Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 5:0 (1:0)

Stabil und dominant

von Redaktion TORfabrik.de
Herrmann netzt entschlossen ein (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Herrmann netzt entschlossen ein (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach überzeugte beim 5:0 über Hertha BSC auf ganzer Linie. Defensive Stabilität, fußballerische Dominanz und klare Offensivaktionen prägten das Spiel. Die Mannschaft begeisterte - inklusive der Einwechselspieler.

Yann Sommer: Das vierte Heimspiel in Folge ohne Gegentor für den Goalie. Er wurde kaum ernsthaft geprüft und verlebte einen ruhigen Nachmittag, zumal er im Aufbauspiel nur selten als Anspielstation eingebunden werden musste. Brachte sich nur einmal selbst in die Bredouille, als er Haraguchi zu nah an sich heranließ, bevor er den Ball wegschlug. Das ging fast in die Hose. Note 3,0.

Nico Elvedi: Eine sehr abgeklärte Leistung des 19-Jährigen, was er u.a. bei der coolen Kopfballrückgabe zu Sommer zeigte. Er korrigierte die Folgen eines schläfrigen Passes von Nordtveit und überzeugte mit gutem Stellungsspiel. Elvedi stellte den Gegenspieler stets im richtigen Moment, ohne ihn übereifrig anzurennen oder anzurempeln. Räumte unaufgeregt eine harte, flache Flanke weg. Insgesamt agierte er total unspektakulär. Doch wie sagte Johan Cruijff so schön: Fußballspielen ist sehr einfach, aber einfachen Fußball zu spielen, ist das Schwierigste. Note 2,0.

Andreas Christensen: Erneut eine Klassepartie des 19-Jährigen. Herausragend, wie er Ibisevic beherrschte und diesen mit allen Wassern gewaschenen Stürmer nicht den Hauch einer Chance ließ. Ungemein bissig und immer schneller im Kopf als die Gegner. Rettete innerhalb kürzester Zeit zum Einwurf, zu einer Ecke und bügelte einen Nordtveit-Fehler aus. Auch in Zeitnot und unter Druck klärte er zum Mitspieler. Seine Antizipation war nahezu perfekt. Note 1,5.

Håvard Nordtveit: Fiel als einziger Borusse an diesem Nachmittag leistungsmäßig etwas aus dem Raster. Machte bei Herthas erster Offensivaktion die Tür für Weiser auf und wurde umspielt. In einigen Situationen mit technischen Fehlern und Problemen im Kopfballtiming. Mit mehreren Fehlpässen ein Risikofaktor. In der zweiten Halbzeit fast wieder an einer ›Billard-Eigentor-Situation‹ beteiligt. Er räumte zwar einiges weg, doch insgesamt fehlte es etwas an Souveränität. Note 3,5.

Fabian Johnson: Wieder auf der rechten Halbposition unterwegs, was er vor allem taktisch gut löste. Johnson machte viele richtige Wege und war offensiv wie defensiv aufmerksam. Rettete zur Ecke bei einem Berliner Angriff vor der Pause und war immer vehement auf der Suche nach Ballgewinnen. Zwar war auch der eine oder anderer ›Verspringer‹ dabei, doch er kurbelte das Angriffsspiel mit an und fand den Weg in den Strafraum. Bediente Hahn selbstlos - und fast verunglückt - zum 2:0 und zog kurz darauf nach schneller, kurzer Drehung mit einem verdeckten Schuss ab, den Jarstein klasse parierte. Note 3,0.

Mo Dahoud: Wieder sehr viel unterwegs und mit einem großen Aktionsradius. Auffällig gut sein Zweikampfverhalten mit mehreren Balleroberungen und klugen Spielfortsetzungen. So bereitete er mit seinem Ballgewinn gegen Baumjohann das 4:0 vor. Vor dem 1:0 reagierte er geistesgegenwärtig, als er bewusst darauf spekulierte, dass da etwas passieren konnte. Der Pass auf Hazard war klasse. Hin und wieder war Dahoud etwas leichtsinnig, einige Larifari-Aktionen Mitte der ersten Halbzeit brachten seinen Trainer in Rage. Wenn es galt direkt zu spielen, waren zudem einige Pässe ungenau. Nach der Pause spielte er dann wieder klarer. Machte in der 81. Minute für Tony Jantschke Platz und war dennoch der Borusse mit der größten Laufleistung. Note 2,5.

Granit Xhaka: Der ›Boss‹ überzeugte wie zuletzt mit einer kontrollierten und reifen Leistung. Hatte sich komplett unter Kontrolle und ließ sich zu nichts hinreißen. Im Zweikampf zwar nicht immer Sieger, doch die relevanten Duelle entschied er für sich. Xhaka forderte die Bälle, temporisierte ausgezeichnet und spielte überlegte Pässe. Agierte sehr gut im Raum und behielt die Ordnung stets im Blick. Immer mit einem Auge für freie Mitspieler zwischen den Linien. Perfekt sein langer Pass zu Hazard. Note 2,0.

Oscar Wendt: Präsentierte sich bei seinem Comeback flott, frisch und forsch. Phasenweise war er fast sowas wie der vierte Stürmer. Hatte eine offene Schusschance zur frühen Entscheidung kurz nach der Pause, doch er traf Ball und Boden und geriet zudem in Rücklage. Defensiv sehr kontrolliert und konzentriert. Nur in einer kurzen Phase nach dem 2:0 mit kleineren Problemen. Vor allem im Offensivspiel ein erkennbarer Mehrwert gegenüber Hinteregger auf dieser Position. Note 3,0.

Thorgan Hazard: ›Man of the match‹ und das nicht nur aufgrund seiner beiden Tore. Er war ungemein aktiv und agil, flexibel unterwegs und von den Herthanern kaum zu stoppen. Hazard eroberte mehrfach den Ball, u.a. gegen Cigerci. Beim 1:0 behielt er die Nerven, etwas später war die Ballmitnahme nach dem Xhaka-Traumpass nicht optimal. Bei seinem Treffer zum 4:0 hatte er etwas Glück, dass der Ball ›perfekt‹ abgefälscht wurde. Mit dem giftigen Flachschuss lieferte er den Halb-Assist zum Herrmann-Treffer. In der Abrundung manchmal zu kompliziert die Lösung suchend, doch insgesamt mit einem tollen Auftritt. Machte sieben Minuten vor Schluss unter Standing Ovations für seinen Kumpel Traoré Platz. Note 1,5.

Lars Stindl: Musste sich etwas umstellen, weil sein Partner Raffael fehlte. In der Orientierungsphase zu Beginn übersah er den durchgestarteten Wendt. Nach und nach klappte die Raumaufteilung vorne besser, Stindl agierte vermehrt als Verbindungsspieler. Hier mit zwei, drei unglücklichen Aktionen. In der zweiten Halbzeit war er wesentlich präsenter und beim 2:0 involviert. Spielte den tollen Pass zu Johnsons Chance und steuerte den Assist zum 5:0 bei. Er selbst gab diesmal keinen Torschuss ab. Note 3,0.

André Hahn: Brachte seine Stärken von Beginn an ein: Präsenz und Wucht. Hahns Anläufe strahlten Gefahr aus und setzten die Berliner unter Druck. Er kombinierte bemerkenswert gut mit und die offensiven Laufwege waren mehrfach gut gewählt. Sauschnell im Sprint gegen Lustenberger. Ein Faktor bei hohen Anspielen und gegen Ibisevic bei Berliner Ecken. Erzielte ein richtig geiles Tor, bei dem er seine starke Schusstechnik mit seinem unbedingten Willen kombinierte. Derart wuchtige Abschlussaktionen sind eine Bereicherung. Powerte sich aus und wurde nach 66 Minuten durch Herrmann ersetzt. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Stand 24 Minuten auf dem Feld und die Statistiker zählten gerade einmal vier Ballaktionen. Die waren jedoch allesamt bemerkenswert: Zunächst blieb er bei einem aussichtsreichen Konter hängen, dann brachte Hazard Herrmanns eher schwache Hereingabe doch noch gefährlich aufs Tor und Herrmann selbst konnte zum 3:0 abstauben. Und in der Schlussminute klatschte sein Schuss ans Lattenkreuz. Ohne Note.

Tony Jantschke: Gab für neun Minuten sein Comeback im defensiven Mittelfeld. Dort mit 10 Ballkontakten, einer Passquote von 100% inklusive des tollen direkten Durchsteckpasses auf Stindl vor dem 5:0. Ohne Note.

Ibrahima Traoré: Auch sein fünfminütiger Einsatz hatte es in sich. Er markierte mit dem frechen Schuss aufs kurze Eck das 5:0 und bereitete Herrmanns Lattenschuss vor. Ohne Note.

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