Nachdreher aus dem Borussia-Park

»Nicht mit der Struktur, die du brauchst«

von Nachdreher aus dem Borussia-Park

Verkehrte Welt - Alassane Plea verteidigt vergeblich gegen Vincenzo Grifo (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach kommt gegen den SC Freiburg nicht über ein 1:1 hinaus. Es war ein eigenartiges und teilweise verwirrendes Spiel im Borussia-Park. Im Moment passt die Mischung nicht.

Vielleicht lag es daran, dass die Gladbacher Borussen unter der Woche Champions League geschaut haben. Diesen Wettbewerb, bei dem sie nächstes Jahr unbedingt mitmischen wollen und wo die deutschen Vertreter eine Lehrstunde nach der anderen erteilt bekommen. Der eine oder andere könnte ins Grübeln gekommen sein, ob es möglicherweise doch nicht ganz so erstrebenswert ist, sich nächstes Jahr dort auf ähnliche Art und Weise vorführen und verprügeln zu lassen.

Jedenfalls traten die Borussen gegen Freiburg nicht so auf, als ob sie auf Teufel komm raus in die Königsklasse wollen. Und nimmt man die Leistung gegen den SC und die in den letzten Wochen als Maßstab, haben die Gladbacher da auch nichts zu suchen. Wenn Freiburg mit seinen bescheidenen Möglichkeiten die Fohlen schon vor nahezu unlösbare Probleme stellt, wie soll das erst im internationalen Vergleich werden?

»Im Spiel gegen den Ball haben wir uns nicht gut verhalten, bei eigenem Ballbesitz fehlte die Durchschlagskraft«

Am Freitagabend spielte Borussia wie ein biederes Mittelklasseteam. Wieder schenkte man einen Gegentreffer sehr einfach her, diesmal konnte man zumindest den Worst Case abwenden, weil es den zeitnahen Ausgleich gab. Danach allerdings war die Luft raus, weil die Gladbacher sich zu sehr auf die Spielweise einließen, mit der sie letzte Woche in Mainz den vielzitierten ‚dreckigen‘ Auswärtssieg eingefahren hatten. Sie zogen sich bei gegnerischem Ballbesitz sehr weit zurück – der Ballbesitzanteil war vor der Pause ausgeglichen – und weil Freiburg es genauso machte, gab es endlose Ballstafetten ohne Tempo und Raumgewinn.

Wobei die Gäste bei ihren Offensivaktionen im ersten Durchgang sogar strukturierter vorgingen als die Borussen auf der anderen Seite. »Wir waren zu passiv«, monierte Dieter Hecking nach dem Schlusspfiff. »Freiburg hat uns auch fußballerisch vor Probleme gestellt. Im Spiel gegen den Ball haben wir uns nicht gut verhalten, bei eigenem Ballbesitz fehlte die Durchschlagskraft.« Das Gladbacher Spiel wirkte erschreckend ausrechenbar, die einzigen Überraschungsmomente waren Positionsrochaden, die aber kaum Wirkung zeigten – im Gegenteil. Als Zakaria früh im Spiel mit Hofmann die Seite tauschte, öffnete er durch mangelndes Timing die Lücke für den vorentscheidenden Pass vor dem Freiburger Führungstreffer. Flexibilität ist ja gut und schön – aber nur, wenn die Ordnung gewährleistet ist.

Das erste Remis im Borussia-Park und Grifo trifft – alles sehr verwirrend

Nach der Pause zog sich Freiburg zurück und beschränkte sich auf gelegentliche Konter. Borussia war optisch überlegen, etwas Zählbares sprang bei den immer verzweifelnder wirkenden Offensivbemühungen nicht heraus. »Wir haben gewollt und sind angerannt«, sagte Hecking. »Aber nicht mit der Struktur, die du brauchst«. Der Trainer monierte zurecht, dass sich seine Mannen zu wenig im Eins-gegen-Eins durchgesetzt haben um Überzahlsituationen zu kreieren. »Außerdem war es zu unsauber im letzten Pass nach vorne«, so Hecking weiter. »Dann wird es zäh, man wird ungeduldig und spielt die Angriffe nicht gut zu Ende.«

Tobias Strobl brachte es auf den Punkt: »Es war von allem etwas dabei: Wir haben zu langsam gespielt, hatten nicht die richtige Bewegung, haben nicht nach vorn gespielt, sondern zu oft nach hinten und quer.« Freiburg verteidigte es mit viel Leidenschaft, aber letztlich auch ohne großartig in Bedrängnis zu geraten. Eine richtig klare Torchance hatten die Borussen nicht.

So blieb am Ende ein verwirrender Eindruck, was nicht nur daran lag, dass Vincenzo Grifo im Borussia-Park ein Tor erzielt hat und es das erste Remis überhaupt in dieser Saison war. Der Punkt fühlte sich jedenfalls eher an wie eine Niederlage. »Wir werden die Länderspielpause nutzen, um das eine oder andere noch mal anzusprechen«, sagte Hecking mit Betonung auf ‚noch mal‘. Es wird höchste Zeit, dass das auch ankommt. Ansonsten gibt es Champions League im nächsten Jahr wieder nur vor dem Fernseher.

 


von Marc Basten und Jan van Leeuwen

 

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