Tobias Strobl - Resümee und Ausblick

Tobias Strobl - Sieger im Sechser-Duell

von Tobias Strobl - Resümee und Ausblick

Tobias Strobl hatte in der vergangenen Saison eine wichtige Rolle inne (Foto: Cathrin Mueller / Bongarts / Getty Images)

Auf 26 Startelfeinsätze kam Tobias Strobl in der abgelaufenen Saison. Damit dürfte er manchen überrascht haben und auch aus dem ‘Sechser-Duell’ mit Christoph Kramer ging er als Sieger hervor. Dennoch ist es nicht sicher, dass es in der neuen Spielzeit so weitergeht für den 29-Jährigen.

In der Vorsaison war Tobias Strobl wegen seines Kreuzbandrisses fast komplett von der Bildfläche verschwunden, so dass er für viele Beobachter bei der Benennung einer mutmaßlichen Stammformation der Fohlenelf nur am Rande eine Rolle spielte. In dem neu eingeführten 4-3-3 schien Christoph Kramer prädestiniert zu sein für die Aufgabe des alleinigen Sechsers und Strobl wurde eher als Backup des Weltmeisters eingestuft. Doch Dieter Hecking ließ während seiner gesamten Zeit in Gladbach immer wieder durchblicken, dass er große Stücke auf den unaufgeregten Teamplayer Tobias Strobl hält.

Und so kam es, dass Strobl in den ersten vier Bundesligaspielen als Sechser in der Startelf stand und Christoph Kramer das Nachsehen hatte. Strobl hinterließ als Stabilisator im Mittelfeld und als Rückendeckung für die umtriebigen Achter Hofmann und Neuhaus einen guten Eindruck und insgesamt überzeugte die Besetzung in der neuen Ausrichtung, auch wenn es am 4. Spieltag in Berlin einen ersten Rückschlag gab. Zur Pause wurde umgestellt und Strobl rückte in die Innenverteidigung. Nach der Niederlage bei der Hertha rutschte Strobl aus der Elf und erlebte die nächsten drei Spiele nur von der Bank aus mit.

Als verlässlicher Ruhepol die Idealbesetzung

Christoph Kramer machte seine Sache als Sechser ordentlich, doch als Strobls Felle langsam aber sicher wegzuschwimmen drohten, beorderte ihn Hecking am 8. Spieltag gegen Mainz wieder für Kramer in die Anfangself. Strobl spielte gewohnt verlässlich, so als ob er nie weg gewesen wäre. Auch wenn Kramer zwischendurch bei der Pokalpleite gegen Leverkusen noch mal ran durfte, hatte Strobl das Duell augenscheinlich für sich entschieden und blieb Heckings erste Wahl. Er schloss die Lücken, organisierte die Kompaktheit im Mittelfeld und gefiel mit seinen öffnenden Diagonalpässen. So richtige Glanzpunkte setzte er nicht, doch als beständiger Ruhepol war Strobl die Idealbesetzung während der erfolgreichen Wochen im Herbst.

Bis zum Ende der Hinrunde blieb Strobl im Team, auch weil seine Vielseitigkeit gefragt war. Beim glücklichen torlosen Remis in Hoffenheim wurde zur zweiten Halbzeit auf Dreierkette umgestellt und Strobl übernahm in dieser die zentrale Rolle. Gegen Nürnberg und in Dortmund rückte er aufgrund des Ausfalls von Elvedi als Innenverteidiger in die Viererkette und wusste ebenfalls zu überzeugen. So war es wenig verwunderlich, dass Strobl auch zum Start in die Rückrunde in der Anfangself stand. Wieder als Sechser, wieder mit verlässlicher Arbeit und immensem Laufpensum. Seine Übersicht und seine Positionstreue sorgten dafür, dass er weiter die Nase vor Kramer hatte.

Nach der Systemumstellung als zentraler Mann der Dreierkette

Wie schon in der Hinrunde wurde Berlin zu einem Dämpfer für Strobl. Bei der überraschenden und deutlichen 0:3 Heimniederlage machte auch der sonst so gefestigte Strobl kein gutes Spiel (Note 4,0) und fand sich in der folgenden Woche in Frankfurt auf der Bank wieder. Dort wurde er zwar für Kramer eingewechselt und gab den Pass zum Ausgleich durch Zakaria, doch in den beiden nächsten Partien saß er draußen. So kam es, dass Strobl genau gegen die gleichen Gegner wie in der HInrunde nicht in der Anfangsformation stand. Nachdem die Mannschaft ohne ihn gegen die Bayern mit 1:5 untergegangen war, stand Strobl beim Auswärtsspiel in Mainz wieder auf dem Feld.

Er lieferte dort genau das, was von ihm erwartet wurde sicherte sich auch in den folgenden beiden Partien einen Platz in der Startelf. Nach der Pleite in Düsseldorf (Note 5,0) stellte Hecking das System um und damit änderte sich die Aufgabe für Strobl. Er rückte als zentraler Mann in die Dreierkette, was er gegen Bremen, Hannover, Leipzig und in Stuttgart sehr ordentlich löste. Am 32. Spieltag gegen seinen Ex-Klub Hoffenheim rückte er aufgrund der Gelbsperre von Kramer eine Position nach vorne, fand sich aber überhaupt nicht zurecht. Das erste Gegentor ging auf seine Kappe, immer wieder gab es ungewöhnliche Unsicherheiten und seine Tempodefizite fielen deutlich ins Gewicht (5,0). In Nürnberg und zum Abschluss gegen Dortmund, als wieder im ‘alten’ 4-3-3 aufgestellt wurde, erhielt Kramer den Vorzug und Strobl kam jeweils nur zu Kurzeinsätzen.

Ist der Spielertyp, den Strobl verkörpert, künftig noch gefragt?

Die Saisonbilanz des gebürtigen Müncheners ist mit 34 Kadernominierungen, 26 Startelfeinsätzen, 3 Einwechslungen und 5 Partien ohne Einsatz gleichwohl mehr als ordentlich. Hervorzuheben ist zudem, dass er die Belastung nach der fast einjährigen Pause ohne nachhaltige Probleme weggesteckt hat und es keinen verletzungsbedingten Ausfall zu beklagen gab. Dennoch ist eine Prognose schwer, wie es für Tobias Strobl in Mönchengladbach weitergeht (Vertrag bis 30.06.2020). Unter Marco Rose werden die Karten neu gemischt und es sieht zumindest auf den ersten Blick so aus, dass der Spielertyp, den Strobl verkörpert, nicht mehr so gefragt sein wird. Andererseits kann er aufgrund seiner Erfahrung und Vielseitigkeit auch für einen Trainer eine wertvolle Alternative im Kader sein, dessen Grundprinzip auf Tempo und aggressives Pressingverhalten ausgelegt ist. Ab Juli wird man klarer sehen.

 


von Marc Basten

 

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