Einzelkritik: Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 2:0 (0:0)

Viel zu wenig für Europa

von Redaktion TORfabrik.de
Auch Raffael konnte nichts reißen (Foto: Dirk Päffgen)

Auch Raffael konnte nichts reißen (Foto: Dirk Päffgen)

Borussia Mönchengladbach blieb beim Tabellenletzten in Hannover fast alles schuldig. Die Mannschaft agierte nahezu ausnahmslos neben der Spur und entsprechend fällt die Einzelkritik aus.

Yann Sommer: Borussias Keeper bekam einiges zu tun, sechs Schüsse der Hannoveraner auf sein Tor parierte er. Dazu gehörte der Schuss von Sarenren-Bazee, als Sommer vor der Pause mit einer Klasseparade den Rückstand verhinderte. Später rettete er noch gegen Karaman. Beim 0:1, als Anton aufs kurze Eck zielte, ließ der 27-Jährige den Ball durchrutschten. Den Gegentreffer nahm er später selbstkritisch auf seine Kappe. Beim 0:2 war der Schweizer ohne Abwehrchance. Als Anspielstation und Spieleröffner sehr oft eingebunden, zumeist fanden die langen Bälle aber keinen Gladbacher Abnehmer. Note 4,0.

Nico Elvedi: Startete auf der Position des Rechtsverteidigers und hatte einige Schwierigkeiten gegen Karaman und den nachrückenden Albornoz. Bei der Kiyotake-Chance kam der Schweizer nicht rechtzeitig hinterher. Cool dagegen seine Kopfballrückgabe auf Sommer kurz vor der Pause. Nach dem 0:1 wurde der 19-Jährige auf die linke Innenverteidiger-Position verschoben. Er träumte beim 0:2 vor sich hin und realisierte den Pfostenabpraller erst, als Sobiech schon abstaubte. Im weiteren Verlauf mit einigen Klärungsaktionen und insgesamt vernünftigem Passspiel. Note 4,0.

Martin Stranzl: Gab sehr überraschend sein Startelf-Comeback und agierte auf ›seiner‹ Position des rechten Innenverteidigers in der Viererkette, wo er auch nach der ›Rotationswelle‹ im Anschluss an das 0:1 blieb. Der 35-Jährige absolvierte eine solide Partie, mehrfach räumte er kompromisslos ab. Ein paar Probleme beim Timing waren unverkennbar, jedoch mit der fehlenden Spielpraxis zu erklären und letztlich folgenlos. Pech hatte der Österreicher, dass er bei seinem Rettungsversuch vor dem 0:2 Karamans Schuss an den Pfosten lenkte. Note 3,5.

Håvard Nordtveit: Begann als linker Innenverteidiger, was er insgesamt vernünftig machte. Sowohl in der Luft, als auch am Boden mit ordentlichem Zweikampfverhalten und soliden Kurzpässen. Die Versuche, mit dem langen Ball einen Abnehmer zu finden, waren weniger erfolgreich. Nach dem 0:1 rückte der künftige Ex-Borusse auf die Sechserposition. Dort spielte der 25-Jährige weiterhin zuverlässig, ohne dem Spiel wirkliche Impulse geben zu können. Note 4,0.

Oscar Wendt: Lieferte eines seiner schlechtesten Spiele im Trikot der Borussia ab. Er startete mit einer aussichtsreichen Offensivaktion, als er links im Strafraum in Schussposition kam, jedoch den Pass auf Raffael vorzog, was misslang. Danach vorne so gut wie überhaupt nicht mehr zu sehen, dafür hinten mit riesigen Problemen gegen den flinken Sarenren-Bazee. Der narrte ihn ein ums andere Mal, u.a. vermochte Wendt die Hereingabe zum 0:1 nicht zu verhindern. Vor dem zweiten Gegentor hob der Schwede das Abseits auf. Unterirdisch die Zweikampfbilanz des 30-Jährigen: Nur 5 von 15 Duellen konnte er für sich entscheiden. Auch im Passspiel war Wendt ungewohnt fahrig und fehlerbehaftet. Note 5,0.

Mo Dahoud: In der Anfangsphase sorgte er mit einigen klugen Pässen und Läufen für fußballerische Momente im Gladbacher Spiel. Der 20-Jährige lief sich allerdings zusehends öfter fest und verlor Bälle, was zu Umschaltgelegenheiten für 96 führte. Im Defensivzweikampf fehlte Dahoud die Griffigkeit. Er verlor vor dem 0:1 am gegnerischen Sechzehner unglücklich den Ball, weil der Schiedsrichter ihn blockierte. Dahoud lief zwar beim anschließenden Konter mit zurück, kam jedoch gegen Torschütze Anton zu spät. Kurz darauf wurde er ausgewechselt. Note 4,5.

Andreas Christensen: Wurde für den gesperrten Xhaka als Nebenmann von Dahoud auf die Doppelsechs beordert. Von Beginn an war zu erkennen, dass sich der 20-Jährige dort schwertat. Mehrere kleinere Stockfehler in der Ballbehandlung hemmten ihn. Fortan spielte er fast ausnahmslos quer oder zurück, so dass er dem Spielaufbau keinerlei Impulse geben konnte. Defensiv bekam er zwar weitestgehend Zugriff, im Umschaltspiel trat er allerdings betont auf die Bremse. Laufbereitschaft und Einsatzwillen waren tadellos, doch die Entstehung des 0:1 ist dem Dänen mit anzulasten. Er hatte Sarenren-Bazee eigentlich schon zweimal gestellt, um ihn dann doch noch ziehen zu lassen. Note 4,5.

Thorgan Hazard: Spielte wieder auf der rechten Außenbahn, wo er zu Beginn mehrfach in Erscheinung trat - allerdings zumeist in der Rückwärtsbewegung. Da machte der Belgier eifrig mit, u.a. mit einer gefährlichen, aber guten Defensivgrätsche. Hazard kam zu einigen Balleroberungen, hatte im Verbund mit Elvedi jedoch viel Mühe mit Karaman und Albornoz. Im Spiel nach vorne fehlte es an Klarheit und Zielstrebigkeit. Seine Ecken waren okay, die Flanken harmlos. Nach dem 0:1 wurde der 23-Jährige frühzeitig ausgewechselt. Note 4,0.

Fabian Johnson: Begann im 4-4-2 auf der linken Seite, wo er zunächst einige Male mit nach vorne stieß. So hatte er die beste Gladbacher Chance, als er nach Raffael-Zuspiel im Fallen an Zieler scheiterte. Im weiteren Spielverlauf häuften sich die Schwierigkeiten für den US-Nationalspieler, er konnte sich immer weniger durchsetzen. Auch im Defensivzweikampf nicht mit der gewohnten Griffigkeit. Nach dem Rückstand spielte der 28-Jährige auf der Rechtsverteidigerposition, wo sich die Probleme eher noch verschärften. So verlor er vor dem 0:2 das Duell gegen Karaman. Zehn Minuten vor Schluss mit einer Schusschance, doch er donnerte den Ball weit übers Tor. Note 4,5.

Lars Stindl: An alter Wirkungsstätte mit einem wirkungslosen Auftritt. Seine Ex-Kollegen bearbeiteten ihn sehr intensiv und ließen ihm überhaupt keinen Entfaltungsspielraum. Stindl legte zwar wie gewohnt weite Wege zurück, konnte sich jedoch nicht entscheidend in Position bringen. Als Kombinationsspieler wurde der 27-Jährige fast komplett aus der Partie genommen. Lediglich einmal kam er zum Abschluss, als sein Schuss nach Traoré-Vorarbeit zur Ecke gelenkt wurde. Note 4,5.

Raffael: Kehrte nach überstandenem Muskelfaserriss zurück, wobei ihm die vierwöchige Zwangspause deutlich anzumerken war. Es fehlte die letzte Spritzigkeit bei seinen Antritten, so dass ihn die Gegenspieler immer wieder stellen konnten. Raffael hatte die wenigsten Ballaktionen aller Gladbacher Startelfspieler und tauchte phasenweise komplett ab. Gleichwohl war der 31-Jährige nach dem Rückstand der zielstrebigste Antreiber und zwei der drei Gladbacher Chancen erfolgten unter seiner Beteiligung. In der ersten Halbzeit passte der Brasilianer wunderbar auf Johnson zu dessen Gelegenheit, kurz vor dem Ende flog sein Kopfball knapp am langen Pfosten vorbei. Note 4,0.

Ibrahima Traoré: Kam in der 56. Minute für Hazard und übernahm dessen Rolle auf der rechten Außenbahn. Der 27-Jährige brachte Schwung und eine gehörige Portion Unberechenbarkeit ins Spiel. Allerdings war er am Ball sehr hektisch, was zu mehreren unnötigen Fehlern führte. Gelungen die Vorarbeit zur Stindl-Chance und die Freistoßhereingaben für Raffael und Herrmann. Note 4,0.

Patrick Herrmann: Durfte noch weit über eine halbe Stunde mitwirken und kam über die linke Seite. Der 25-Jährige tat sich jedoch sehr schwer, es unterliefen ihm mehrere Stockfehler und unsaubere Aktionen. In der vorletzten Minute köpfte er nach einer Freistoßflanke von Traoré aus fünf Metern freistehend am Tor vorbei. Note 4,5.

André Hahn: Kam für die letzten sieben Minuten als ›Brechstange‹, ohne noch etwas inszenieren zu können. Ohne Note.

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