Einzelkritik: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0)

Unterm Strich zu wenig

von 20. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Borussia MG 2:0
Frust pur (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Frust pur (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Das neue System war nicht schlecht, den Schneid hat man sich auch nicht abkaufen lassen - es war für Borussia Mönchengladbach in Frankfurt deutlich mehr drin als dieses 0:2. Doch ohne Punch vor dem gegnerischen Tor war es unterm Strich zu wenig.

Yann Sommer: Hätte bei der Mega-Chance von Wolf zu Beginn nichts machen können, etwas später faustete er einen Eckball weg. Ein paar Ballkontakte mit dem Fuß deuteten zunächst nicht auf irgendwelche Probleme hin. Doch bereits nach 16 Minuten musste er mit Leistenbeschwerden vom Platz. Ohne Note.

Tobias Sippel: Kam ›kalt‹ in die Partie, hatte aber genügend Zeit, sich einzufinden. Eine abgefälschte Flanke hielt er als ersten Ballkontakt sicher fest. Danach lange nur damit beschäftigt, den Ball nach vorne zu schießen (deutlich weiter als Sommer). Beim 0:1 mit etwas Pech, dass Boateng ihm den Ball durch die Beine spitzelte. Nach der Pause mit einem unnötigen Dribbling an der Grundlinie. Die daraus resultierende Ecke fing er aber sicher ab. In der Schlussphase klärte er stark im Eins-gegen-Eins per Fuß gegen Jovic. Kurz darauf hatte Sippel keine Abwehrchance gegen Jovics Schuss zum Endstand. Note 3,0.

Matthias Ginter: Der rechte Mann in der neu formierten Dreierabwehrkette. Den ersten Konterversuch der Frankfurter lief er gut ab. Danach mit Problemen, den überforderten Herrmann gegen Rebic zu unterstützen. Gladbachs rechte Seite entwickelte sich zur Achillesferse. So verlor Ginter in einer Szene gemeinsam mit Herrmann an der Außenlinie den Ball, was Rebic den Weg ebnete. Beim 0:1 lief Ginter nicht durch, sonst hätte er Chandlers Hereingabe blocken können - allerdings hatte er noch Rebic im Rücken. Im Passspiel solide, das ein oder andere Mal schob er sich in die gegnerische Hälfte vor. Ein Fehlpass in die Füße von Rebic blieb zum Glück folgenlos. Note 4,0.

Jannik Vestergaard: Als mittlerer Mann der Kopf der Dreierkette. Im Positionsspiel klappte das ordentlich, die Abstände passten. Nach einem Antritt von Rebic klärte Vestergaard mit gutem Stellungsspiel, ein anderes Mal schlug er den Ball rustikal aus der Gefahrenzone. Beim 0:1 sah er ganz schlecht aus, weil er wie versteinert stehen blieb und Chandler den Passweg vors Tor öffnete. Nach der Pause wurde er zunächst im Mittelfeld von Boateng weggecheckt, dann riss ihn Boateng im Strafraum nach einer Ecke mit einem Griff an den Hals um. Beides blieb ungeahndet. Note 4,0.

Nico Elvedi: Begann auf der linken Seite in der Dreierkette. Mit einem Querschläger sorgte er für die erste Frankfurter Ecke, danach agierte er aufmerksam, aber weitestgehend unauffällig. Nach der Pause rückte er eine Position nach vorne und übernahm die Wendt-Rolle. Dort sehr zurückhaltend auf dem Weg nach vorne. Bei der Entstehung des Angriffs zu Herrmanns Lattenschuss war der Schweizer beteiligt, ansonsten beschränkte er sich auf risikoloses Passspiel und Fehlervermeidung auf ungewohntem Terrain. Note 4,0.

Patrick Herrmann: Wurde das ›Opfer‹ der Systemumstellung, weil er auf der rechten Seite vor allem defensiv gegen Rebic und den nachrückenden Chandler gefragt war. Dass Herrmann damit überfordert war, zeigte sich schon beim ersten Konter der Frankfurter nach der abgewehrten Ecke, als er Rebic weder halten noch mit ihm mithalten konnte. Daraus resultierte Wolfs Riesenchance. In der Folgezeit war Herrmann mehrfach unterlegen in Laufduellen gegen Rebic und Chandler. Auch als ›Einwerfer‹ mit unglücklichen Aktionen - einmal warf er gefährlich in die Mitte zum Gegner, dann wurde er wegen eines falschen Einwurfs zurückgepfiffen. Im Spiel nach vorne bemüht, aber chancenlos gegen die rustikalen Frankfurter. Großes Glück hatte Herrmann, dass er nach dem brutalen Tritt von Rebic weitermachen konnte. Das war ein klar rotwürdiges Foul des Frankfurters. Vor dem 0:1 ließ sich Herrmann von Chandler wie ein Anfänger düpieren. Wohl nur der Verletzung von Wendt war es geschuldet, dass Herrmann zur Pause nicht ausgewechselt wurde. Er stabilisierte sich im zweiten Durchgang, weil Frankfurt kaum noch aktiv nach vorne spielte. In der Offensive hatte Herrmann Pech mit seinem Lattenschuss. Note 4,5.

Christoph Kramer: Im veränderten System gab es zunächst einige Abstimmungsschwierigkeiten hinsichtlich der Raumaufteilung. Vor allem Kramer und Zakaria standen sich einige Male ballorientiert auf den Füßen, während es auf der anderen Seite große Räume gab. Am Ball hatte Kramer einige gute Aktionen, u.a. ein Anspiel in die Spitze auf Hazard und weitere flotte Kurzpässe. Defensiv mit guter Grätsche gegen Wolf und einer überragenden Balleroberung im eigenen Strafraum gegen Haller. Nach der Pause in Borussias Druckphase schob er vehement mit an und verzeichnete einige bissige Ballgewinne. Die Auswechslung nach 75 Minuten kam ein wenig überraschend. Note 3,5.

Denis Zakaria: Brauchte etwas, um sich an die geänderte Raumaufteilung im Mittelfeld zu gewöhnen. Dazu kam, dass sich seine Wege oft mit denen von Boateng kreuzten. Die grenzwertige Körperlichkeit des Frankfurters schien Zakaria zu verunsichern. Zumal Boateng offensichtlich einen Freifahrtschein vom Schiedsrichter hatte. Nach und nach fand er sich besser zurecht, nach einem guten Lauf über links passte er den Ball vors Tor, wo sich Herrmann gegen drei Frankfurter nicht durchsetzen konnte. Beim 0:1 trabte er im guten Glauben mit zurück, dass Herrmann wohl mit Chandler fertig würde. Dabei ließ er Boateng unbeachtet und war dann zu weit entfernt, als es brenzlig wurde. Nach der Pause ging Zakaria bissiger zu Werke und setzte mehrfach gut nach. Aus solch einer Situation resultierte sein eigener Abschluss, als er etwas zu hoch zielte. Stark auch der Antritt vor der Elfmetersituation, als er zunächst am Keeper scheiterte und dann mit Übersicht auf Stindl passte. Sah Gelb für ein vehementes, aber im Vergleich zu Frankfurts Herangehensweise harmloses Tackling. Vor dem 0:2 spielte Jovic den Ball mit der Hand, was Zakaria monierte und nach dem ausgebliebenen Pfiff den Frankfurter in seinem Rücken entwischen ließ. Note 4,0.

Oscar Wendt: Man merkte ihm an, dass ihm die Rolle auf der linken Seite im Fünfermittelfeld nicht unbekannt war. Der Schwede fand eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive, wobei er nach vorne - wie die gesamte Mannschaft vor der Pause - nicht über Ansätze hinaus kam. Defensiv machte er es gut: Wendt klärte aufmerksam bei einem Frankfurter Freistoß, als er rechtzeitig vor den Ball kam, einen Schuss von Wolf blockte er zur Ecke und gegen Gacinovic eroberte er im Strafraum stark den Ball. Beim 0:1 erkannte er als einziger die Gefahr, die von Boateng ausging, doch er verpasste im Lauf durch eine kurze Bewegung nach rechts die Gelegenheit, vor den Frankfurter zu kommen. So war Boateng zwischen Wendt und dem Ball, was der Frankfurter trotz Wendts Rettungsversuch ausnutzte. Bei dieser Aktion kollidierte Wendt mit Sippel und erlitt eine Risswunde, wegen der er zur Pause ausgewechselt werden musste. Note 3,5.

Michael Cuisance: Auf der halbrechten Position in der Dreieroffensive holte er nach einem gelungenen Hackentrick die erste Ecke raus. Danach war der junge Franzose in einigen Situationen überhastet (u.a. zu steiler Pass in Richtung Hazard), unklar (misslungener Lupfer-Pass) oder unkonzentriert, so als ihm ein Ball ins Seitenaus rutschte. Zudem ließen ihn die Frankfurter ›Kanten‹ mehrfach spüren, dass sie für seine Spielereien nicht empfänglich waren. Nach der Pause zielstrebiger und mit der ersten Chance, als er nach einem Haken in die Arme von Hradecky schoss. Zuvor hatte er mit einer starken Drehung den Ball klasse mitgenommen. Kurz darauf kam er nochmal zum Abschluss, doch in Rücklage flog der Ball deutlich über das Tor. Überragend sein Pass - obwohl er dabei gefoult wurde - in den Lauf zu Herrmann vor dessen Lattenschuss. Danach tauchte er etwas ab und wechselte, als Hofmann kam, auf die Sechserposition. Note 4,0.

Lars Stindl: Übernahm den linken Part des Dreiersturms, wobei er sich wie gewohnt oft fallen ließ um als Verbindungsspieler zu agieren. Dabei fehlte etwas die Spritzigkeit, so dass die Frankfurter ihn oft stellen konnten. Die eine oder andere Weiterleitung geriet zudem unsauber. Vom Engagement her wie immer ein Vorbild, nach der Pause wurschtelte er sich vehement durch und ermöglichte Cuisance eine Schusschance. Ein abgefälschter Schuss des Kapitäns flog knapp am Tor vorbei, den Elfmeter holte er raus und mit einem schönen Pass bediente er den eingewechselten Hofmann. Note 4,0.

Thorgan Hazard: Zentral in der Spitze eingesetzt, kam er gegen die wuchtigen Frankfurter Verteidiger nicht so zum Zuge wie erhofft. Er bewegte sich zwar viel, traf jedoch mehrfach nicht die richtige Entscheidung. So verpasste er bei einer der wenigen Umschaltgelegenheiten in der ersten Halbzeit das Abspiel auf Stindl oder den eigenen Abschluss und lief sich fest. Nach der Pause umtriebiger und mit einer Schusschance, als er über das Tor schoss. Beim Elfmeter büßte er den Nimbus des ›Eisvogel‹ ein. Entgegen seiner Gewohnheit wollte er den Ball ins Tor nageln - und traf die Latte. Unerklärlich die Aktion in der 89. Minute, als er nach einem kurz ausgeführten Freistoß den Ball aus 40 Metern in die Wolken jagte, obwohl am Strafraum alle versammelt auf die Freistoßhereingabe warteten. Note 4,0.

Tony Jantschke: Übernahm in der zweiten Halbzeit die linke Position in der Dreierkette und löste die Aufgabenstellung defensiv mit aller Ruhe und Souveränität. Er ging mit genau der richtigen Konsequenz in die Zweikämpfe und stellte auch mal erfolgreich den Körper gegen Boateng rein. Mit einem schnell ausgeführten Freistoß holte er klug die Gelbe Karte gegen Barkok raus, der den Ball blockierte. Jantschke selbst sah Gelb für ein notwendiges Einsteigen, um kurz nach dem verschossenen Elfmeter einen Konter zu verhindern. Im Passspiel mit einiger Streuung, was zum Teil mit der ungewohnten Rolle auf links zu erklären war. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Ersetzte Kramer in der letzten Viertelstunde, rückte aber auf die Position von Cuisance, der wiederum die Kramer-Rolle übernahm. Hofmann holte nach Stindl-Pass mit der ersten Aktion eine Ecke raus und leitete später mit guter Balleroberung einen Angriff ein, an dessen Ende sein zu schwacher Schuss geblockt wurde. Ohne Note.

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