Stand der Dinge

Stand der Dinge: Noch ist alles im grünen Bereich

von Stand der Dinge

Trotz der beiden 0:3-Niederlagen zuletzt müssen Elvedi & Co den Kopf hochnehmen (Foto: TORfabrik.de)

Ist Borussia Mönchengladbach innerhalb von drei Wochen vom Meisterschaftsanwärter zum Krisenteam mutiert? Sicher nicht. Noch ist alles im grünen Bereich. Aber die Borussen haben jetzt etwas zu verlieren.

Die Geschichten von der Meisterschaft sind in und um Mönchengladbach längst wieder dahin verschwunden, wo sie hingehören: ganz tief in der unteren Schublade. Stattdessen wird nach drei Spielen ohne Sieg mit einem Torverhältnis von 1:7 gerätselt, ob Borussia nur eine Ergebniskrise hat oder doch mehr dahintersteckt. Die Unkenrufe nehmen zu, wonach plötzlich die ‚große Flatter‘ bei der Fohlenelf herrschen soll.

Wie immer im Fußball liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Natürlich hat das Team zuletzt vor dem Tor zu viel liegengelassen, sich hinten abkochen lassen (Berlin) oder individuell gepatzt (Wolfsburg). Doch es ist nicht in Stein gemeißelt, dass die Mannschaft traumwandlerisch sicher im richtigen Moment trifft - wie oftmals in der Hinrunde, aber auch bei den drei Siegen in der Rückrunde. Der gefeierte Auswärtssieg in Leverkusen war ganz sicher auch dem Matchglück geschuldet und hätte bei Christoph Kramer auf Schalke nicht alles gepasst, wäre man torlos vom Platz gegangen und hätte sich der Kritik stellen müssen, in Überzahl einen schwachen Gegner nicht erlegt zu haben.

Die Niederlagen gegen Berlin und Wolfsburg fußten nicht auf Katastrophenvorstellungen

Andersherum fußten die Niederlagen gegen Berlin und Wolfsburg keinesfalls auf Katastrophenvorstellungen der Borussia. Beide Partien hätten auch gut und gerne anders laufen können, wenn das Momentum etwas mehr aufseiten der Gladbacher gewesen wäre. Es sind Nuancen, die über den Verlauf eines Spiels entscheiden. In den letzten beiden Heimspielen kam einiges zusammen, was unter der Rubrik ‚dumm gelaufen‘ eingeordnet werden muss. In der Summe war es zu viel und über zwei 0:3-Niederlagen zuhause darf man nicht allein mit dem Hinweis auf schlechtes Karma hinwegsehen, aber es gibt keinen Grund zur Panikmache.

Es gilt, besonnen und ruhig weiterzuarbeiten. Spieler wie Hazard, Ginter, Plea oder Neuhaus, die im Moment aus unterschiedlichsten Gründen etwas durchhängen, müssen mit individuellen Maßnahmen wieder auf das Niveau gebracht werden, das sie schon gezeigt haben. Es muss analysiert werden, wie sich die letzten punktuellen Veränderungen (Johnson und Kramer statt Lang und Strobl) auf das Gesamtgefüge auswirken und inwieweit weitere Anpassungen (z.B. Stindl als Achter und Plea als klare zentrale Spitze) Sinn machen.

Eine Niederlage gegen die Bayern wäre nicht das Ende des ‚Projekts Champions League 2019/2020‘

Es gibt einiges, was Dieter Hecking und sein Trainerteam justieren können. Natürlich geht es auch um die interne Ansprache. Zwei solche bittere Niederlagen steckt eine Mannschaft nicht mal eben so weg. Trotz der vorbildlichen Sprachregelung, nur von Spiel zu Spiel zu denken, hat die Gesamtsituation natürlich Auswirkungen auf die Psyche. Ein wenig geblendet waren einige vom (kurzen) Ruhm des Meisterschaftsanwärters und genauso wird der eine oder andere aktuell mehr als nötig mit den jüngsten Misserfolgen hadern. Das darf sich auf keinen Fall festsetzen, weil sonst ein Negativstrudel vorprogrammiert ist.

Noch ist alles im grünen Bereich und selbst eine Niederlage gegen die Bayern wäre nicht das Ende des ‚Projekts Champions-League 2019/2020‘. Doch klar ist, dass sich die Borussen in dieser Saison etwas erarbeitet haben, dass sie nun vielleicht verlieren könnten. Diesem Druck müssen sie sich stellen und standhalten. Die Voraussetzungen dazu sind nach wie vor mehr als ordentlich – wenn wirklich alle fokussiert bleiben und sich von den jüngsten Schwankungen nicht verrückt machen lassen.

 


von Marc Basten

 

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