Martin Stranzl will es nochmal wissen

Stranzl: »Den Ehrgeiz habe ich«

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Martin Stranzl und Jonas Hofmann (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Martin Stranzl und Jonas Hofmann (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Martin Stranzl steht wieder auf dem Trainingsplatz. Der Routinier ist trotz der Verpflichtung seines Landsmanns Martin Hinteregger eine Art Hoffnungsträger für die Fohlenelf. Sein kurzfristiges Ziel ist der Rückrundenauftakt gegen Dortmund.

Eigentlich war Martin Stranzl ›weg vom Fenster‹. Nach einer monatelangen Verletzungspause gab Borussias Kapitän im Heimspiel gegen den HSV (0:3) sein Saisondebüt, das nur 65 Minuten dauerte. Er rasselte bei einer Ecke mit Håvard Nordtveit zusammen und zog sich einen komplizierten Bruch der Augenhöhle zu.

Angesichts der Schwere der Verletzung dachten viele an ein Karriereende des 35-Jährigen. Er selbst auch. »Als das passiert ist, habe ich gesagt, ›das war es jetzt‹«, erklärt Stranzl in der Journalistenrunde im Trainingslager in Belek. Die Folgen des Unfalls spürt er immer noch. »Es gibt ein Taubheitsgefühl bei Belastung oder Temperaturwechsel. Das kann sich noch ziemlich lange hinziehen, sagt der Arzt. Zumindest ist im Sommer geplant, die ganzen Platten zu entfernen«.

Trotz der schlimmen Verletzung und des Folgerisikos (»Wenn nochmal etwas passiert, wird es nicht so glimpflich ausgehen«) wollte es Stranzl nochmal wissen und arbeitete sich wieder an die Mannschaft heran. Doch im dritten Training der nächste Rückschlag - er zog sich eine Oberschenkelverletzung zu. »Wir haben zwei Wochen vorher schon extrem viel Gas gegeben und alles simuliert - da war gar nichts. Dann machst du nach dem fünften Lauf nochmal einen langen Schritt und auf einmal gibt es einen Stich im Muskel. Das kannte ich bisher so nicht. Da gerät man schon ins Grübeln, weil man eigentlich im Vorfeld alles getan hat. Das ist nicht gerade förderlich für die Psyche«.

Doch auch diesmal warf Stranzl die Brocken nicht hin und schaffte den Anschluss um in sein wahrscheinlich letztes halbes Jahr als Profi zu gehen - sein Vertrag läuft bekanntlich im Sommer aus. »Was sein wird, müssen wir abwarten«. Mit Max Eberl hat er abgesprochen, dass »wir keinen Schnellschuss machen. Im März setzen wir uns zusammen und werden dann definitiv eine Entscheidung treffen, ob im Sommer Schluss ist oder nicht«.

Alles wird davon abhängen, ob Stranzl gesund bleibt. Aktuell läuft alles planmäßig, sieht man mal vom Flug nach Belek ab. Im Flieger war sehr wenig Platz, gerade für ›ausgewachsene Männer‹ wie Martin Stranzl. »Da tut einem alles weh«, klagt er. Doch diese »sehr hohe Belastung« dürfte er überstehen.

»Für mich geht es jetzt darum, kontinuierlich dabei zu sein - auch im Testspiel - und einen gewissen Rhytmus zu kriegen«. Wenn keine neuerliche Verschlechterung eintritt, will Stranzl gegen Dortmund auf dem Platz stehen: »Den Ehrgeiz habe ich«. Und dann wird Stranzl die Mannschaft als Kapitän aufs Feld zu führen. »Ich gehe davon aus, dass es so bleibt«.

Seinem Stellvertreter (oder Nachfolger) Granit Xhaka bescheinigt er eine gute Entwicklung. »Granit hat schon letztes Jahr einen großen Schritt gemacht und ist nochmal ein Stück gewachsen mit dem Kapitänsamt«. Überhaupt haben sich innerhalb des Teams die Strukturen etwas verschoben. »Viele erfahrene Spieler sind weggefallen, die ein gewichtiges Wort in der Mannschaft haben. Da ist es wichtig, dass Spieler heranreifen, die Verantwortung übernehmen und sich zeigen«.

Neben Xhaka, Stindl, Sommer und Wendt hebt Stranzl vor allem Fabian Johnson hervor. »Er hat einen Riesenschritt gemacht. Für mich ist er der Spieler, der die meiste Bedeutung in der Mannschaft gehabt hat. Durch seine Laufarbeit, seine Power und sein Engagement«.

Während Martin Stranzl für sein wohl letztes Comeback arbeitet, tritt mit Martin Hinteregger ein neuer Innenverteidiger ins Rampenlicht bei Borussia. Die generationsübergreifende Geschichte der beiden Martins aus Österreich springt einen förmlich an, doch Stranzl nimmt ihr schnell die Dynamik. »Ich kenne ihn nicht«, gibt er zu. Den österreichischen Fußball verfolgt der ehemalige Nationalspieler nicht, von daher »kann ich auch nichts über ihn sagen«. Nur so viel: »Die Bundesliga ist eine ganz andere Herausforderung als die österreichische Liga«.

Ob es mal das Duo Stranzl & Hinteregger in Borussias Innenverteidigung geben wird, bleibt abzuwarten. Für Martin Stranzl zählt ohnehin nur eins: »Ich freue mich auf das halbe Jahr und hoffe einfach nur, dass ich verletzungsfrei bleibe«, sagt er. Mit dieser Hoffnung steht er sicher nicht alleine da ...

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