Hecking berechtigterweise einen zufriedenen Schlussstrich unter die erste Saisonhälfte ziehen. »Wir haben eine klasse Vorrunde gespielt, auch wenn die heute leider nicht mit einem Punktgewinn in Dortmund geendet hat. Aber wir brauchen nicht lange Trübsal zu blasen, wir können auf die letzten 17 Spiele erhobenen Hauptes zurückblicken. Wir sind vorne dabei und werden jetzt die wenigen Tage zur Regeneration genießen. Wir hoffen, dass unsere Verletzten schnellstmöglich zurückkommen, damit wir sie in der Vorbereitung wieder auf ein gutes Niveau bringen können.«

Für das neue Jahr gab Hecking das Motto aus, das der neben ihm auf dem Podium des Dortmunder Presseraums sitzende Lucien Favre lange Jahre geprägt hat. »Wir werden weiter nur von Spiel zu Spiel denken, um eine ähnlich gute Rückrunde zu spielen«, so Hecking. Für Favre hat seine ehemalige Borussia das Zeug dazu. »Natürlich, ich glaube, Gladbach wird sicher da sein.«

 


von Marc Basten

 

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