Jantschke: Schwere Kapsel-Bänderdehnung im Schultereckgelenk

»Nach hinten heraus verdient«

von von Marc Basten und Jan van Leeuwen
Am Ende verdiente Sieger (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Am Ende verdiente Sieger (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Über 40 Minuten sah es in der Schalker Arena nicht danach aus, als ob Borussia Mönchengladbach und die Fans am Ende über den Einzug ins Achtelfinale würden jubeln können. Doch Borussia zeigte Stärke.

Es war wohl die schwächste Halbzeit, die Borussia Mönchengladbach auf den Rasen brachte, seitdem André Schubert die Verantwortung trägt. Und da Schalkes Trainer Breitenreiter anschließend von der besten Halbzeit unter seiner Amtszeit sprach, ergab sich ein klares Bild in der Gelsenkirchener Arena: »Schalke war uns in der ersten Halbzeit in allen Belangen überlegen«, konstatierte André Schubert.

Nach einer noch relativ vernünftigen Anfangsphase mit etwas ‚Pseudo-Ballbesitz‘ entglitt den Borussen in der Folgezeit immer mehr die Kontrolle. »Das hat keinen Spaß gemacht im ersten Durchgang«, meinte Yann Sommer. »Wir waren nicht aggressiv, haben keine Zweikämpfe und keine zweiten Bälle gewonnen. Als Mannschaft haben wir das vieles falsch gemacht«.

»Wir haben weder den Spielaufbau hinbekommen, noch haben wir vorne gutes Pressing gespielt«, monierte Schubert. »Was wir gut gemacht haben ist, dass wir in der Defensive um jeden Ball gekämpft haben. Trotzdem hat Schalke einige sehr, sehr gute Tormöglichkeiten. Wir hatten sehr viel Glück und einen überragenden Torwart«.

Yann Sommer hielt sein Team mehrfach mit Glanzparaden im Spiel. Eine neue Erfahrung für den Goalie, derart unter Beschuss zu stehen. »So viele Bälle aufs Tor zu bekommen, bin ich nicht gewohnt«.

Derweil galt für die Schalker die alte Fußballweisheit, wenn du vorne die Dinger nicht machst … Matip rutschte fünf Minuten vor der Pause aus, Stindl profitierte und netzte eiskalt ein. »Das war ein Tor aus dem Nichts«, lautete Schuberts korrekte Interpretation.

Gleichwohl spielte die Pausenführung den Gladbachern in die Karten. Während die Schalker haderten, hatten die Borussen Lunte gerochen. Und André Schubert fand offenbar die richtige Ansprache. »Wir haben über einige Dinge gesprochen«, so der Coach. »Über den Aufbau, das Pressing und das Umschaltverhalten. All die Dinge haben wir in der zweiten Halbzeit wieder deutlich besser gemacht. Nach hinten heraus war der Sieg verdient«.

Zudem lag Schubert richtig mit dem Wechsel, den er zur Pause vollzog. Josip Drmic, fast ohne Bindung zum Spiel, ersetzte er durch Fabian Johnson. Mit dem Effekt, dass mit dem US-Amerikaner Präsenz auf die linke Seite kam, während der bis dahin dort eher blasse Hazard in die zentrale Position durfte – und dort richtiggehend aufblühte.

Mit seinem verwandelten Elfmeter nach knapp zehn Minuten sorgte der Belgier für eine Vorentscheidung. Zu dieser Phase war Borussia bereits das bessere Team, woran sich im weiteren Verlauf nichts mehr ändern sollte. Die Schalker hatten den Glauben aufgegeben, die Gladbacher schwammen auf dem Oberwasser relativ locker ins Ziel.

Allerdings wollten sich nicht alle in Blau-Weiß mit der unvermeidlichen Niederlage abfinden. Kolasinac, Goretzka und vor allem der eingewechselte Hjöbjerg hatten einige dreckige Aktionen im Repertoire. Besonders fatal war Hjöbjergs Einteigen gegen Tony Jantschke. »Er spielt minimal den Ball und haut mich weg«, schilderte Jantschke die Situation, bei der die Bayern-Leihgabe Gelb sah und Jantschke sich die Schulter lädierte. »Es fühlt sich nicht gut an«, sagte Jantschke.

»Es war ein böses Foul, aber nicht zu vergleichen mit Sonntag«, spielte Jantschke auf den Tritt gegen André Hahn an. »Ich möchte ihm auf keinen Fall etwas unterstellen«. Dennoch war der Einsatz des Schalkers völlig überzogen.

Das empfand auch Max Eberl so, der davon ausgeht, auch den zweiten Sieg gegen Schalke teuer bezahlen zu müssen. »Ich empfinde keine große Genugtuung, denn möglicherweise wird Tony monatelang ausfallen«, ärgerte sich der Sportdirektor.

Zum Glück konnte Borussia am Donnerstag Entwarnung geben [siehe Kurzpass]. Nach eingehender Untersuchung wurde bei Jantschke eine schwere Kapsel-Bänderdehnung im rechten Schultereckgelenk diagnostiziert. Zum Glück ist nichts gerissen oder gebrochen. Ausfallen wird Jantschke allerdings - mindestens für das Auswärtsspiel in Berlin am Samstag.

Beeindruckend waren am Mittwochabend in der Arena die ‚André-Hahn-Gesänge‘ während der Partie und vor allem nach Schlusspfiff, als Mannschaft und Fans gemeinsam den Namen des Kollegen skandierten. Das war großartig. Im Gegensatz zu einem Teil des Schalker Anhangs, der sich mit einem höhnischen ‚Wo ist André Hahn?‘-Gesang mal wieder auf seinem Niveau präsentierte.

Aufregen muss man sich darüber nicht – zwei Siege innerhalb von drei Tagen sind ein klares Statement.

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