Einzelkritik: FC Barcelona - Borussia Mönchengladbach 4:0 (1:0)

Sie kamen um zu staunen

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Einmal gegen Messi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Einmal gegen Messi (Foto: Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Es ging um nichts als die Ehre und die konnten die Spieler von Borussia Mönchengladbach in Barcelona nicht wirklich für sich beanspruchen. Versagt haben beim 0:4 im Nou Camp nicht einzelne Spieler, sondern das Kollektiv.

Yann Sommer: Zeigte zwei absolute Glanzparaden gegen Messi. Einmal vor der Pause, als er zur Ecke abwehrte und in Halbzeit zwei bei einem Flugkopfball des Argentiniers. Zudem verhinderte er ein früheres viertes Gegentor, als er den Versuch von Alcácer parierte. Bei einem langen Steilpass lief der Goalie rechtzeitig aus dem Strafraum und klärte. Fußballerisch ordentlich, bis auf einen sehr riskanten Kurzpass in die Mitte. Bei den ersten drei Gegentoren machtlos, der vierte Treffer wäre zu verhindern gewesen. Sommer sprang mit dem Ball ins kurze Eck, statt einen weiteren Schritt seitlich nach vorne zu machen. Note 3,0.

Andreas Christensen: André Schubert bot vier Innenverteidiger auf, die sich auf der Breite des Sechzehners positionieren sollten. Christensen übernahm dabei den äußeren rechten Part. Der Däne durchschaute einen Messi-Lupfer und blockte einiges weg, wenn auch oft unkontrolliert. Teilweise wurde er, wie die Kollegen, schwindelig gespielt, wenn Barca wie beim 0:1 schnell kombinierte. Da war selbst der eigentlich reaktionsschnelle Christensen überfordert. Note 4,0.

Tony Jantschke: Zweiter von rechts in der Viererkette der Innenverteidiger. Bekam sehr schnell einen ›Drehwurm‹, weil alles um ihn herum so schnell ging. Doch er schaltete zumindest in den Kampf-, und Grätschmodus. So rettete er in höchster Not eine Vidal-Hereingabe, indem er zum Einwurf klärte. Dazu war Jantschke der einzige Abwehrspieler, der auch mal einen richtig harten Zweikampf führte. Stoppte Messi vor der Pause bei zwei Aktionen und bot dem Superstar auch gegen Ende wirklich Paroli - einmal mit einer gelungenen ›Todesgrätsche‹. Jantschke wehrte sich zumindest. Note 3,5.

Jannik Vestergaard: Übernahm die Position links innen in der Verteidigerreihe. Für ihn war es besonders kompliziert, da Barcelona nun mal gerne schnell und flach spielt. Einige Situationen löste Vestergaard, aber er hatte deutlich seine Mühe, die Turbo-Kombinationen zu entschlüsseln. Beim zweiten Tor fälschte er die Hereingabe unglücklich ab, so dass der Ball am langen Pfosten auf dem Kopf von Arda Turan landete. Note 4,0.

Nico Elvedi: Das linke Glied der Vierer-Innenverteidiger-Kette. Wie die Kollegen mehrfach auf Rettungsmission, so wie bei der Klärungstat per Kopf im Strafraum. Vor der Pause bei der Messi-Chance wurde er von Suárez per Hackentrick getunnelt. Im ersten Durchgang klappte die Abstimmung mit Nico Schulz auf der Seite verhältnismäßig gut, nach der Pause fehlte diese zusehends. Frappierend, als sich keiner für Suárez verantwortlich fühlte, als der die Flanke zum 0:2 hereingab. Die linke Abwehr-Seite wurde von Barcelona als schwächste Stelle vermehrt angegriffen. Im Spiel nach vorne gefiel Elvedi mit einem prima Pass auf Korb, woraus letztlich Gladbachs erste Ecke entstand. Note 4,0.

Julian Korb: Zu Beginn mit einigen Aktionen in der gegnerischen Hälfte, die jedoch verpufften - so wie ein Flankenversuch genau auf den vor ihm stehenden Gegenspieler. Über weite Strecken wurde er bei Ballbesitz von Barça sehr tief auf Höhe der Innenverteidiger-Kette zurückgedrängt. In diesem Gebiet tummelte sich Arda Turan, den Korb beim 0:2 erst zu spät auf dem Schirm und beim 0:3 komplett aus den Augen verloren hatte. Die Freiheiten des Türken auf Korbs Seite waren schon atemberaubend. Note 4,0.

Tobias Strobl: Mit einem feinen, weiten und präzisen Verlagerungs-Pass zu Korb erntete er anfangs noch anerkennenden Applaus vom heimischen Publikum. Doch danach wurde es zu einem bitteren Abend für den Ex-Hoffenheimer. Vor dem 0:1 bekam er keinen Zugriff auf Messi, die von Sommer parierte Großchance des Argentiniers leitete Strobl mit einem Stockfehler ein. In seiner stärksten Szene rettete er kurz vor der Pause gegen den einschussbereiten Messi. Ansonsten stieß Strobl auf diesem Niveau überdeutlich an seine Grenzen. Er fiel auf fast jede schnelle Körpertäuschung herein und bekam so gut wie nie wirklichen Zugriff. Note 5,0.

Mo Dahoud: Fing beim ersten Ballbesitz mit einem krassen Fehlpass an. Versuchte es mit fußballerischen Lösungen, wobei er es mit ›Schaufenster-Aktionen‹ übertrieb, anstatt einfach und konkret zu spielen. Dadurch gab es mehrere kritische Ballverluste. Zwei Verlagerungen waren gelungen, ab und an löste er sich gut mit Drehungen. Ein Dribbling vor dem eigenen Strafraum war hochgefährlich, ging aber gut. Defensiv eher passiver Beobachter, wie beim Messi-Pass vor dem 0:3. Sah Gelb für ein ›verständliches‹ Frust-Foul gegen Umtiti, als er kurz zuvor selber attackiert wurde und ein Pfiff ausblieb. Gelbverwarnt wurde er für Kramer ausgewechselt. Note 4,0.

Nico Schulz: Nach langer Zeit mal wieder im Team, übernahm der Ex-Herthaner die linke Außenbahn. Wie Pendant Korb auf der anderen Seite wurde er oftmals weit zurückgedrängt, so dass Borussia zeitweise tatsächlich eine Sechserabwehrkette auf dem Feld hatte. Schulz durchschaute zunächst einige Doppelpassversuche und positionierte sich in vielen Situationen gar nicht so schlecht. Auch nach vorne hatte er Ansätze und wollte schnell ausbrechen. Bei einem dieser Sprints büßte er seinen Vorsprung ein und wurde noch abgelaufen. Nach der Pause baute Schulz sichtbar ab. Beim 0:2 ließ er sich gemeinsam mit Elvedi düpieren, vor dem 0:3 machte er für Messi die Türe auf für den Steilpass. Nach einer Stunde wurde Schulz von Johnson ersetzt. Note 4,0.

Thorgan Hazard: Kam relativ gut in die Partie und spielte den Pass zu Hahn, der unberechtigterweise wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Hazard hatte eine Super-Umschaltaktion, als er mit Gegnern im Rücken angespielt wurde, sich mit Ball schnell drehte und auf Schulz spielte. Im weiteren Verlauf immer schludriger, wie bei einem eigentlich einfach zu spielenden Verbindungspass. Holte Borussias erste Ecke raus und sorgte damit für einen Jubelsturm unter den mitgereisten Fohlen-Fans. Die Ecke schoss er jedoch schwach. Er spielte einen für Kramer gedachten Pass zu steil ins Aus und schickte Hahn, als dieser vermeintlich elfmeterreif gefoult wurde. In der 72. Minute machte Hazard Platz für Raffael. Note 4,0.

André Hahn: War vorne ziemlich alleine auf weiter Flur, doch er suchte stets den direkten Weg in Richtung gegnerischen Strafraum. So wäre er in der Anfangsphase alleine aufs Tor zugelaufen, wenn nicht fälschlicherweise auf Abseits entschieden worden wäre. Alsdann wurde Hahn gefoult, als er steil ging, doch der Referee ließ weiterspielen. Nach der Pause im Laufduell gegen zwei Katalanen im Strafraum am Fuß getroffen - hier wäre ein Elfmeter vertretbar gewesen. Doch Hahns bester Gegner an diesem Abend war der Schiedsrichter. Ansonsten rackerte er wie gewohnt und arbeitete - wenn auch nicht immer mit viel Geschick - mit nach hinten. Note 3,5.

Christoph Kramer: Kam für Dahoud in der letzten halben Stunde und brachte etwas Kontrolle ins Spiel, so dass sich die Ballbesitzphasen leicht erhöhten. Ohne Note.

Fabian Johnson: Ersetzte Schulz und startete einige Läufe über links. Wurde in die Tiefe geschickt, lief aber falsch, um den Ball erfolgreich mitzunehmen. Wenig später klappte es besser und er kurvte um Cillessen herum, konnte jedoch nicht abschließen und sein Flankenversuch misslang. Ohne Note.

Raffael: Wurde für die letzten 18 Minuten für Hazard eingewechselt. Machte sofort einen sichtbaren Qualitätsunterschied aus. Mehrfach sicherte Raffael den Ball, schüttelte einen oder mehrere Gegenspieler ab und zog dann los. Spielte den Pass zur Johnson-Chance. Ohne Note.

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