Julian Korb - Bereit für die Champions League?

Und plötzlich weg vom Fenster

von von Marc Basten
Der Moment des Julian Korb in Manchester (Foto: Paul Ellis/AFP/Getty Images)

Der Moment des Julian Korb in Manchester (Foto: Paul Ellis/AFP/Getty Images)

Es gibt viele kuriose Geschichten aus der abgelaufenen Saison zu Borussia Mönchengladbach. Eine davon schrieb Julian Korb. Erst war er der große Gewinner und dann plötzlich weg vom Fenster. Seine Zukunft gibt Rätsel auf.

Unter Lucien Favre war Julian Korb ein gelehriger Schüler. Er verinnerlichte das intelligente Verteidigen, was die Basis des Gladbacher Fußballs unter dem Schweizer war. Mit viel Besonnenheit schaffte es Korb, sich seinen Platz als rechter Verteidiger zu sichern.

Im Spiel nach vorne wirkte der 24-Jährige allerdings oftmals gehemmt. Er schien so sehr auf seine primäre Rolle fokussiert, dass keine spontanen und kreativen Offensivaktionen von ihm ausgingen. Das änderte sich jedoch schlagartig, als André Schubert das Kommando übernahm.

Die ganze Mannschaft agierte wie entfesselt, doch Julian Korb erschien noch befreiter als alle anderen. Das aktive Verteidigen legte neue Qualitäten frei. Korb war viel höher positioniert, die Wege nach vorne kürzer. Zudem war es der ausdrückliche Wunsch von Schubert, riskant zu spielen. Korb genoss die neue Freiheit und tobte sich aus. Teilweise agierte er wie ein Rechtsaußen, erzielte gegen Schalke sein erstes Bundesligator und traf in der Champions League in Manchester.

Rasend schnell vom Durchstarter zum Bankdrücker

Zum Ende der Hinrunde war der gebürtige Essener einer der großen Gewinner unter André Schubert. Der neue Trainer hatte ihn im wahrsten Sinne des Wortes von der Kette gelassen und Korb lebte die Ungezwungenheit aus.

Zu Beginn der Rückrunde stand Korb gegen Dortmund und in Mainz folgerichtig in der Startelf. In beiden Partien machte er viel aufs Geratewohl nach vorne, doch er offenbarte große Schwächen im defensiven Umschaltspiel. Ungeachtet dessen hätte niemand erwartet, dass er am 29. Januar am zweiten Rückrundenspieltag in Mainz seinen letzten Startelfeinsatz haben sollte.

In den restlichen 15 Spielen wurde er noch dreimal eingewechselt, ansonsten schaute er sich das Geschehen von draußen aus an. Vom Durchstarter zum Bankdrücker - bei Julian Korb ging es rasend schnell.

Es ist fraglich, wo Korb künftig eingeplant wird

Die Gründe sind dabei vielschichtiger, als nur die schlechten Spiele gegen Dortmund und Mainz. Schubert wurde in dieser Zeit zurecht für die fehlende Balance kritisiert und er stellte vermehrt auf Dreierkette um. Hier war Korb kein Kandidat für die Abwehrkette, u.a. weil ihm im Vergleich zu Elvedi Präsenz im Kopfballspiel fehlt.

So blieb Korb nur die rechte Außenbahn, wo sich jedoch die Konkurrenz mit Johnson, Hazard, Traoré, Hofmann und später Herrmann ›stapelte‹. Hier hatte Korb, zumindest in der Einschätzung von André Schubert, deutlich das Nachsehen. Am letzten Spieltag in Darmstadt, als es um nichts mehr ging, spielte Korb noch eine halbe Stunde im linken Mittelfeld.

Es ist fraglich, für welche Position Julian Korb künftig eingeplant wird. Schubert betont zwar, dass die Dreierkette keinesfalls in Beton gegossen ist und er künftig noch flexibler spielen lassen will. Hier werden sich sicherlich Möglichkeiten für Korb ergeben, schließlich ist er gut geschult und fußballerisch mehr als solide. Doch ob es zu mehr reicht, als zu einem anpassungsfähigen Springer, ist zumindest momentan zu bezweifeln.

Trotz einer gelungenen Premiere im letzten Jahr ist die Frage, ob Julian Korb bereit für eine zweite Saison in der Champions League ist, aktuell mit ›Nein‹ oder bestenfalls mit ›kommt drauf an‹ zu beantworten.

 

 

In den nächsten Tagen und Wochen werden wir an dieser Stelle in loser Reihenfolge auf die Basisspieler der letzten Saison eingehen und die Prognose wagen: Sind sie bereit für die Champions League?

 

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