Nachdreher aus Sinsheim

»Spielerisch haben wir nicht das abgerufen, was wir können«

von Nachdreher aus Sinsheim

Vollbeschäftigung für Jordan Beyer bei seiner Bundesligapremiere als Innenverteidiger (Foto: Daniel Roland / AFP / Getty Images)

Nach dem Abpfiff der heißen Nullnummer im kalten Stadion in Sinsheim gab es keine zwei Meinungen: Der eine Punkt für Borussia Mönchengladbach war sehr glücklich. Und durch die Verletzungen von Stindl und Raffael letztlich teuer erkauft.

Ein Spektakel wurde allenthalben erwartet, als sich die TSG Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach am Samstag duellierten. Borussias Trainer Dieter Hecking hatte schon im Vorfeld ein wenig auf die Bremse getreten und durchblicken lassen, dass ein Spektakel nun nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste für dieses Auswärtsspiel stehen würde. Und genauso kam es dann auch: Borussia überließ Hoffenheim den Ball und wollte aus einer soliden Grundordnung Nadelstiche setzen.

Das mit der soliden Grundordnung ging auf, auch wenn Hecking gezwungen war, die durch das Fehlen von Matthias Ginter ohnehin geschwächte Verteidigung nochmals umzubauen. Der kurzfristige Ausfall von Tony Jantschke spülte Jordan Beyer erstmals nach dem fünften Spieltag wieder ins Team. In seinen bisherigen Einsätzen kam der 18-Jährige als Rechtsverteidiger zum Zuge, in Sinsheim gab er seine Premiere als Innenverteidiger.

Die Aufgabe löste der Youngster mit Bravour, obwohl es alles andere als ein Kinderspiel war. Doch weder in der Viererkette, noch nach der Pause als rechter Mann in der Dreierkette gab sich Beyer eine Blöße. »Der steht hier drin, als er hätte er nie was anderes gemacht und hält diesem Druck stand«, sagte Hecking anschließend. »Das stimmt mich sehr, sehr positiv«.

Jordan Beyer und der krasse Druck von Hoffenheim

Beyer selbst musste erstmal kräftig durchatmen. »Man muss sagen, dass der Druck, den Hoffenheim am Ende aufgebaut hat, sehr krass war. Das habe ich so noch nie wirklich erlebt. Wir haben einen Ball hinten raus geschlagen und der kam postwendend wie ein Boomerang zurück in den Strafraum. Man musste jede Sekunde in ein Kopfballduell oder einen Zweikampf.«

Dass es eine regelrechte Abwehrschlacht wurde, hatten sich die Borussen natürlich nicht so ausgemalt. »Wir hatten von Anfang an nicht so den Zugriff«, sagte Florian Neuhaus. »Wir wollten viel besser hinten heraus spielen und deutlich offensiver agieren, als wir es letztlich geschafft haben.« Im ersten Durchgang gab es zumindest eine etwas bessere Phase, in der Plea und Hazard die beiden besten Möglichkeiten für Borussia hatten. Doch vor allem in der zweiten Halbzeit war die Gladbacher Offensivleistung kaum messbar.

»Spielerisch haben wir nicht das abgerufen, was wir können«, bestätigte Dieter Hecking. Das hatte einerseits mit der eigenen, nicht wirklich zu erklärenden, Unsicherheit am Ball zu tun, andererseits auch mit einem sehr gut aufgelegten Gegner. Dessen Trainer Julian Nagelsmann sprach anschließend sogar davon, dass Hoffenheim in seiner gesamten Amtszeit noch nie besser gespielt habe, als an diesem Nachmittag gegen die Borussia.

Das Ergebnis war das Beste an dem Spiel

Natürlich durfte Dieter Hecking berechtigt auf die Personalsituation verweisen. »Wir haben auswärts bei einer Top-Mannschaft mit ganz vielen sehr jungen Spielern gespielt, die lange keine Spielpraxis bekommen haben. Wie die Jungs sich in dieser schwierigen Partie gewehrt haben, verdient Respekt, auch wenn in der einen oder anderen Situation auch viel Glück dabei war.«

»Wir müssen ehrlich zugeben, dass das Ergebnis das Beste an dem heutigen Spiel ist«, sagte Florian Neuhaus. »Natürlich muss man nicht darüber diskutieren, dass wir hier glücklich einen Punkt mitnehmen«, bestätigte Hecking. Borussia hat Hoffenheim auf Distanz gehalten und gleichzeitig den zweiten Tabellenplatz behauptet. Zufrieden wirkten die Gladbacher beim Verlassen der Arena in Sinsheim jedoch nicht. Vor allem die Verletzungen von Stindl und Raffael (siehe Extrameldung) drückten die Stimmung deutlich. Und die Frage, warum nur so wenig Fußball gespielt wurde, konnte letztlich auch nicht befriedigend beantwortet werden.


von Marc Basten

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