Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - YB Bern 6:1 (3:0)

Viel Vergnügen

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Große Freude (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Große Freude (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Zwischen der Auslosung zur Gruppenphase der Champions League und dem Ligaauftakt gegen Bayer Leverkusen blicken wir mit der Einzelkritik nochmals zurück auf den vergnüglichen Mittwochabend gegen YB Bern.

Yann Sommer: Im Kerngeschäft eines Torhüters nahezu beschäftigungslos. Erst in der zweiten Halbzeit bekam er den ersten ›Schuss’ aufs Tor, da waren manche Rückpässe härter gespielt. Von denen gab es einige und nicht immer glückte Sommer die Spielfortsetzung. Drei Schläge, die letztlich im Seitenaus landeten, mussten nicht sein. Beim Gegentor drehte sich der Ball tückisch ins Eck, da war kaum etwas zu halten. Note 3,0.

Nico Elvedi: Bis auf ein paar unwesentliche Stock- und Annahmefehler sehr solide. Der junge Schweizer erkämpfte sich die Bälle gegen seine Landsleute ziemlich mühelos, stand fast immer gut zum Gegenspieler und klärte einige hohe Hereingaben. Beim Spielaufbau sicher, mit seinem guten Pass auf Herrmann leitete er den Führungstreffer ein. Note 3,0.

Andreas Christensen: Als zentraler Mann in der Dreierkette äußerst aufmerksam, total abgeklärt und dem Gegner immer einen Schritt im Denken und Handeln voraus. Da vergisst man schnell, dass der Däne erst 20 Jahre alt ist. Als Vestergaard eingewechselt wurde, übernahm er die 6-er Position von Strobl. Im Bemühen, dort kreativ zu sein, unterliefen ihm ein, zwei Fehlpässe. Seine Schussversuche in Rücklage landeten im Fangnetz. Note 2,5.

Tony Jantschke: Im dritten Pflichtspiel in Folge in der Startelf, das ist schon ein kleiner Fingerzeig. Jantschke ging hochkonzentriert zu Werke, die Abstimmung mit Christensen und Herrmann vor ihm passte. Die meisten Pässe in der Vorwärtsbewegung waren präzise und hatten die nötige Geschwindigkeit. Ein misslungener Diagonalpass bildete die Ausnahme. Machte zwanzig Minuten vor Schluss Feierabend und wurde durch Korb ersetzt. Note 3,0.

Christoph Kramer: Vor allem in der ersten Halbzeit sehr präsent und mit vielen wichtigen Balleroberungen. Er wirkte unglaublich bissig und war auch kurz vor seiner Auswechslung noch intensiv unterwegs, um die Berner Restgegenwehr zunichtezumachen. In der Spieleröffnung mit wohl temperierten Pässen. Zweimal brachte er sich selber in Schwierigkeiten, als er sich mit ›Mini-Dribblings‹ aus der gefährlichen Zone freispielen wollte. Das hätte ins Auge gehen können - in vergleichbaren Situationen sollte er künftig ein schnelles Abspiel vorziehen. Wurde nach einer Stunde von Dahoud abgelöst. Note 2,0.

Tobias Strobl: Eine ganz starke Vorstellung im ersten Pflichtspiel vor eigenem Publikum. Als Nebenmann von Kramer vor der Abwehr trat er ungemein ruhig, abgeklärt und sicher auf. Überragend im Passspiel, da hatte alles Sinn und Verstand. Fantastisch der Flügelwechsel auf Herrmann. Strobl suchte vertikale Lösungen, wenn der Raum groß genug war. Auffällig, dass er das Spiel gut liest und die Aufgaben der Kollegen übernimmt, wenn die ›weg‹ sind. Ein absoluter Mannschaftsspieler. Wurde frühzeitig mit leichten Rückenproblemen ausgewechselt. Note 2,0.

Patrick Herrmann: Startelfpremiere in dieser Saison. Auf der rechten Seite machte er ein gutes Spiel, vor allem im ersten Durchgang ging er weite Wege nach hinten. Nur einmal unachtsam bei einem Steilpass der Berner über seine Seite, als er den Gegenspieler aus den Augen verlor. Vorne mit dem überlegten Pass in den Rückraum vor dem 1:0. Vor dem 2:0 setzte er energisch nach und erzwang so den entscheidenden Fehlpass. Sorgte zweimal für Gelb (Lejaks und Zakaria). Im zweiten Durchgang mit weiteren guten Antritten, seinen Flanken fehlte jedoch die Präzision. Setzte Hazard vor dem 4:0 in Szene und war mit einem Kopfballwischer fast selbst noch erfolgreich. Note 2,5.

Fabian Johnson: Auch für den US-Nationalspieler war es die Startelfpremiere in dieser Saison. Trotz Dreierkette durfte er auf ›seiner‹ linken Seite spielen, wo er deutlich besser zurechtkam als auf rechts. Johnson war sehr aufmerksam in der Rückwärtsbewegung, läuferisch und kämpferisch vorbildlich. Er machte auch einige Wege umsonst, als Mitspieler (z.B. Raffael) ihn übersahen. Das nahm er ohne Murren hin. Johnson hatte eine gute Chance, als er aus dem Lauf direkt abzog, Berns Keeper aber parierte gut.. In einer weiteren Situation zog er nach innen, sein Schuss wurde geblockt. Im zweiten Durchgang mit einer Chance, als er einen Haken zu viel machte und letztlich stecken blieb. Note 2,0.

Lars Stindl: Als fleißiger zentraler offensiver Akteur zunächst in der Arbeit gegen den Ball auffällig, als er viele Angriffs-Ansätze der Berner verhinderte. Im Spiel nach vorne kombinierfreudig, ohne dabei verspielt zu wirken. In dieser Interpretation seiner Rolle ist er die ideale Ergänzung zu Raffael und Hazard. Überragend der Assist zum 3:0 - das war ganz hohe Fußballkunst. Ließ vor dem letzten Tor den Ball selbstlos und clever für Hazard durch. Bei seiner großen Chance nach der Pause mit schwachem, flachen Abschluss mit Innenrist. Note 2,5.

Thorgan Hazard: Auch an einem solchen Abend geht es nicht ganz ohne Kritik. In der Anfangsphase war der Belgier vorne etwas hektisch und im Defensivzweikampf zaghaft. Da waren zwei, drei Situationen dabei, die stärkere Gegner ausgenutzt hätten. Das Tor gab ihm sichtlich Auftrieb - die Bewegung vor dem 1:0 war super. Spielte sich danach in einen Rausch und rannte nach abgewehrten Angriffen im Vollsprint zurück nach hinten. Die butterweiche Flanke auf Raffael war erste Sahne, seine weiteren Treffer die logische Konsequenz der gebotenen Räume. Da zeigte er seine große fußballerische Klasse. Note 1,5.

Raffael: Is magic. Ob es an den brasilianischen Temperaturen im Borussia-Park lag? Jedenfalls sprühte er nur so vor Elan und Spielfreude. Schon in der Anfangsphase mit dem Pfostenschuss, als er auch hätte abspielen können. Beim 1:0 setzte er Hazard mit dem geschickten Direktpass in Szene, das 2:0 besorgte er mit einem strammen Linksschuss selbst. Beim 3:0 vollendete er einen wunderbaren Spielzug mit einem präzisen Heber ins Eck, das 4:0 bereite er per Außenristpass für Hazard vor. Beim 5:0 vollstreckte er in bester Stürmermanier am zweiten Pfosten. Nur einmal ließ er sich den Schneid bei einer Ballannahme abkaufen, ansonsten war er im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar. Herausragend auch sein beschleunigender Pass zur Johnson-Chance. Ein sagenhaftes Spiel von Raffael. Note 1,0.

Jannik Vestergaard: Ersetzte Strobl und spielte auf Christensens Position. Einmal ging er richtig rustikal zu Werke, als wolle erzeigen, dass auch mit ihm in der Abwehr nichts zu holen ist. Ohne Note.

Mo Dahoud: Brachte mit seiner Spielfreude zusätzlichen Schwung, seine Hackenweiterleitung ermöglichte das 4:0 und auch den fünften Treffer leitete er ein. Ohne Note.

Julian Korb: Kam für Jantschke und übernahm dessen Position links in der Kette. Verursachte ohne Schuld durch ein Kollisions-Foul den Freistoß, der den Ehrentreffer der Schweizer zur Folge hatte.

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