Stand der Dinge

Was macht die Bayern-Klatsche mit Borussia?

von Stand der Dinge

In Schieflage - Christoph Kramer und Borussia nach der Klatsche gegen die Bayern (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Die Sorgenfalten in Mönchengladbach haben seit Samstag merklich an Tiefe zugelegt. Aus der zum größten Teil noch erklärbaren Ergebnisdelle wurde durch die Abreibung gegen die Bayern die erste richtige Krisensituation der Saison. Die Reaktion darauf wird entscheidend für den weiteren Verlauf.

Noch ist alles im grünen Bereich‹ hieß es vor einer Woche an dieser Stelle. Daran hat sich grundsätzlich auch nach der Vorführung durch den Rekordmeister nichts geändert. Noch immer steht Borussia auf einem Champions-League-Platz, weiterhin ist die Ausgangslage vielversprechend und man hat alles in der eigenen Hand. Doch das 1:5 gegen die Bayern war mehr als nur eine ›normale‹ Niederlage gegen den Rekordmeister. Die Art und Weise bereitet Sorgen und nährt die Befürchtung, dass Borussia auf der Zielgeraden eine bislang immer noch großartige Saison in den Sand setzen könnte.

Waren die beiden 0:3-Niederlagen gegen Berlin und Wolfsburg in sich noch relativ schlüssig zu erklären, fällt eine Analyse nach dem 1:5 schwerer. Klar, der Spielverlauf mit dem irregulären Tor nach zwei Minuten war mega-unglücklich, die Bayern führten schnell 2:0 und waren gut drauf. Um nochmal heranzukommen, musste das Risiko erhöht werden, was wiederum den Münchenern die Räume für Konter öffnete. In dieser Gemengelage kann halt auch mal ein 1:5 herauskommen. Doch ganz so einfach lässt sich die Niederlage nicht zu den Akten legen.

Verlernt haben die Borussen das gemeinsame Verteidigen nicht, wie sie jüngst in Frankfurt eindrucksvoll zeigten

Besonders das lasche Defensivverhalten gilt es zu hinterfragen. Hatten da wirklich einige Borussen geglaubt, sie seien so gut, dass sie gegen die Bayern mit ein wenig Hacke-Spitze und körperlosem Spiel etwas erreichen können? Wo war die Kompaktheit und das gemeinsame Verteidigen in allen Mannschaftsteilen, was die Basis der erfolgreichen Wochen und Monate war? Verlernt haben es die Borussen nicht, wie sie noch jüngst in Frankfurt eindrucksvoll zeigten. Dort standen sie gegen eine physisch starke Mannschaft ihren Mann und ließen sich nicht den Schneid abkaufen. Davon war gegen die Bayern nichts zu sehen.

Sicher, einige Spieler haben ihr Päckchen zu tragen. Hofmann und Neuhaus leiden darunter, dass die Gegner die Bedeutung der Achter im Spiel der Borussia entschlüsselt haben und sich immer besser darauf einstellen. Kramer will als Sechser sowohl Abfangjäger als auch Spielgestalter sein und findet nicht immer die Balance, was gegen Bayern bitter bestraft wurde. Plea fehlt oftmals die Bindung, er macht die Bälle nicht mehr so selbstverständlich fest und tut sich schwer mit der Defensivarbeit.

Borussia muss dem Gegner wieder Probleme bereiten und ihm nicht naiv in die Karten spielen

Stindl verrennt sich in guter Absicht im Vorhaben, den ›Aggressive-Leader‹ zu geben und gleichzeitig die Kreativabteilung und die Mittelstürmerposition in Personalunion zu besetzen. Bei Lang mehren sich die Zweifel, ob seine Defensivqualitäten für die Bundesliga ausreichen. Selbst Johnson, dessen Stärken ebenfalls eher in der Offensive liegen, verteidigt hinten rechts stabiler als der Schweizer. Elvedi, der den Beinamen ›Eisvogel‹ aktuell nur deshalb trägt, weil er oft wie festgefroren dasteht und zuschaut, hängt vom Kopf her durch und braucht dringend mal eine schöpferische Pause.

Gleichwohl zählt das, was letzte Woche Gültigkeit hatte, auch heute noch: Es gibt keinen Grund zur Panikmache und man muss besonnen und ruhig weiterarbeiten. Dazu gehört natürlich auch, auf die einzelnen Spieler einzugehen und ihnen Hilfestellungen zu bieten. Gleichzeitig muss das Trainerteam die grundsätzliche Herangehensweise modifizieren. Die Besinnung auf die Basics - wie in Frankfurt praktiziert - muss auch in Mainz im Vordergrund stehen. Es geht jetzt einzig und allein darum, die Stabilität wiederzuerlangen und wieder eine Mannschaft zu stellen, die einem Gegner Probleme bereitet und ihm nicht naiv in die Karten spielt.

 


von Marc Basten

 

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