Nachdreher zur Partie in Stuttgart

»Wenn wir so spielen, werden wir kein Ziel erreichen«

von Nachdreher zur Partie in Stuttgart

Kein Durchkommen für Christoph Kramer und die Borussen (Foto: Christian Kaspar-Bartke / Bongarts / Getty Images)

Das Entsetzen war groß nach der Niederlage von Borussia Mönchengladbach beim VfB Stuttgart. Trainer Dieter Hecking stellte seiner Mannschaft ein Armutszeugnis aus, die Spieler bemängelten die fehlenden Lösungsmöglichkeiten. Borussia taumelt und droht alle Ziele zu verpassen.

Dieter Hecking hat stets betont, dass es zwischen ihm und der Mannschaft stimmt. Ungeachtet der Tatsache, dass sich der Trainer in der Vergangenheit mehrfach irritiert darüber gezeigt hat, dass seine Spieler Vorgaben nicht richtig umsetzen, berief er sich stets auf das stimmige Verhältnis zum Team. Nach dem peinlichen Auftritt in Stuttgart konnte Hecking allerdings wenig Verständnis für seine Spieler aufbringen. »Ich muss aufpassen, was ich sage«, erklärte der 54-Jährige auf der Pressekonferenz. »Ich habe lange genug schützende Worte für meine Mannschaft gefunden, aber heute muss ich den Schutzschild mal wegziehen.«

Die Abrechnung von Hecking war deutlich. »Im eigenen Ballbesitz zu langsam, viel zu behäbig und ohne Durchschlagskraft in den persönlichen Zweikämpfen«, zählte er auf. »Das ist dann von jedem einzelnen Spieler, der meint, der Anspruch wäre ein hoher, zu wenig”. Der Trainer bemängelte sowohl den Egoismus von Plea (“Wenn zwei Mitspieler ganz frei mitlaufen und er legt den Ball nicht quer, dann sagt das vieles”), als auch die fehlende Einstellung insgesamt. »Wir reden mit der Mannschaft, die Mannschaft redet untereinander. Wenn man dann sieht, was sie auch heute vor dem Spiel wieder alles von sich geben, dann erwartest du schon, dass eine andere Leistung dabei rauskommt.« Der Trainer bezeichnete das Zweikampfverhalten einiger seiner Akteure als »nicht bundesligatauglich«.

Sommer: »In der Champions League haben wir nichts verloren«

»Wenn wir so spielen, werden wir kein Ziel erreichen, das ist doch ganz klar. Da brauchen wir auch nicht drumherumreden«, sagte Hecking. Über seinen eigenen Anteil an der Misere schwieg sich Hecking aus. Er betonte, dass man die Mannschaft im Vorfeld genau instruiert habe, was von Stuttgart zu erwarten sei. Warum die Spieler die Vorgaben zum wiederholten Mal nicht umsetzen konnten oder wollten, ließ Hecking ebenso ratlos zurück wie die Gladbach-Fans im Stadion oder am TV-Gerät. Auch die wenigen Profis, die sich anschließend den Medien stellten, konnten kaum Licht ins Dunkle bringen.

»Wir sind sehr enttäuscht«, sagte Yann Sommer. »Wie wir auftreten, wie wir mit dem Ziel, um Europa zu spielen auf dem Platz stehen - das reicht einfach nicht. Tut mir leid. Ich habe in den letzten Wochen oft das Wort Champions League in den Mund genommen, weil es auch zum Greifen nahe ist, aber ganz ehrlich, mit so einer Leistung heute, mit so einer Körpersprache auch, haben wir da nichts verloren.« Christoph Kramer zeigte sich ebenso entsetzt: »Wir wurden mit ganz einfachen Mitteln geschlagen, haben kaum Gefahr ausgestrahlt. Machen wir die Chance in der 4. Minute, gewinnen wir das Spiel wahrscheinlich. Die muss rein, da gibt es auch keine Entschuldigung für. Aber was wir danach 86 Minuten geboten haben, das war dann schon ziemlich mager.«

»Bei den Flanken, die wir hatten, war nur einer vorne drin, manchmal keiner«

Kramer kritisierte deutlich, dass der Mannschaft gegen das nun wahrlich nicht vor Inspiration strotzende Stuttgarter Bollwerk keine Lösungsmöglichkeiten an die Hand gegeben wurden, sondern einfach im gleichen Trott gewurschtelt wurde. »Wir hatten keine Tiefe im Spiel, was auch nicht immer einfach war, weil die Stuttgarter ihrerseits sehr tief standen. Aber dann musst du es halt so ein bisschen mit der Brechstange probieren. Auch wenn es nicht unser Spiel ist, aber dann besetzt du die Box mit vier, fünf Männern, schießt die Bälle rein und dann rutscht irgendwie einer durch. Aber bei den Flanken, die wir hatten, war nur einer vorne drin, manchmal keiner. Wenn der Ball außen ist, dann müssen vier, fünf Spieler im höchsten Tempo einlaufen. Wir hatten sonst keine Mittel, also musst du die Flanken nehmen, aber wir haben immer nochmal abgeklappt und hinter herum gespielt. Das war dann ganz uninteressant und ganz einfach zu verteidigen.«

Borussia droht in dieser Verfassung in den letzten drei Spielen der Super-Gau. Am Sonntag wurde zumindest offiziell auf ›business as usual‹ gemacht. »Ich ziehe das hier durch«, erklärte Dieter Hecking am Sonntag gegenüber der Rheinischen Post. Mit einem Rücktritt des Trainers war allerdings auch nicht zu rechnen. Von Vereinsseite gab es noch keine Hinweise, dass man vom Vorhaben abweichen könnte, auch die letzten drei Ligaspiele mit Dieter Hecking an der Linie anzugehen. Am Montag ist trainingsfrei - an der am Abend stattfindenden Mitgliederversammlung wird Hecking nicht teilnehmen. Das war allerdings schon vor dem Stuttgartspiel so besprochen. Planmäßig geht es am Dienstag mit der Vorbereitung auf Hoffenheim weiter - so wie es aktuell aussieht, mit Dieter Hecking.

 


von Marc Basten und Jan van Leeuwen

 

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