Oscar Wendt - Resümee und Ausblick

Oscar Wendt: Bis Ende März nochmals der Dauerbrenner

von Oscar Wendt - Resümee und Ausblick

Oscar Wendt nach seinem ersten und einzigen Saisontreffer gegen Augsburg (Foto: TORfabrik.de)

In seiner achten Saison bei Borussia Mönchengladbach war Oscar Wendt bis Ende März ein zuverlässiger Dauerbrenner. Der Schwede spielte solide und war als Linksverteidiger erneut konkurrenzlos. Sein Vertrag verlängerte sich per Klausel um ein Jahr.

Es ist schon gewissermaßen ein Tanz auf der Rasierklinge, den die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach in den letzten Jahren hinsichtlich der Position des Linksverteidigers aufgeführt haben. Seitdem sich Filip Daems 2015 in Gladbach verabschiedet hatte, gab es keinen echten Konkurrenzkampf auf der linken Seite. Vor der nun abgelaufenen Saison wurde mit Andreas Poulsen zwar ein Linksverteidiger mit Perspektive verpflichtet, doch es war schnell klar, dass der junge Däne im ersten Jahr noch keine ernsthafte Alternative sein würde. So rauschte ‘der ewige Oscar’ auch im vierten Jahr in Folge mit einer Stammplatzgarantie unter dem Arm durch die Spielzeit.

Trotz seiner mittlerweile 33 Jahre gelang ihm dies sehr ordentlich. Der Rhythmus ohne internationale Spiele kam ihm zugute, so dass er an den ersten 27 Spieltagen gerade einmal 13 Minuten verpasste (Auswechslung bei der Niederlage in Leipzig). Ansonsten gab Wendt einmal mehr den Dauerbrenner auf der linken Seite. An das von Dieter Hecking neu eingeführte 4-3-3 hatte er sich schnell gewöhnt. Sein Fokus lag mehr auf der Defensivarbeit als früher im 4-4-2, was seinem Spiel insgesamt Stabilität verlieh. Nur selten sah man ‘Lari-Fari-Zweikämpfe’ von Wendt, der meist grundsolide verteidigte und ein gutes Gespür entwickelte, wenn er offensiv mit anschieben musste.

Der ausländische Spieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen für die Fohlenelf

Exemplarisch sei hier das Auswärtsspiel in Bremen erwähnt, als seiner perfekten Vorbereitung zum 3:0 ein toller Sprint vorausging. Insgesamt spielte Wendt selten wirklich spektakulär, aber zumeist seriös und passsicher. Eine gewisse Spielfreude war ihm in der Hochphase im Herbst durchaus anzumerken und auch in komplizierten Spielen, wie beim torlosen Remis in Hoffenheim, konnte er sich mit Routine und gutem Stellungsspiel behelfen. Dass es bis zum 19. Spieltag dauerte, bis er seinen ersten und einzigen Saisontreffer markierte, lag auch darin begründet, dass er weitaus weniger im gegnerischen Strafraum auftauchte als im ‘alten’ System. Der Führungstreffer gegen Augsburg war Ende Januar der wichtige ‘Dosenöffner’. Dass das 2:0 gegen den FCA an diesem nordisch frischen Samstag der letzte Heimsieg der Saison sein sollte, wird auch Oscar Wendt nicht für möglich gehalten haben.

In der Woche darauf gegen Schalke feierte er ausgelassen den Sprung auf Platz 2. Das 0:3 gegen Berlin am folgenden Wochenende wurde zunächst nur als Ausrutscher verbucht, die Doppelpack-Pleite kurz darauf gegen Wolfsburg und Bayern ließ jedoch bereits die Alarmglocken schrillen. Als es allgemein im rasenden Tempo den Bach hinunter ging, konnte auch Wendt dem nichts entgegenstellen. Zumindest hinterließ der Schwede von den vier Mann hinten den stabilsten Eindruck und leistete sich nur beim letzten Treffer gegen Wolfsburg einen individuellen Schnitzer. Dennoch war die Partie gegen die Autostädter für den Schweden besonders. Es war sein 25. Pflichtspiel der laufenden Saison und damit griff eine Klausel im eigentlich bis Juni 2019 laufenden Vertrag, wonach eine automatische Verlängerung um ein Jahr erfolgt, sollte der Spieler diese Anzahl an Pflichtspielen erreichen. Gleichzeitig sicherte er sich als der ausländische Spieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen für die Fohlenelf einen Eintrag in der Vereinschronik.

Nach der Umstellung auf Dreierkette fand sich Wendt auf der Bank wieder

Als Dieter Hecking nach der Pleite in Düsseldorf und seiner drei Tage später verkündeten Demission am folgenden Spieltag gegen Bremen auf Dreierkette umstellte, fand sich Oscar Wendt zum ersten Mal auf der Bank wieder. Auch in Hannover saß er die komplette Spielzeit draußen, im Heimspiel gegen Leipzig kam er in den letzten zehn Minuten zum Einsatz, beim schlimmen Spiel in Stuttgart in der letzten halben Stunde. Da es die Position des nominellen Linksverteidigers in diesem System nicht mehr gab, war der Verzicht auf Wendt einerseits erklärbar. Andererseits hat der Schwede in der Vergangenheit bewiesen, dass er in offensiverer Rolle im linken Mittelfeld vor einer Dreierkette eigentlich noch stärker ist. Von daher war es nicht nachvollziehbar, dass Dieter Hecking Wendt außen vor ließ und stattdessen Thorgan Hazard mit dieser Aufgabe betraute und damit die ohnehin chronisch torungefährliche Mannschaft um eine Offensivoption brachte.

Nach zwei Spielen Pause und zwei Kurzeinwechslungen stand Wendt am 32. Spieltag gegen Hoffenheim wieder in der Startelf. Doch er war nur ein Schatten seiner selbst und hatte erhebliche Probleme, auch als später wieder auf Viererkette umgestellt wurde (Note 5,0). Auch am folgenden Wochenende in Nürnberg, als zumindest die Europa League gerettet wurde, war Wendt der schwächste Borusse. Beim Saisonfinale gegen den BVB trat er insgesamt wieder etwas stabiler auf. Unter dem Strich war es eine vernünftige Saison des Schweden, auch wenn die letzten Wochen alles andere als befriedigend verliefen.

Ewig wird das - auch mit dem ewigen Oscar - nicht funktionieren

Wie die Zukunft des bald 34-Jährigen unter dem neuen Trainer aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die Vertragssituation ist klar - ein Jahr wird er noch in Gladbach sein. Nicht ausgeschlossen ist, dass man sich dennoch trennt - Interessenten aus Schweden soll es angeblich geben. Doch unabhängig davon muss sich bei Borussia auf der linken Seite perspektivisch etwas tun. Falls man Poulsen den großen Schritt (noch) nicht zutraut - und danach sieht es aktuell aus - muss zwingend ein neuer Linksverteidiger geholt werden. Auch wenn auf Oscar Wendt immer Verlass war und er stets dafür gesorgt hat, dass Borussias Vabanquespiel auf der linken Seite gut ausgegangen ist. Ewig wird das - auch mit dem ewigen Oscar - nicht funktionieren.

 


von Marc Basten

 

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