Einzelkritik: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 0:0

Sommer und Glück

von Redaktion TORfabrik.de
Kein guter Tag für Lars Stindl & Co. (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Kein guter Tag für Lars Stindl & Co. (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Der Punkt beim torlosen Remis in Frankfurt war glücklich, weil die Borussen vor allem im offensiven Bereich viel zu wenig zeigten. Entsprechend fällt die Einzelkritik aus. Richtig stark war nur Yann Sommer.

Yann Sommer: Borussias Schlussmann wurde zum ›Bewahrer des Auswärtspunktes‹ für sein Team. Highlight natürlich der Elfmeter, bei dem er mit deutlich anderer Körpersprache zu Werke ging als zuvor. Er machte einen Schritt hinter die Linie, ruderte mit den Armen und war explosiv beim Absprung. Sommer hielt sein Team darüber hinaus weiteren Paraden im Spiel: Beim Kopfball von Tawatha an den Pfosten hatte er seine Finger dran und Hrgotas Großchance parierte er ausgezeichnet. Bei hohen Bällen und sonstigen Situationen abgeklärt und sicher. Note 1,0.

Tony Jantschke: Rettete Mitte der ersten Halbzeit bei einem Fabian-Schuss aus kurzer Entfernung vor der Linie. Darüber hinaus hatte Jantschke Probleme mit dem knallharten Rebic, der ihn mit seinem körperlichen Spiel sehr forderte. In zwei, drei Situationen ließ sich Jantschke zu einfach abkochen. Vor dem Pfostenkopfball von Tawatha wurde er von Rebic weggeblockt und auch die Handverletzung resultierte aus einem Duell mit dem Kroaten. Dieser checkte Jantschke zunächst grenzwertig weg und trat ihm anschließend noch auf die Hand. Nach der Behandlung hatte Jantschke seine stärkste Phase und spielte ein paar gute Bälle. Zur zweiten Halbzeit blieb er wegen der Handprellung draußen. Note 4,0.

Andreas Christensen: Nicht so dominant in seiner Körpersprache wie gewohnt. Der Däne leistete sich keine nennenswerten Fehler und sein Stellungsspiel war weitestgehend in Ordnung. In den direkten Zweikämpfen nicht ganz so stabil wie sonst. Im Spielaufbau etwas dürftig, was allerdings auch an der fehlenden Bewegung der Anspielstationen lag. Note 3,0.

Yannik Vestergaard: Sah nach wenigen Sekunden im Zweikampf mit Hrgota schlecht aus. Schwierigkeiten bekam er, wenn er rausrückte. So konnte er im ersten Durchgang vor der Fabian-Chance Chandler auf dem Flügel mit langem Bein nicht stoppen. Den Chip-Pass von Fabian auf Hrgota zu dessen Großchance ermöglichte Vestergaard, weil er nur halbherzig vorrückte. Wenn der Däne auf seiner Position stand, wurde er zum unüberwindlichen Hindernis für die Frankfurter. Mehrfach stellte er sich in den Weg und ließ die Angreifer einfach ›abprallen‹. Auf diese Art und Weise räumte er einiges weg und hatte klar die Oberhand bei den Zweikämpfen. Note 3,5.

Oscar Wendt: Hatte über weite Strecken der ersten Halbzeit deutliche Probleme mit dem nachrückenden Chandler, der mehrfach flanken konnte. Die Abstimmung mit Hazard, aber auch mit Vestergaard passte des Öfteren nicht. Im Spielaufbau aufgrund des Frankfurter Pressings zurückhaltend, seine Offensivaktionen hatten Seltenheitswert. Sein letztlich harmloser Distanzschuss bedeutete die erste Torannäherung. Nach dem Wechsel hatte der Schwede Chandler besser im Griff. Mit seinem Handspiel verursachte er den unstrittigen Elfmeter. Insgesamt fehlte es Wendt an Spritzigkeit und Intensität. Note 4,0.

Tobias Strobl: Konnte auch in Frankfurt nicht an die Leistung anknüpfen, die er in den ersten Monaten der Saison zeigte. Er arbeitete, lief, hielt und stellte den Gegner, aber über Störaktionen hinaus gelang ihm nur wenig. Ein gelungener Pass auf Hofmann war die einzig nennenswerte spielerische Aktion. Mehrfach pulverisierte er Balleroberungen durch Fehlpässe bei der Fortsetzung. Bei der Elfmetersituation verhielt er sich schlecht gegen Seferovic, dessen Kopfball Wendt mit der Hand spielte. Kurz darauf sah Strobl Gelb-Rot, nachdem er im Mittelfeld mit langem Bein zu spät gegen Severovic kam. Note 4,5.

Mo Dahoud: War der einzige Borusse, der öfter mal die spielerische Lösung im Aufbau fand und mit guten Pässen das Geschehen verlagerte. Bei einem Verzweiflungs-Solo wurde er von Mascarell gefoult, Vallejo sah Gelb für ein weiteres Foul an Dahoud. Der künftige Dortmunder war der laufstärkste Spieler auf dem Platz und stibitzte einige Bälle. Richtig zu glänzen vermochte er aber nicht. In einer Situation ließ er sich einfach den Ball abluchsen, als er sich zu viel Zeit nahm. Note 3,0.

Jonas Hofmann: Bekam im ersten Durchgang kein Bein auf den Boden, vor allem defensiv war er keine Hilfe für Jantschke. Anfängerhaft, wie er sich vor dem Pfostenkopfball von Tawatha wegdrücken ließ. Überhaupt war sein Zweikampfverhalten gegen robuste Frankfurter viel zu zaghaft. Körperlos zu spielen funktioniert in der Bundesliga nicht. Nach der Pause hatte Hofmann eine Schussgelegenheit, als er aus dem Lauf über das Tor zielte. Nach einem der wenigen gelungenen Umschaltangriffe über Raffael und Dahoud verdaddelte Hofmann die Chance durch einen Rückpass ohne Abnehmer. Wenige Momente später rutschte er in aussichtsreicher Position weg. Kurz darauf wurde er gegen Herrmann ausgetauscht. Note 4,5.

Thorgan Hazard: Nach einer abgeschlagenen Ecke spielte er einen Traumpass auf Hofmann - das war es aber auch mit der Herrlichkeit des Belgiers bei seinem Startelf-Comeback. Er fand so gut wie gar nicht statt, außer bei einem halben ›Bicycle-Kick‹ war nichts von ihm zu sehen. Hazard konnte sich am Ball nicht behaupten und verlor die meisten seiner Zweikämpfe. Nach hinten war er keine Hilfe für Wendt. Ihm fehlt es noch deutlich an Spiel-Rhythmus. Neun Minuten vor dem Ende machte er Platz für Hahn. Note 4,5.

Raffael: War einer der Sieger im offensiven Versteckspiel. Der Brasilianer kam kaum zum Zuge, ließ sich Bälle leicht abnehmen und vermochte nur ganz selten zu einem Dribbling anzusetzen. Im ersten Durchgang lief er so bedächtig herum, als ob er und nicht seine Frau schwanger sei. Die Ausnahme war ein Sololauf über die linke Seite, bei dem er einen Freistoß herausholte. Nach dem Wechsel etwas aktiver und der Auslöser zweier halbwegs gefährlicher Angriffe. Note 4,5.

Lars Stindl: Obwohl der Kapitän über 11 Kilometer lief, war er bei seinem Comeback unter dem Strich ein Komplett-Ausfall. Die Ballannahmen versprangen, die Pässe waren schlecht, Ideen nicht vorhanden. Er sah in jeder Hinsicht träge aus und kam auch im Verlauf der Partie nie richtig in den Rhythmus. Dass Spieler keine Maschinen sind, beweist seine Leistung nach der Vorgeschichte. Note 5,0.

Nico Elvedi: Kam nach der Pause für Jantschke. Interpretierte die Rolle etwas offensiver, aber ebenso uneffektiv. Kleinere Missverständnisse verhinderten mehrfach, dass sich aus durchaus guten Ansätzen etwas entwickeln konnte. Hinten solide, ein wichtiges Kopfballduell in der Mitte gewann er. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Ersetzte Hofmann und brachte etwas mehr Druck und Power, ohne dass die Frankfurter allzu große Sorgen machen mussten. Ohne Note.

André Hahn: Kam für Hazard in den letzten neun Minuten, war allerdings nur einmal am Ball. Ohne Note.

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